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Familie und Freunde sind nur noch im Sommerurlaub zu sehen. Zu weit ist die Heimat entfernt, um mal eben für einen Kurztrip rüberzujetten, wie es die europäischen Spieler machen können. Lutz Pfannenstiel sagte jüngst in einem Interview, dass es beispielsweise für die Ivorer niemals zur Diskussion stehen würde, nicht zum Afrika Cup zu reisen. Ein Land zählt auf seine Stars, die sie sonst nur im TV für andere Mannschaften jubeln sehen.
Spieler enttäuschen Ghana
Das Gegenbeispiel ist Ghana. Mal abgesehen von Kevin-Prince Boateng, der die WM 2010 wohl nur als Bewerbungsbühne nutzte und nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft aus gesundheitlichen Gründen viel Enttäuschung der Ghanaer erntete, fehlt zum Beispiel auch Michael Essien, der bei Real Madrid "gebraucht" wird. Andre Ayew blieb in Frankreich und spielt weiter für Marseille, da er enttäuscht darüber war, dass sein Bruder nicht für die Nationalelf nominiert wurde, Sulley Muntari gilt hingegen als Unruhestifter und wurde von Trainer Kwasi Appiah gar nicht erst nominiert. Im Hintergrund wird auch immer wieder von Problemen zwischen Spielern und dem Verband berichtet. Viel Unruhe also in einem Land, dass noch vor drei Jahren bei der WM für Furore sorgte.
Es gibt noch viele weitere Spieler, die dem Druck der Vereine wohl nicht standhalten konnten. Beispiele aus der Bundesliga sind Mohamed Amsif, der bei Augsburg den Platz im Tor behaupten und unbedingt "dem Club in der schwierigen Phase helfen wollte. Bei Marokko wäre Amsif Torhüter Nummer 1, in Augsburg stand jüngst Oldie Alexander Manninger im Kasten. Auch Simon Jentzsch ist wieder fit.
Karim Haggui sagte Tunesien ab, um bei Hannover 96 die Vorbereitung mitzumachen. Auch Haggui fand sich am 18. Spieltag auf der Bank wieder. Nando Rafael verzichtete auf das Trikot von Angola und zog sich in Düsseldorf eine Adduktoren-Zerrung zu. Und so kommt es, wie es im Vereinsfußball immer wieder kommt. Die großen Stars können sich mehr erlauben als die kleineren Sternchen.
Angst um den Stammplatz?
Yaya Touré muss keine Angst haben auf der Bank zu sitzen oder gar einen neuen Verein zu finden. Ganz abgesehen von dem persönlichen Wunsch für sein Land aufzulaufen ist der Afrika Cup finanziell nicht wirklich reizvoll.
Der Sieger erhält etwa eine bis drei Millionen Euro. Ein nahezu lächerlicher Betrag, wenn man bedenkt, dass die Ausgaben für die Qualifikation der Länder das zwei bis dreifache verschlucken. Doch es geht beim Turnier auf dem zweitgrößten Kontinent nicht nur ums Geld und die Werbung, es geht vor allem auch darum, ein eigenes Turnier zu veranstalten, das 1957 zum ersten Mal stattgefunden hat.
Zunächst mit nur drei Teilnehmern gestartet (Ägypten, Sudan und Äthiopien), wuchs das Teilnehmerfeld 1998 bis auf 16 Mannschaften an. Auch beim diesjährigen Turnier in Südafrika kämpfen 16 Mannschaften um den begehrten Pokal. Dass die Stadien ohne Beteiligung der Gastgeber nicht voll sind, liegt ganz einfach an den Kosten, die Fans aufnehmen müssten. Die Stimmung der feiernden Fans ist trotz geringer Zahlen ganz weit oben anzusiedeln.
Ganz abgesehen von den viel zu teuren Eintrittskarten, die dank der Ausrichter kaum bezahlbar sind, sind die Reisekosten das größere Übel. Bei der Afrika-Cup-Diskussion wird leider immer wieder vergessen, dass nicht jedes afrikanische Land die gleichen Möglichkeiten hat, wie es die meisten europäischen Länder haben.





