Anfang 2011 hatte es nach einer Notoperation ob eines Blutgerinsels in der Lunge kurz nach einem Karriereende ausgesehen, nun sitzt Serena Williams auf dem Thron im Wimbledon. Nach Martina Navratilova ist sie die älteste Siegerin bei einem Grand Slam-Turnier.
Serena Williams hat es allen noch einmal gezeigt und zum fünften Mal Wimbledon gewonnen. Die 30-jährige Amerikanerin besiegte bei dem berühmtesten Tennisturnier der Welt Agnieszka Radwanska 6:1, 5:7, 6:2. Radwanska war die erste polnische Grand-Slam-Finalistin seit 1939 - sie klettert in der Weltrangliste vom dritten auf den zweiten Rang.
Vor den Augen von IOC-Präsident Jaques Rogge in der Royal Box holte sich Serena Williams ihren 14. Grand Slam-Turniersieg - den ersten seit ihrem Comeback im Sommer 2011 nach dem lebensgefährlichen Blutgerinsel in der Lunge. Zudem ist sie die erste Spielerin in den Dreißigern, die seit dem Sieg von Martina Navratilova (1990 Wimbledon) einen Grand Slam Titel holte.
"Ich wollte mich einfach durch alles durchkämpfen", hatte Williams vor dem Match gesagt, die ab Montag wieder die Nummer vier der Tenniswelt ist. "Sie ist eine der größten Athletinnen dieses Sports", hatte Tennis-Legende und BBC-Experte John McEnroe vorher respektvoll erklärt. Allerdings hatte er von Radwanska geradezu geschwärmt und sie mit sich selbst verglichen: "Aga ist eine meiner Lieblingsspielerinnen und sie hat die besten Hände im Damentennis."
Williams dominiert Satz eins deutlich
Williams war zunächst mit ihrem Powertennis übermächtig und Radwanska schien zu überwältigt von den Eindrücken ihres ersten Grand-Slam-Finals auf dem Centre Court im All England Club. Zudem hatte sie nach ihrem Halbfinalsieg gegen Deutschlands Top-Ten-Spielerin Kerber wegen Atemproblemen zwei Pressekonferenzen absagen müssen - sie wirkte nicht so spritzig wie in ihren vorigen Matches. So wurde es zunächst nicht das von Williams befürchtete "sehr physische Match".
Radwanska kam überhaupt nicht ins Match und musste bei 0:5 zwei Satzbälle abwehren. Gerade der Aufschlag war das große Manko, nur 52 Prozent ihres ersten Aufschlags konnte die Polin in Punkte verwandeln. Ihre fünf Winner waren im Vergleich zu derer 16 von Williams ebenfalls ein Indiz des schwachen Spiels.
Radwanska dreht auf und gewinnt den zweiten Satz
Doch nach dem ersten völlig einseitigen Satz rettete Polens neue Sportheldin - sie ist die erste Polin, die ein Grand Slam-Finale erreicht, einen WTA-Titel gewonnen, die Top Ten erreicht und die Nummer eins der Welt geschlagen hat - eine Regenpause, aus der sie deutlich stärker zurückkam und Williams ein Duell auf Augenhöhe bot.
Williams haderte mit dem variablen, klugen Spielstil der Krakauerin, der an die Schweizerin Martina Hingis erinnert. Zwar holte sie sich nicht die Mehrzahl an direkten Punkten, doch stabilisierte sie ihren Aufschlag, agierte stark am Netz und zwang Williams immer wieder zu Fehlern. Nach 49 Minuten stand es 1:1.
Wer nun mit einem Einbruch bei Williams gerechnet hatte, lag komplett daneben. In ihrem 18. Grand Slam-Finale behielt sie die Ruhe, hatte zudem innerhalb des letzten Jahres eine makellose 10:0-Gilanz gegen Spielerinnen aus den Top Fünf vorzuweisen. Mit sieben Assen und einer optimalen Ausbeute von zehn Punkten aus zehn ersten Aufschlägen dominierte sie das Match erneut.
Williams gewinnt den Titel und zieht mit ihrer Schwester gleich
Mit ihrem schwachen zweiten Aufschlag erlaubte Radwanska ihrer Gegnerin dann stolze acht Breakbälle und musste sich schließlich nach 2:02 Stunden geschlagen geben. Damit konnte Radwanska der Serie kein Ende bereiten, dass noch nie in der Geschichte ein polnischer Sportler einen Titel bei einem Grand Slam-Turnier gewonnen hat.
Williams hatte im Turnierverlauf mit ihren 85 Assen bis zum Finale für Furore gesorgt. "Sie hat noch nie in ihrer Karriere so gut aufgeschlagen wie in diesem Turnier", meinte Martina Navratilova. In der ewigen Bestenliste belegt die fast 31-jährige Serena Williams mit 14 Grand-Slam-Titeln Platz vier hinter Steffi Graf (22 Titel), Chris Evert (USA/18) und Navratilova (USA/18).
Und mit fünf Erfolgen bei den All England Championships zog sie zudem mit ihrer älteren Schwester Venus gleich, mit der sie im Doppel-Endspiel steht. Außerdem kassierte sie einen Preisgeldscheck in Höhe von 1,15 Millionen Pfund (rund 1,45 Millionen Euro).
