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Von: Malte Asmus
Datum: 13. Mai 2013, 11:58 Uhr
Format: Artikel
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Werder Bremen vor dem Umbruch - was wird aus Thomas Schaaf?

Werder Bremen, Schaaf
Was wird aus Thomas Schaaf bei Werder Bremen?

Werder Bremen hat den Abstieg zwar gerade noch vermieden, doch von Happy End keine Spur. Schließlich war es der negative Höhepunkt dreier verkorkster Saisons in Folge. Der Club steht vor der großen Analyse und dem Umbruch. Was wird aus Thomas Schaaf?

Zunächst klang es noch wie ein eindeutiges Treuebekenntnis an seinen Coach. "Der Trainer in der kommenden Saison heißt Thomas Schaaf. Warum sollte er das nicht sein?", beantwortete Sportchef Thomas Eichin sichtlich genervt nach dem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt, das Werder Bremen den Klassenerhalt gebracht hatte. Doch dann schob er doch so etwas, dass ernste Zweifel aufkommen lässt, ob Schaaf seinen eigentlich noch bis 2014 laufenden Vertrag auch wird erfüllen können: "Wir haben drei durchwachsene Spielzeiten erlebt. Die müssen wir analysieren".

"Stand heute gehe ich davon aus, dass er bleibt", sagte Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, neulich im NDR-Sportclub. Wie es nach der eingehenden Analyse aussehen wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Es könnte eng für Schaaf werden. Schließlich stellte er mit zuletzt zwölf sieglosen Spielen in Serie den Vereinsnegativrekord aus der Saison 1995/96 ein und die Liste der Kritikpunkte seiner Vorgesetzten ist lang. "Wir haben es nicht geschafft, an die Europa League heranzurücken. Wir sind nicht glücklich mit den Einkäufen der letzten Zeit. Und nicht mit der Zuführung junger Spieler in den Profi-Kader. All das müssen wir diskutieren", hatte Geschäftsführer Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer zusammengefasst.

Schwere Vorwürfe an Thomas Schaaf

Ein Statement, das genauso als klare Kritik an der Arbeit des Trainers verstanden werden muss wie der Vorwurf Eichins, das Team bestehe aus zu vielen Individualisten, sei keine Einheit, es fehle zudem an Routiniers. Schließlich zeichnete Schaaf gemeinsam mit dem mittlerweile nach Wolfsburg abgewanderten Klaus Allofs die Verantwortung für Transfers verantwortlich. Aufsichtsratsboss Willi Lemke haute laut Kreiszeitung Syke in die selbe Kerbe, fragte provokant: "Wie konnte es passieren, dass wir sehr gute Spieler gekauft haben, die dann als Mannschaft die Leistung nicht zurückgeben konnten?"

Auf alle diese Fragen muss Schaaf nun die richtigen Antworten finden. Auf die Probleme der ganzen Saison fand Schaaf sie erst spät. Zusammengeschweißt wurde die Mannschaft erst durch den Abstiegskampf der letzten Wochen - vielleicht auch unter dem Eindruck der Suspendierung von Eljero Elia und Marko Arnautovic nach nächtlicher Autobahnfahrt. Eine klare spielerische Linie, die auch langfristig durchgehalten wurde, sucht man allerdings in Bremen seit drei Jahren vergeblich. Taktische und spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft? Fehlanzeige.

Und auch wenn Schaaf es in den 14 Jahren als Trainer bei Werder Bremen durchaus einige Male geschafft hatte, schwierige Typen mit großer fußballerischer Qualität zu integrieren und zu Teamspielern zu machen, an der fehlenden charakterlichen Reife von Elia und Arnautovic biss er sich in dieser Saison die Zähne aus.

Personeller Umbruch bei Werder Bremen erforderlich

Bei Werder Bremen muss ein klarer Umbruch her. In der Führungsetage wurde dieser bereits eingeleitet. Allofs ist weg, wurde von Eichin ersetzt, Nachwuchsschef Uwe Hartgen wurde durch Frank Baumann als neuem Direktor Profifußball und Scouting ersetzt, im Winter wird auch Fischer aus der Geschäftsführung ausscheiden. Marco Bode wird mittelfristig als Nachfolger gesehen. Im Kader steht der Umbruch nun bevor. Aaron Hunt wird dem Club genauso erhalten bleiben wie der langsam wieder in Tritt kommende Felix Kroos, Nils Petersen wohl fest verpflichtet werden können.

Der Abgang von Chelsea-Leihgabe Kevin de Bruyne steht dagegen fest, Abwehrchef Sokratis könnte sich anschließen. Bayer Leverkusen ruft. Was aus Arnautovic und Elia wird, steht noch nicht fest. Bei einem entsprechenden Angebot würde Werder aber wohl beide ziehen lassen. "Ich habe noch ein Jahr einen Vertrag mit Werder Bremen. Man wird sehen, ich weiß selber nicht, wie meine Zukunft aussieht", erklärte Arnautovic im ORF.

Im Gegenzug braucht Werder Verstärkungen. Wie die 63 Gegentreffer nahelegen vor allem in der Defensive, wo sich in dieser Saison die individuellen Fehler zeitweise schon beängstigend häuften. Aber auch auf den übrigen Positionen könnte eine Blutauffrischung nicht schaden. Eine schwere Aufgabe, die angesichts der angespannten Finanzlage noch komplizierter erscheint - immerhin fehlen seit Jahren Einnahmen aus dem europäischen Wettbewerb. Laut welt.de muss der bereits vor einem Jahr von 60 auf 35 Millionen Euro zusammengestrichene Etat erneut um acht Millionen gekürzt werden.

Wer kommt, wenn Schaaf geht?

Wenig Spielraum für den Trainer - wie auch immer der in der neuen Saison heißen wird. "Wir werden abwägen, werden mit Thomas reden, wie er noch drauf ist, die Mannschaft zu motivieren, neu aufzubauen", kündigte Lemke in der Kreiszeitung an. Dass Werder Bremen Schaaf vor die Tür setzten wird, gilt für Insider als eher unwahrscheinlich. Zu groß sind seine Verdienste als Spieler, Nachwuchs- und Profitrainer für den Club. Gut möglich allerdings, dass das Urgestein von selber hinschmeißen könnte.

Schaaf werden private Kontakte zu Red Bull Salzburg nachgesagt, Immobilien besitzt er dort bereits, verbringt seine Urlaube regelmäßig in der Mozartstadt. Und auch seine Ehefrau soll bereits zum Ortswechsel geraten haben. Damit würde er den Weg für den ganz großen Umbruch freizumachen, damit sich Werder Bremen neu erfinden könnte. Unter wem, vielleicht Mehmet Scholl, wie spekuliert, aber auch bereits dementiert wurde? Die nächsten Tage und Wochen werden auf alle diese Fragen Antworten bringen.