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Von: Malte Asmus
Datum: 08. August 2012, 12:32 Uhr
Format: Artikel
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Was bedeutet der Rücktritt von Butt für Matthias Sammer und den FC Bayern?

Fußball,Sammer,Butt,Bayern München
Matthias Sammer und Jörg Butt noch beim gemeinsamen Trainingsbesuch

Der überraschende Rücktritt von Jörg Butt als Jugendkoordinator beim FC Bayern München nach nur 37 Tagen im Amt wirft Fragen auf. Natürlich nach der Rolle, die Matthias Sammer dabei spielte. Aber vor allem danach, was er für den Rekordmeister bedeuten kann.

"Ich bin mir selbst und damit auch dem FC Bayern gegenüber ehrlich: ich habe dieses Tätigkeitsfeld, für das ich nun seit einigen Wochen verantwortlich bin, falsch eingeschätzt," heißt es in der Erklärung, in der Butt die Gründe für seinen Rückzug vom erst vor fünf Wochen angetretenen Amt des Jugendkoordinators anführte.

"Ich bin mit großer Begeisterung an meine neue Tätigkeit herangetreten, musste allerdings feststellen, dass mir diese Aufgabe nicht die gewünschte Zufriedenheit und Passion bringt. Deshalb meine Entscheidung. Ich danke dem FC Bayern für sein Verständnis“, ergänzte Butt. Karl-Heinz Rummenigge reagierte in einer ersten öffentlichen Stellungnahme mit "Bedauern" auf die überraschende Nachricht, lobte Butt aber als gradlinig und konsequent.

Verdienstvolle Spieler statt eingearbeiteter Experten

Doch muss der FC Bayern München aus sportlicher Sicht Butts Schritt tatsächlich bedauern? Die Aufgabe, die Jugendarbeit des Clubs neu auszurichten, sie auf eine völlig neue Grundlage zu stellen und in eine vom neuen Verantwortlichen Matthias Sammer zu erarbeitende übergeordnete Struktur und Philosophie einzupassen, ist schließlich eine enorme und gleichfalls heikle Aufgabe. Vom Erfolg dieser Maßnahmen hängt immerhin nicht mehr als die Zukunft des FC Bayern ab.

Vielleicht ist die Aufgabe daher auch zu heikel, um sie einem Mann anzuvertrauen, der weder Erfahrungen als Coach im Jugendbereich noch überhaupt einen Trainerschein vorweisen kann. Denn Butt verfügt weder über das eine, noch das andere. Seine einzige Qualifikation für die Position waren seine in vier Jahren als Torhüter erworbenen Meriten, seine Verdienste um den Club und seine angeblich gute Freundschaft zu Ex-Sportdirektor Christian Nerlinger.

Die Familie FC Bayern um Uli Hoeneß und Rummenigge lässt seine verdienstvollen Spieler eben nicht hängen - wenn sie sich nicht gerade wie Lothar Matthäus selbst für das Amt des Greenkeepers disqualifizieren. Gerd Müller rutschte so in den Trainerstab der Amateure, Hansi Pflügler bekam den Fanartikel-Handel aufs Auge gedrückt, Raimond Aumann wurde zum Fan-Beauftragten und Butt sollte in dieser guten alten Tradition nun zusammen mit Michael Tarnat die von Werner Kern frei gemachte Stelle des Jugendkoordinators übernehmen.

Vielleicht fühlte sich Butt Sammers Vorgaben nicht gewachsen

Niemand behauptet, dass alle diese Männer ihren Job schlecht machen würden. Und ehrlich gesagt, das Prozedere der Bayern verdienten Spielern nach beendeter aktiver Karriere eine weitere Beschäftigung zu ermöglichen, ist durchaus sympathisch und bringt wohltuende Menschlichkeit in das ansonsten so harte und leistungsorientierte Fußballgeschäft.

Doch wichtige Ämter an Menschen ohne entsprechend nachgewiesene Qualifikation zu vergeben, ist auf Toplevel einfach anachronistisch und passt daher eigentlich auch nicht zu einem Club, der für sich gerne in Anspruch nimmt, Vorreiter in allen wichtigen Bereichen des Fußballs zu sein und vor allem, der enorme Ansprüche hat und diese mit der Installation von Sammer als neuem starken Mann und Ideengeber wieder einmal eindrucksvoll untermauert hat.

Der Sport-Vorstand soll mit seinem Knowhow den FCB wieder zur unangefochtenen Nummer eins machen und nach zwei Jahren wieder an Borussia Dortmund vorbeiziehen lassen. Sammer jetzt allerdings vorzuwerfen, dass er dazu Butt aktiv aus dem Amt gedrängt habe, wäre zuviel der Spekulation. Das Verhältnis der beiden zueinander beschreiben Insider als "unproblematisch". Trotzdem bleibt die Frage, wieso Butt erst jetzt zu der Überzeugung kam, dass er den Job "falsch eingeschätzt" habe. An der Seite von Kern hatte er sich schließlich schon seit einem Jahr auf die Aufgabe vorbereiten können. Er wusste, was ihn erwartete.

Aber vielleicht fühlte sich Butt der Aufgabe, die nach der Verpflichtung von Sammer eine noch tiefere Dimension und deutlich größere Bedeutung bekommen hatte, auch einfach nicht mehr gewachsen. Vielleicht fühlte er sich einfach überfordert, die zwölf Teams von der U8 bis zu U23 zu koordinieren und gleichzeitig die von Sammer vorgegebene Richtung auch konsequent und erfolgversprechend umzusetzen.

Sammer der neue starke Mann

Fakt ist, die Macht von Sammer und sein Einfluss auf die Zukunft des FC Bayern sind nach Butts Entscheidung noch einmal erheblich gestiegen. Jetzt hat er die Chance, die zentrale Position des Jugendkoordinators nicht nur mit einem ausgewiesenen Experten, sondern auch einem persönlichen Wunschkandidaten zu besetzen. Mit einem Mann, von dem er weiß, dass dieser seine Ideen auch in seinem Sinne konsequent umsetzen wird.

Angeblich, so berichtet bild.de, soll Sammer derzeit versuchen Stefan Böger beim DFB loszueisen. Mit dem derzeitigen U17-Nationaltrainer hatte er schon als Sportdirektor des Verbandes eng zusammen gearbeitet. Deutlich wird dadurch eins: Der dringend benötigte Umbau beim FC Bayern ist in vollem Gange und wird sicher nicht im Jugendbereich halt machen.

Auch andere sportliche Abteilungen werden sich in naher Zukunft auf Änderungen einstellen müssen - mit Sicherheit auch die sich an alten traditionellen und konservativen Wegen festklammernden Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge. Aber das wussten sie ja sicher, als sie Sammer verpflichtet hatten. Denn wo Butt "gradlinig und konsequent" ist, ist Sammer das schon lange. Für den FC Bayern muss das nicht das Schlechteste sein.