Felix Magath steht vor einem ungemütlichen Empfang bei seinem früheren Club Schalke 04. Der VfL Wolfsburg ist in der Krise, dazu kommen Heckenschützen wir Jefferson Farfan, die Magath die Kompetenz absprechen. Doch der Macher gibt sich als Vater des Schalker Erfolges.
Am Samstag kehrt Felix Magath zum FC Schalke 04 zurück. Als Coach des VfL Wolfsburg kann er kaum herzliche Willkommensgrüße erwarten. Jefferson Farfán hatte vor der Partie gegen Magath gepestet. "Seine militärischen Methoden sind unschön. Sie sind menschlich fragwürdig", klagte der Profi des Bundesligisten Schalke 04 in der Sport Bild.
Schalke gegen Wolfsburg: Farfan gegen Magath
"Alle Trainer, die auf Schalke in den vergangenen Jahren waren, haben dem Verein etwas gebracht. Der einzige Trainer, der nichts Positives hinterlassen hat, ist Felix Magath", schleuderte Farfan seinem Ex-Trainer entgegen. Magath reagierte gelassen. "Wenn Raul sich äußern würde, dann würde ich ins Grübeln kommen", kommentierte der Wolfsburger Coach: "Bei Farfan nehme ich das zur Kenntnis."
Der Kritik, Magath habe auf Schalke nur verbrannte Erde hinterlassen, war der VfL-Coach schon im Februar im kicker offensiv begegnet. "Ich habe eine Mannschaft hinterlassen, die tolle Spiele macht und schon jetzt wieder mit der Champions League planen und sogar Meister werden kann", so der Quälix damals.
Magaths Argumente: Raul, Huntelaar und Papadopoulos
Der Fußball-Lehrer kann für sich in Anspruch nehmen, dass er Nachwuchsspieler wie Julian Draxler und Joel Matip zu Profis machte und auch Spieler wie Raúl holte, der zwei Jahre lang der absolute Fan-Liebling war. Oder Klaas-Jan Huntelaar, der S04 in der abgelaufenen Saison mit seinen Treffern in die Champions League und sich selbst zum Torschützenkönig schoss. Oder Kyriakos Papadopoulos, dessen Marktwert sich in zwei Jahren verzehnfacht hat.
Allerdings hatte Magath in zwei Jahren auch die Flops Cipiran Deac, Anthony Annan, Angelos Charisteas, Danilo Avelar, Jose Manuel Jurado, Nicolas Plestan, Sergio Escudero, Mario Gavranovic, Bogdan Müller, Besart Ibraimi und Vasilios Pliatsikas für 19,9 Millionen Euro (Quelle Transfermarkt.de) geholt. Nur Escudero hat derzeit noch einen Platz im Schalker Kader.
Neben den Ablösesummen belastete das Gehalt von vielen dieser Spieler das Gehaltsbudget. Der Kader wurde auf 40 Spieler aufgebläht (derzeit 25 Spieler). Mit einigen Akteuren einigte man sich auf mehr oder minder teure Vertragsauflösungen. Annan, Pliatsikas und Jurado stehen bis heute auf der Payroll der Knappen.
Der Quälix: Magaths fehlende soziale Kompetenz
Farfans Kritik zielte aber wohl weniger auf die Kompetenzen des Managers Magath, sondern auf die sozialen Kompetenzen des Trainers Magath ab. In diesem Bereich hat er tatsächlich verbrannte Erde hinterlassen. Sein Umgang mit Alexander Baumjohann und Hans Sarpei, die oft kommentarlos zwischen Kader, Tribüne und zweiter Mannschaft hin und her geschoben wurden, ist da nur eine Episode aus der Zeit des Felix Magath bei Schalke 04.
Wenn der Coach am Samstag zurückkommt, dann steht er aber weniger durch die Farfan-Aussagen unter Druck, als durch die Leistungen seiner Wölfe. Seit seiner Rückkehr nach Wolfsburg hat der 59-Jährige wieder viel Geld ausgegeben und hohe Erwartungen geweckt. Doch angesichts von nur fünf Punkten und zwei Toren nach sechs Spieltagen der neuen Spielzeit wächst die Kritik. Die ersten VfL-Fans forderten schon: "Magath raus!"
Gründe für die Krise: Verletzungssorgen und Formschwäche
Der Trainer selbst erklärt den Stotterstart unter anderem mit der Formschwäche einiger Spieler. "Nehmen wir das Beispiel Naldo. Fast jeder hat uns zu diesem Transfer gratuliert. Aber Naldo hat momentan einige Probleme in seinem Spiel. So etwas kostet Punkte, aber es kommt vor, wenn man mit Menschen zu tun hat. Da muss ich ihm helfen", sagte Magath im kicker.
Ein weiterer Punkt ist die Verletzungsmisere. "Ich hätte nach den Verletzungen von Helmes und Pilar noch einen Stürmer holen müssen. Aber es gab keine passende Lösung. Irgendein Transfer eines eher durchschnittlichen Stürmers wäre purer Aktionismus gewesen", erklärte Magath weiter. Zumindest in diesem Punkt scheint er aus seiner Schalker Zeit gelernt zu haben.
