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Von: Michel Massing
Datum: 27. November 2012, 07:46 Uhr
Format: Artikel
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Vorschau auf den 14. Bundesligaspieltag: Bayern-Angst vor BVB-Monster?

BVB,FC Bayern München,Freiburg
Der 14. Bundesligaspieltag in der Vorschau: Bayern, der BVB und Freiburg.

Beim FC Bayern München schleudert man von Krise zu Kantersieg. Kommentiert wird der Saisonverlauf von einer Führungsriege, die einem mehrköpfigen Monster gleicht. Der BVB wird gleich als Monster AG bezeichnet und sein Trainer macht so manchem Angst.

FC Bayern München: Monster in der Krise?

Das Wort Krise ist im Fremdwörterlexikon zu finden. Ein Fremdwort ist es in der Sprache der Sportjournalisten eher nicht. In eine Krise kann man sich hineinmanövrieren oder schlittern, oder sie wird herbeigeredet. Nach zuletzt zwei Unentschieden in Nürnberg und Valencia wurde dem FC Bayern München schon die nächste Krise angedichtet.

Normalerweise reagiert der FC Bayern in Person von Uli Hoeneß, der das Krisengespenst mit starken Worten wie "Schwachsinn" und "dummes Zeug" aus dem medialen Dorf zu jagen sucht. In diesem Fall war es aber Karl-Heinz Rummenigge, der dem Krisengerede Vorschub leistete, indem er nach dem Spiel in Valencia seine Unzufriedenheit in einer Bankettrede publik machte. "Man kann eine Formkrise auch herbeireden", antwortete Franz Beckenbauer nach dem 5:0-Sieg gegen Hannover bei Sky90.

"Wenn man an die eigene Mannschaft so kritische Worte richtet, dann machen die Medien auch eine Krise draus. Das kann man sich auch einreden", kritisierte Beckenbauer den Vorstandschef Rummenigge. Trainer Jupp Heynckes gehört wie Beckenbauer zur Abteilung Harmonie. Ihm gefiel die Rummenigge-Rede ebenfalls nicht. "Ich weiß selbst, was ich zu tun habe mit der Mannschaft", konterte er Rummenigge und fügte süffisant hinzu: "Auch früher hat der FC Bayern nicht immer glorreich gespielt, überwältigend und attraktiv."

Matthias Sammer wiederum sieht Krisen, wo andere sich noch in den Armen liegen. Er ist von Natur aus mit dem erhobenen Zeigefinger ausgestattet und mahnte, der Sieg sei gegen einen nicht ganz "frischen" Gegner aus Hannover zustande gekommen. Was Rummenigge und Sammer zu verhindern suchen, ist eine Wiederholung des "schwarzen Novembers" des letzten Jahres. Da verlor man gegen den BVB und danach in Mainz und gab die Tabellenspitze ab. Zwei Niederlagen würden den Bayern in diesem November allerdings noch nicht Platz zwei einbringen.

Nach dem Spiel in Freiburg und dahoam gegen Dortmund müssten die Bayern auch in Augsburg verlieren, bei drei Siegen der Schwarz-Gelben. Dann wäre das Gerede von einer Krise allerdings zu einer tatsächlichen "Entscheidungssituation - einem Wende- bzw. Höhepunkt - einer gefährlichen Situation", ausgewachsen, wie es das Lexikon definiert. Dann wird sich das vielköpfige Bayernmonster auch nicht mehr mit Good Cop-Bad Cop-Spielchen zwischen Abteilung Harmonie und Attacke aufhalten, dann wird unisono Feuer gespien. Bis dahin gilt: Es ist nicht überall Krise, wo Krise draufsteht.

Monster-BVB - Angst vor Klopp?

Apropos Monster: Jürgen Klopp war mal wieder "so unglaublich stolz" auf seine Mannschaft, die er als "Mentalitäts-Monster" adelte und zusammen mit Susi Zorc und Vorstand Watzke wurde in der Kabine fast geheult, weil man so unglaublich stolz darauf ist, was diese unglaubliche und in Europa einzigartige Mannschaft sich in den letzten Wochen abverlangt hat. Bin ich der Einzige in der verschwindend kleinen Redaktion von sportal.de, dem der joviale Kumpel-Pathos des guten Kloppo zu den Ohren rauskommt? Ja, denn wie bekannt sind wir eine BVB-Fanseite, geben Hummels und Götze immer zu gute Noten und schlafen in einer schweißrandgeprägten Pöhler-Mütze.

Dass Jürgen Klopp allerdings durch sein "aggressives Verhalten" an der Linie "gewaltsame Exzesse an der Basis" hervorrufen könnte, halte ich für eine gewagte These des Abteilungsleiter Schiedsrichter, Lutz Michael Fröhlich. Dieser ruderte mittlerweile zurück, zumindest was die Person Klopp angeht. "Es ging mir um eine grundsätzliche Sensibilisierung für dieses Thema, denn das hat Einfluss auf die Arbeit der Schiedsrichter in allen Bereichen des Fußballs. Es geht mir nicht um Personen und es war nicht meine Absicht, eine bestimmte Person anzugreifen", so Fröhlich am Sonntag.

Er meinte also die gesellschaftliche Vorbildfunktion eines Bundesligatrainers. Ein interessantes Thema, das man sicherlich in einer wissenschaftlichen Arbeit ergründen könnte. Ob man Übergriffe und Gewalt-Eskalation im Amateurbereich allerdings auf das am weitesten entfernte Vorbild schieben kann, bleibt fraglich. Man hört, es gäbe noch einige Sozialisationsinstanzen zuvor, die einen gewissen Einfluss auf Heranwachsende haben könnten. Ist das BVB-Team auch ein "Mentalitäts-Monster" und laut kicker die "Monster AG", so sollte man doch die Monster im Dorf lassen und den Kloppo nicht gleich als selbiges durchs Dorf jagen.

SC Freiburg: Schlagen die Laufungeheuer erneut zu?

Ein bei den Schiedsrichtern ähnlich beliebter Vorbildtrainer ist Christian Streich vom Sportclub Freiburg. Das Breisgauer Rumpelstilzchen gab sich beim 3:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart ungewohnt gelassen und verzichtete weitestgehend auf Tänzchen an der Seitenlinie, wohlwissend, dass Platz sechs in der Liga zwar ehrenwert ist, aber mit dem erwartet schweren kommenden Gegner aus München auch nur zur Momentaufnahme verkommen kann. Zu Platz elf sind nämlich nur zwei Punkte Differenz.

Dennoch hat sich der Sportclub heimlich, still und leise elf Punkte Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze erarbeitet. Fragt man nach den Gründen, wird meist die monstermäßige Laufleistung der Breisgauer angeführt. Allerdings boten die Breisgauer beim 3:0-Sieg gegen den VfB etwa einen Kilometer weniger geballte Lauffreude als der Gegner. Freiburg begeistert jedoch durch ein defensiv kompaktes Auftreten bei konsequentem Pressing.

Cedric Makiadi und Julian Schuster bringen sowohl hohes Laufvermögen, Zweikampfstärke als auch ein klares Passspiel in die Spitze mit. Dort hat der Sportclub mit dem wieder in Form geratenen Jan Rosenthal und Max Kruse zwei schwer auszurechnende und torgefährliche Offensivspieler. Auch wenn Freiburg neben dem VfB und BVB nur die drittbeste Mannschaft nach Kilometerleistung ist, hofft Streich gerade in diesem Bereich auf einen Vorteil.

"Wir sind topfit, wir laufen enorm viel. Ob wir das wieder abrufen können, kann ich nicht sagen", so Streich laut Badischer Zeitung. 6,5 km mehr als die Bayern bringt der Sportclub auf den Tacho, und in der letzten Saison knöpfte man dem Rekordmeister vor heimischem Publikum einen Punkt ab. Es ist also nicht undenkbar, dass sich die Geschichte wiederholt und das Kilometermonster aus dem Breisgau dem vielköpfigen Drachen aus München ganz schön Beine macht.