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Vor allem muss Kurz die löchrige Defensive abdichten, seiner Mannschaft die Grundbegriffe des Verteidigens aber auch der Zweikampfführung einbläuen. Angesichts der kurzen Zeit bis zum Rückrundenstart schon fast eine Herkulesaufgabe. Denn wie sehr es an diesen elementaren Fertigkeiten bei den Kraichgauern fehlt, zeigten nicht nur die 41 Gegentore der Hinrunde (Höchstwert), sondern auch das Hallenturnier in Mannheim vor einigen Tagen. "Wir haben die Duelle nicht angenommen, wie es nötig ist", kritisierte Kurz im kicker sein Team, das aus vier Spielen gegen unterklassige Gegner nur einen mageren Punkt holte. Mit ausgedehnten taktischen Übungen versucht Kurz das Manko in der kurzen Zeit vor Rückrundenstart zu beheben.
Zudem wären Verstärkungen für den Defensivbereich höchst willkommen, zumal sich die Sommereinkäufe für diese Positionen, Keeper Tim Wiese, die Abwehrspieler Matthieu Delpierre, Rechtsverteidiger Patrick Ochs und auch der von viel Verletzungspech geplagte Innenverteidiger Chris, allesamt als Flops erwiesen. Handlungsbedarf besteht nach dem längerfristigen Ausfall von Sebastian Rudy (Sprunggelenk) auch auf der Sechserposition. Geholt wurde bisher der rechts offensiv wie defensiv einsetzbare Luis Advincula, so Andreas Müller gegenüber rnz.de "einer der 50 besten Spieler Südamerikas". Er soll auch Andreas Beck Beine machen.
Schwieriger Spagat: Konkurrenzkampf anheizen, Teamgeist fördern
Allgemein will Kurz den Konkurrenzkampf anheizen, dem sich ausnahmslos alle Spieler stellen müssen. Die Hoffnung des Coaches ist, dass er dadurch auch Leistungsträger der vergangenen Spielzeiten wie die ziemlich abgetauchten Sejad Salihovic oder Roberto Firmino oder auch den bisher völlig blass gebliebenen Neuzugang Eren Derdiyok wieder an ihre Leistungsgrenzen pushen kann. Beim Hallenfußball gelangen dem zuletzt immer besser in Tritt kommenden Joselu immerhin schon zwei Tore. Konkurrenzkampf schüren, gleichzeitig aber auch für den nötigen Zusammenhalt in einem Team sorgen, das sich in der Hinrunde als Ansammlung von Einzelgängern entpuppt hatte - ein schwieriger Spagat für Kurz.
"Da muss Einheit rein, da haben wir noch Luft nach oben. Die Mannschaft muss begreifen, dass es nur zusammen geht", forderte Müller im Tagesspiegel. Fraglich, wie schnell das umsetzbar ist. Und vor allem, ob alle dabei auch mitziehen. Tim Wiese wird möglicherweise schon seine Kapitänsbinde abgeben müssen und hat auch seinen Stammplatz alles andere als sicher. "Wir haben drei gute Torhüter. Auch auf dieser Position muss man um seinen Platz kämpfen", kündigte Kurz im Mannheimer Morgen an. Würde sich der Ex-Bremer im Fall einer Degradierung klaglos auf die Bank setzen? Oder schaffen sich die Hoffenheimer da vielleicht noch ein neues Problemfeld, das das Projekt Klassenerhalt akut gefährden könnte? Noch mehr Unruhe als in der Hinrunde braucht im Kraichgau sicher keiner.
FC Augsburg: Mannschaft ist vielleicht intakt, aber nicht professionell
Mit teaminternen Streitigkeiten braucht sich in Augsburg dagegen niemand herumzuschlagen. "Die Mannschaft ist intakt", hatte der neue Sportdirektor Stefan Reuter kurz nach seinem Amtsantritt laut augsburger-allgemeine.de erklärt. Der Zusammenhalt der Spieler scheint aber auch das einzige zu sein, das beim FC Augsburg in seiner - traditionell ja so schweren - zweiten Bundesligasaison funktioniert, zumindest legt das die magere Bilanz der Hinrunde nah: Tabellenplatz 17 mit lediglich neun Punkten und einem erschütternden Torverhältnis von 12:29.
Gerade einmal einen mickrigen Sieg durfte das Team von Trainer Markus Weinzierl feiern. Am siebten Spieltag hatte der FCA Werder Bremen mit 3:1 geschlagen, ansonsten präsentierte sich die Mannschaft bis auf den immerhin kämpferisch lobenswerten Einsatz gegen Bayern München meist schwach und vor allem auf dem Platz erschreckend ideen-, harmlos und konfus. Achtmal blieb Augsburg in der Hinrunde ohne eigenen Torerfolg. Aber auch defensiv war von Ordnung und Stabilität selten etwas zu sehen.





