Der FC Barcelona hat im sechsten Spiel der Primera División den sechsten Sieg gefeiert. Dabei drehte der Tabellenführer erstmals seit 1997 wieder einen Zwei-Tore-Rückstand in einen Sieg, beim 3:2-Erfolg in Sevilla schrieb auch Piotr Trochowski Geschichte.
Der ehemalige Hamburger in Diensten der Andalusier ist nach Bernd Schuster erst der zweite Deutsche in der Geschichte der spanischen Liga, der sowohl gegen Real Madrid als auch gegen Barca ein Tor erzielen konnte. Trochowski hatte vor zwei Wochen beim 1:0-Sieg gegen die Königlichen getroffen und erzielte auch gegen Barcelona die Führung (26.), diesmal sprang aber kein Sieg heraus.
Das passierte vor allem, weil Doppeltorschütze Cesc Fabregas (53./89.) seine Form gefunden hat und der lange Zeit verletzte Edeljoker David Villa in der Nachspielzeit eiskalt zuschlug. Das schönste Tor des Tages erzielte Alvaro Negredo zum zwischenzeitlichen 2:0, aber dafür kann er sich wie Trochowski nichts kaufen. Im Januar 1997 hieß Barcelonas Gegner beim 4:2-Sieg übrigens Betis Sevilla. Mit dem sechsten Sieg steht Barcelona einsam an der Tabellenspitze, Real Madrid ist am Sonntag gegen Deportivo La Coruna zum Siegen verdammt.
Barcelona: Die Innenverteidiger fehlen
Eine Woche vor dem Clasico wollte Barca natürlich nichts von dem Acht-Punkte-Vorsprung auf Real hergeben, das war dem Team von Trainer Tito Vilanova von Beginn an anzumerken. Real lag bei der 0:1-Pleite in Sevilla bereits nach zwei Minuten hinten, diese Überraschung sollte sich nicht wiederholen. Die Katalanen wirkten höchst konzentriert und gewohnt kombinationssicher, ein frühes Tor gelang aber nicht.
Die besten Chancen dazu boten sich Pedro (2.) und Lionel Messi (13.), der nach schöner Kombination mit Cesc Fabregas aber an Sevillas Keeper Andres Palop scheiterte. Vilanova musste sein Team wegen der Verletzungen von Gerard Piqué und Carles Puyol wieder ohne gelernten Innenverteidiger spielen lassen, Javier Mascherano und Alex Song hießen diesmal die Vertreter.
Ganz ohne Fehler kam Barcas Defensivabteilung daher nicht aus, die Schüsse von Alvaro Negredo (11.) und Ivan Rakitic (19.) waren aber nicht genau genug. Insgesamt kam Sevilla nicht so gut in die Zweikämpfe wie noch vor zwei Wochen gegen Real, trotzdem lagen die Andalusier plötzlich vorn. Bezeichnend war die Beteiligung von Mascherano, der zu kurz klärte und Trochowski die Freiheiten zu einem satten Schuss in die Maschen (26.) nutzte. Mit der Führung im Rücken war die Aggressivität zurück im Spiel der Gastgeber, Barcelona tat sich bis zur Pause schwer. Für Trochowski war das Spiel kurz nach seinem Tor vorzeitig beendet, angeschlagen ging er vom Feld (38.).
Sevilla: Blitzstart durch Negredo
Wie schon gegen Real gelang Sevilla dann aber doch ein frühes Tor, nur mit 45-minütiger Verspätung. Negredo setzte sich locker gegen Song durch, allein vor Victor Valdes lupfte der Stürmer den Ball, wie es sonst nur Messi macht (48.). Negredo traf erstmals überhaupt in seiner Karriere gegen Barcelona. Sevilla führte 2:0, die erneute Überraschung war greifbar.
Doch Barca kann jederzeit zurückkommen und genau das tat der Tabellenführer: Messi leitete den Angriff ein, Pedro ließ an der Strafraumgrenze prallen und Fabregas traf unhaltbar aus der Distanz (53.). Möglicherweise beendet Fabregas damit seine persönliche Krise, die ihn immer wieder auch auf der Bank wiederfinden lässt, es war sein erstes Tor in der Primera División seit Januar.
Der Druck von Barcelona wurde größer, auch weil Sevilla die Konterchancen nicht konsequent genug ausspielte. Noch schwieriger wurde es für die Gastgeber, als Gary Medel nach einem harmlosen Gerangel mit Fabregas, der sich viel zu theatralisch das Gesicht hielt, von Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz die Rote Karte gezeigt bekam.
David Villa: Der Joker sticht
Aber Barca erspielte sich aus dem Spiel heraus zu selten gute Gelegenheiten, auch deshalb hätte Sevilla mindestens einen Zähler verdient gehabt, gefährlich wurde es nur bei Freistößen. Palop war bei Messis Schuss in den Winkel zur Stelle, zweimal Xavi und nochmal Messi blieben dann aber in der Mauer hängen. Als die Zuschauer in Sevilla schon die zweite Sensation feiern wollten, nahm die Blaugrana doch nochmal richtig Fahrt auf:
Erst schlug Fabregas ein zweites Mal zu, als er sich nach einem Pass von Messi drehte und Palop erneut keine Chance ließ. In der fünfminütigen Nachspielzeit war es dann der eingewechselte Villa, der nach einem Doppelpass mit Messi den unverdienten Sieg sicherte. Erst zum fünften Mal in der Historie startet Barcelona mit sechs Siegen in die Saison, nur einmal ging der Titel danach nicht nach Katalonien.
