Vitali Klitschko kann nach dem Sieg durch Abbruch nicht zufrieden sein. Zwar beherrschte er Herausforderer Charr nach belieben, doch einen spektakulären Knock Out zum Karriereende konnte er nicht bieten. Jetzt wartet die Politik, David Haye oder der Ruhestand.
Es war ein ganz und gar unbefriedigender Kampf, dieser 45. Sieg im 47. Kampf für Vitali Klitschko. Er konnte den Zuschauern gegen einen unterlegenen Gegner keinen Knock Out bieten, zu allem Überfluss läuft der chancenlose Kontrahent jetzt durch die Gegend und behauptet, er hätte Vitali in der zweiten Kampfhälfte KO geschlagen.
Charr kann nun Legenden spinnen
"Ich wollte in der zweiten Hälfte voll angreifen", sagte ein enttäuschter Charr laut boxen.de. "Ich bin durch die Schläge nur stärker geworden. Klitschko wäre tausendprozentig gefallen. Ich wollte Axel Schulz und Timo Hoffman rächen. Ich wollte weitermachen, was einen nicht umbringt, macht einen härter." Einzig sein Mut und eine ordentliche Doppeldeckung wird man Charr attestieren können. Doch seine Angriffe wurden von Vitali gnadenlos abgekontert.
Das Thema Charr ist für WBC-Weltmeister Vitali Klitschko damit erledigt. Charr habe seine Chance gehabt - nun ist ein anderer dran. Ob und wann Vitali das nächste Mal boxt, steht allerdings noch in den Sternen. Denn der 41-Jährige hat noch nicht genug. Zwar ließ Klitschko zunächst offen, ob er seine Karriere nun fortsetzt oder nicht. Mit seiner Oppositionspartei Udar will der Zwei-Meter-Recke am 28. Oktober bei der Wahl ins ukrainische Parlament einziehen.
Für Vitali Klitschko zählt jetzt die Politik
"Ich sehe mich jetzt vor allem wichtigen Belangen in der Politik gegenüberstehen und nicht nur Sport", sagte Vitali laut Daily Mail. "Ich werde morgen nach Kiew fliegen und mich dort mit all meiner Aufmerksamkeit als Parteiführer den Vorbereitungen zur Parlamentswahl widmen." Ein Wort zu seiner Boxzukunft ließ er dann aber dennoch verlauten. "Ich bin 41 und boxe noch, aber keiner kann die Natur besiegen, ich werde in nächster Zeit meine Boxhandschuhe an den Nagel hängen müssen."
Sollte Vitali Klitschko für einen letzten Kampf in den Boxring zurückkehren, dann wird der nächste Gegner sicherlich nicht noch einmal ein No-Name wie Charr sein. Mit David Haye wartet ein ganz anderes Kaliber. Vitali Klitschko konnte Dereck Chisora im Februar angeschlagen nur über die Runden besiegen. David Haye lieferte einen spektakulären Knock Out gegen Chisora und ist somit auch sportlich im Schwergewicht angekommen.
David Haye wartet, hat Vitali das noch nötig?
Das Großmaul würde der WBC-Champion zu gern auf die Bretter schicken, zumal der Brite durch die Pay-per-View-Einnahmen auf der Insel die dickste Börse von allen derzeit zur Verfügung stehenden Gegnern verspricht. Ca. 13 Millionen Euro an Börse sind derzeit im Gespräch. "Das war heute eine Katastrophe", giftete Haye. "Klitschko sollte sich schämen: eine schlechte Leistung. Ich habe so viele Lücken gesehen, so viele Mängel in seiner Deckung. Ich bin sicher, dass Vitali mit mir niemals sechs Runden durchstehen würde."
Es gibt allerdings auch Stimmen, die Vitali Klitschko den sofortigen Gang in den Ruhestand nahelegen. So schrieb Boxexperte Björn Jensen bei welt.de: "Er könnte sich von seinen Fans auch ohne einen weiteren Kampf würdevoll verabschieden. Und er könnte dadurch am Ende doch etwas beweisen: dass es möglich ist, wenn nicht auf dem, dann doch auf einem Höhepunkt der Karriere abzutreten. Die Zeit dafür ist reif. Er sollte sie nicht länger verstreichen lassen."
Findet Klitschko das passende Karrierende?
Ob Vitali Klitschko in die Politik geht, das hängt letztlich auch von den Wählern ab. Der 41-jährige ging in seiner Karriere nie zu Boden und wurde von keinem Gegner, sondern nur durch Verletzungen besiegt. Wenn Vitali Klitschko seine grandiose Karriere nun beenden würde, wäre ihm niemand böse. Doch der letzte Eindruck zählt und der ist nach dem Abbruch gegen Charr unbefriedigend.
Vielleicht sehnt sich Dr. Eisenfaust auch nach einem Abtritt mit allergrößtem Tam-Tam. Dann sollte Vitali Klitschko den Anzug noch einmal ablegen und David Haye boxen. Nötig hätte er es nach seiner grandiosen Karriere nicht, aber für den Boxfan wäre es eine letzte große Schlacht.
