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Von: Nils Lehnebach
Datum: 12. Januar 2013, 14:13 Uhr
Format: Artikel
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Tennis-Star Serena Williams vor herausragendem Jahr?

Williams, Tennis
Serena Williams steht vor einem großen Jahr

Serena Williams hat zuletzt alles gewonnen, was sie gewinnen konnte. Noch ist die US-Amerikanerin nur die Nummer drei der Welt. Doch bei den Australian Open dürfte sie die Spitze übernehmen. Dies soll jedoch nur der Beginn eines herausragenden Jahres werden.

Die Grand Slams sind die größte Bühne, die der Tennissport zu bieten hat, sie sind die vier Eckpfeiler der Saison, die Momente, die hängen bleiben. Sie schaffen neue Stars – und lösen alte ab. Nach ihrem Triumph bei den Australian Open 2012 übernahm Victoria Azarenka erstmals die Weltranglisten-Führung und behielt sie - bis auf vier Wochen im Sommer - bis jetzt. Fast genau ein Jahr später, am 28. Januar 2013, dürfte sie die Spitze wieder los sein.

Viele gehen davon aus, dass dann Serena Williams wieder die Nummer eins sein wird - auch die US-Amerikanerin selbst. "Glaubt mir: Ich werde wieder die Nummer eins sein. Es ist nur eine Frage der Zeit", sagte sie jüngst. Insgesamt 123 Wochen war die derzeitige Weltranglisten-Dritte schon an der Spitze - ab Ende Januar dürften weitere hinzukommen.

Denn die US-Amerikanerin ist nun schon seit Monaten das Maß der Dinge im Frauen-Tennis, auch wenn die Weltrangliste anderes vermuten lässt. Nach ihrem blamablen Aus bei den French Open legte sie einen beeindruckenden Lauf hin. Sie verpflichtete Patrick Mouratoglou als neuen Trainer, mittlerweile ist der Franzose gar ihr Lebenspartner.

Mit Wimbledon, Olympia, den US Open sowie der WM in Istanbul gewann sie die vergangenen vier Groß-Events - und gab dabei in 25 Partien nur vier Sätze ab. Eine Fabelbilanz. In diesem Zeitraum verlor sie lediglich eine Partie, ausgerechnet gegen Angelique Kerber.

Und auch der Start in die neue Saison glückte, in Brisbane gab sie in vier Partien nur 17 Spiele ab, ein ebenfalls beeindruckender Wert. Nach ihrem 47. Turniersieg sagte sie: "Ich habe mir ein paar alte Matches auf YouTube angeschaut und habe das Gefühl, im Moment besser zu spielen, als jemals zuvor."

Gut dosierter Turnerplan

Im Vorjahr scheiterte Williams, die derzeit in der Weltrangliste 9750 Punkte hat, in Melbourne bereits im Achtelfinale, sie hat also nu 280 Punkte zu verteidigen – und damit viel Luft nach oben. Anders sieht es bei Azarenka (2000 Punkte) und der Nummer zwei der Welt, Maria Sharapova (1400 Punkte) aus. Und Williams liegt nur 845 Punkte hinter Azarenka und 295 hinter Sharapova. Die US-Amerikanerin hat also gute Voraussetzungen, Punkte aufzuholen. Zumal ihre Auslosung vermeintlich leicht ist, in der ersten Runde trifft sie auf Edina Gallovits-Hall aus Rumänien, im Halbfinale könnte es gegen Azarenka gehen.

Doch für Williams ist die Übernahme der Spitze nicht das einzige Ziel. "Ich denke nicht so viel darüber nach. Ich gewinne lieber Grand Slams und Turniere", sagte Williams, die in diesem Jahr Geschichte schreiben und alle vier Grand Slams gewinnen will. "Absolut. Ich denke, dass ich definitiv in dieser Weise fühle", so Williams. Zuletzt war dies Steffi Graf 1988 gelungen.

Um dies zu erreichen, geht Williams ihren eigenen Weg. Die US-Amerikanerin nahm 2012, den Fed Cup ausgenommen, an nur 13 Turnieren teil. Sie ist zu einer Art Teilzeitspielerin geworden. Aus den Top Fünf spielte nur Sharapova (14) ähnlich selten, die übrigen Damen waren deutlich häufiger unterwegs (Azarenka 18 Turniere, Radwanska 22, Kerber 21). Durch diese Dosierung spart sich Williams die Strapazen der Reisen, dafür ist gewährleistet, dass sie bei jedem Turnier, an dem sie teilnimmt, in Top-Form ist. Und an einem guten Tag ist Williams mit ihrer Kraft, mit ihrer Wucht und mit ihrer Ausstrahlung eigentlich nicht zu schlagen.

Auch für 2013 ist ihre Turnierplan übersichtlich. Den Fed Cup ausgenommen, startet sie wohl bei nur 15 Events, die Weltmeisterschaft in Istanbul schon mit eingerechnet. Dazu kommen drei Show-Partien im März und April.

Fehlende Konkurrenz in den USA

Williams hat zuletzt angekündigt, dass sie und ihre Schwester noch bis zu den Olympischen Sommerspielen 2016 spielen wollen. „Das ist Hauptziel“, sagte sie. Es zeigt, wie viel sie sich noch zutraut, dass sie überzeugt ist, noch einige Jahre auf Top-Niveau spielen zu können. Sie sollte es auch, im Sinne der Tennisnation USA. Zwar stehen derzeit zehn Spielerinnen aus den USA in den Top 100 der Weltrangliste, nimmt man die gebürtige Usbekin Varvara Lepchenko dazu. Doch allein Serena ist in der Lage, wirklich große Erfolge zu feiern.

Neben Venus Williams (32 Jahre alt, Weltranglistenplatz 25) sind das vor allem eine ganze Reihe von jungen Athletinnen. Viele von ihnen galten schon als kommender Star, nach ganz oben ist noch keine von ihnen gekommen. Derzeit läuft es bei Sloane Stephens (19, 29) und Christina McHale (20, 36) am besten, doch mit Jamie Hampton (23, 70), Melanie Oudin (21, 82), Lauren Davis (19, 91), Coco Vandeweghe (21, 100) sowie Doppelspezialistin Vania King (23, 75) gibt es noch eine ganze Reihe von anderen jungen Spielerinnen.

Wie groß die Nachwuchssorgen in den USA seit Jahren sind, verdeutlich eine Statistik, die die New York Times zuletzt veröffentlichte. Serena Williams hat in ihrer Karriere bisher 13-mal gegen Landsfrauen gespielt, die jünger sind als sie. Dass sie dabei 13-mal gewonnen hat, ist die eine Botschaft, die wichtigere aber lautet: Die Landsfrauen waren so schwach, dass sie nur 13-mal gegen sie spielen konnte. Gegen ältere Landsfrauen – vorwiegend Schwester Venus, Jennifer Capriati und Lindsay Davenport - spielte sie hingegen 90-mal, bei einer Bilanz von 62:28.