Das Pech des Fernando Alonso könnte zum großen Titel-Glück für Sebastian Vettel werden: Der Ferrari-Star schied in Suzuka bereits in der ersten Runde aus, somit ist der Start-Ziel-Sieg Vettels besonders viel wert. Sein WM-Rückstand beträgt nur noch vier Zähler.
Die für die Weltmeisterschaft möglicherweise entscheidende Szene passierte beim Großem Preis von Japan direkt nach dem Start, als Alonso mit dem Lotus von Kimi Räikkönen kollidierte und seinen Ferrari im Anschluss abstellen musste. Mit 29 Punkten Vorsprung ging der Spanier ins Wochenende, in einer Woche in Südkorea - die nächste Strecke, die dem Red Bull liegt - könnte Alonso seine WM-Führung bereits verlieren.
Besonders bitter für Alonso ist dieser Rennausgang, denn Vettel scheint mit seinem Red Bull zum Ende der Saison in einer anderen Liga zu fahren. Als erster Pilot der Saison gewann der Deutsche zwei Rennen in Serie, auch in Suzuka fuhr Vettel einen souveränen Sieg heraus in Führung liegend musste er sogar von seinem Team gebremst werden, um den Erfolg nicht zu gefährden. Letztlich lag Vettel 20,6 Sekunden vor Felipe Massa (Ferrari), umjubelter Dritter wurde in seiner Heimat Kamui Kobayashi im Sauber vor Jenson Button im McLaren. Kobayashi wurde von seinen Landsleuten bei der Siegerehrung mit lauten "Kamui"-Sprechchören gefeiert.
Vettel im Glück: "Yes baby"
Massas Platzierung zeigt, was für Alonso in diesem Rennen möglich gewesen wäre. Der Brasilianer ging als Elfter ins Rennen, sein Ferrari lief im Rennen aber sehr gut und so landete Massa auf dem Podest. Alonso hätte als Sechster des Qualifyings somit auch sehr gute Chancen auf die Top Drei gehabt. Vettel konnte es egal sein: "Yes baby, yes baby", jubelte Vettel über Boxenfunk nach seiner Gala auf der spektakulären Achterbahnstrecke. "Was für ein tolles Rennen!"
Fünf Rennen vor Schluss führt Alonso mit 194 Punkten nur noch knapp vor Vettel (190). Der Gesamtdritte Kimi Räikkönen (157) erreichte Rang sechs und hat mit 37 Zählern Rückstand auf Alonso vorerst den Anschluss an das Spitzenduo verloren, aber auch Lewis Hamilton - in Suzuka auf Rang fünf - kann noch in das WM-Rennen eingreifen.
Vettel bestätigte eindrucksvoll, dass der Suzuka Circuit ihm und dem Red Bull perfekt liegt. Im Vorjahr machte er auf der 5,807 Kilometer langen, spektakulären Strecke mit einem dritten Platz frühzeitig seinen zweiten Titel-Triumph perfekt. 2009 und 2010 hatte Vettel hier jeweils gewonnen.
Alonsos Reifenschaden spielt Vettel in die Karten
Für Vettel begann der 53 Runden lange Grand Prix optimal. Der Red-Bull-Pilot verteidigte nach seiner 34. Pole-Position problemlos die Spitze. Und dann schied Spitzenreiter Alonso schon in der ersten Kurve aus. Räikkönen hatte mit dem Frontflügel seines Lotus das linke Hinterrad des Ferrari aufgeschlitzt. Chancenlos raste Alonso ins Kiesbett und musste völlig frustriert aus dem Cockpit steigen.
Der zweite Nuller in dieser Saison nach Spa-Francorchamps bedeutete für den zweifachen Champion einen herben Rückschlag im Titelrennen. "Es war ein Reifenschaden, entstanden durch einen Kontakt mit Kimis Frontflügel, durch den sich Fernando gedreht hat", schilderte Ferrari auf Twitter die Ursache. Felipe Massas starkes Tempo "macht das, was mit Fernando passiert ist, umso bedauerlicher".
Opfer der harten Positionskämpfe in einer turbulenten Auftaktphase wurden unter anderem auch Nico Rosberg im Mercedes und Vettels Teamkollege Mark Webber. Der schon mehrfach negativ aufgefallene Renn-Rüpel Romain Grosjean hatte den Australier "abgeschossen", was die Kommissare mit zehn Sekunden Zeitstrafe für den Franzosen ahndeten. Wenigstens konnte Webber nach einer Reparatur an seinem Red Bull weiterfahren und noch Achter werden.
Schumachers Aufholjagd bleibt unbelohnt
Nach der zwei Runden langen Safety-Car-Phase wegen der Startkollisionen verteidigte Vettel nach dem Neustart souverän seine Führung. Auch die Boxenstopps brachten keine großen Veränderungen. Der Red-Bull-Pilot fuhr an der Spitze ein einsames Rennen, der Rest folgte auf der Achterbahn mit Riesenabstand. Vettel musste keinerlei Risiko eingehen und konnte praktisch den Schongang einlegen. Dennoch machte er viel Druck und musste von seinem Team per Boxenfunk eingebremst werden: "Bitte nicht die Hinterreifen überhitzen." Noch in der vorletzten Runde bettelten die Strategen: "Fahr vorsichtig", was Vettel nicht daran hinderte, noch eine weitere schnellste Rennrunde hinzulegen
Michael Schumacher verpasste vier Tage nach seiner Rücktrittserklärung zum Saisonende als Elfter knapp einen Zähler. Schumacher hatte vom 23. Startplatz aus eh nur minimale Chancen auf Punkte, startete aber eine tolle Aufholjagd. Wegen seines Auffahrunfalls in Singapur musste er zehn Positionen weiter hinten in das sechstletzte Rennen seiner Karriere gehen. Zu allem Übel zickte auch noch die Elektronik am Mercedes, so dass die Box keine Telemetriedaten übermittelt bekam.
Rosbergs schneller Ausfall komplettierte den enttäuschenden Sonntag für die Silberpfeile. "Er hat mir das Rennen kaputt gemacht - und für viele andere auch", beschwerte sich der Blondschopf über Unfallverursacher Bruno Senna. "Ich war schon in den Top Ten, da wäre was gegangen."
Nico Hülkenberg, der wegen eines Getriebewechsels fünf Startplätze verloren hatte, belegte einen guten siebten Rang. Der als 15. gestartete Force-India-Pilot machte damit insgesamt acht Positionen gut. Timo Glock wurde im Marussia-Virgin 16.
