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Datum: 06. Juni 2012, 12:49 Uhr
Format: Artikel
Quelle: dpa
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Paulo Bento: Portugals stiller Vertreter auf der Trainerbank

Paulo Bento, Portugal, Nationaltrainer
Portugals Nationaltrainer Paulo Bento

José Mourinho ist ein Star und eine schillernde Persönlichkeit – viele Portugiesen sähen ihren Landsmann nur all zu gerne auf der Trainerbank ihrer Nationalmannschaft. Dort sitzt mit Paulo Bento ein absoluter Gegenentwurf: zurückhaltend, still, unterschätzt, aber trotzdem erfolgreich.

Würde sich der Präsident von Portugal nicht so sehr für Sport interessieren, hätte er Paulo Bento in diesem Moment auch für den Busfahrer oder Masseur der Nationalmannschaft halten können.

Der Trainer des ersten deutschen EM-Gegners schlurfte mitten im Pulk seiner Spieler zum Empfang beim Staatsoberhaupt Cavaco Silva, er trug die Hände in den Hosentaschen, hielt sich dezent im Hintergrund und schien irgendwie froh zu sein, als dieser Termin kurz vor dem Abflug nach Polen wieder vorbei war.

Die Szene ist typisch für Bento: Portugals Nationalcoach steht nie gern im Mittelpunkt und wurde als Spieler und Trainer auch deshalb fast immer unterschätzt. Die Mehrheit seiner Landsleute sähe lieber José Mourinho von Real Madrid auf der Bank sitzen, wenn ihre Selecção am Samstag in Lviv gegen Deutschland ihr erstes Spiel bei dieser EM bestreitet.

Spieler stehen hinter Bento 

Aber Bento interessiert das nicht. Er hat die Spieler auf seiner Seite, eine erfolgreiche Bilanz vorzuweisen und er sagt: "Zum Spiel gegen Deutschland werden wir unsere Bestform erreichen." Dank seines enormen Fleißes und eines respektvollen Umgangs mit seinem Umfeld hat er die meisten Kritiker bislang auch immer überzeugt.

"Er ist ein exzellenter Trainer", meint Mittelfeldspieler Joao Moutinho, der den 42-Jährigen bereits aus seiner Zeit bei Sporting Lissabon gut kennt. "Sie müssen nur sehen, wo wir standen, als er unsere Mannschaft während der EM-Qualifikation übernommen hat. Ich hoffe, dass er noch lange unser Trainer bleibt."

Bento trat 2010 die Nachfolge von Carlos Queiroz an, da hatten die Portugiesen auf dem Weg zur EM gerade 4:4 gegen Zypern und 0:1 gegen Norwegen gespielt. Am Ende führte er sie über den Umweg Relegation doch noch nach Polen und in die Ukraine und bekam als Lohn dafür einen neuen bis 2014 datierten Vertrag.

"Man wechselt nicht seine Werte, nur weil man Trainer wird"

Aus schwierigen Situationen viel zu machen, ist eine Konstante in Bentos Laufbahn. Als er bei Sporting vom Jugend- zum Chefcoach befördert wurde, galt er nur als Übergangslösung. Doch dann führte er den Verein zweimal in die Champions League und zweimal zum Pokalsieg. Auch als Spieler stand er stets im Schatten von Rui Costa oder Luis Figo. Doch der einzige, der aus der Goldenen Generation der Portugiesen auch eine nennenswerte Trainerkarriere vorweisen kann, ist dieses frühere Arbeitstier aus dem defensiven Mittelfeld.

"Man wechselt nicht seine Werte, nur weil man Trainer wird", sagte Bento dem Kicker. "Ich versuche weiterzugeben, wofür ich stehe. Mein Team lebt daher in erster Linie von der Organisation. Und vom Talent. Dazu kommt der Charakter und die Leidensfähigkeit."

Bento kann auch hart durchgreifen 

Seine Spieler schätzen an Bento, dass er sich stets vor sie stellt, die Taktik auch nach ihren Stärken und nicht nur nach seinen Vorstellungen ausrichtet und dass er die Stimmung im Team selbst bei dieser großen Diven-Dichte (Cristiano Ronaldo, Pepe, Nani) gut auszubalancieren weiß. "Jeder Spieler hat seine Persönlichkeit. Das muss man respektieren", betont Bento. "Es ist sehr wichtig, jedem das Gefühl zu geben, dass er ein Mitglied dieser Gruppe ist."

Wer deshalb glaubt, dass dieser Trainer kein eigenes Profil habe, der irrt. Nach nur einem Jahr im Amt warf er die Spieler Jose Bosingwa (FC Chelsea) und Ricardo Carvalho (Real Madrid) aus dem Kader, weil die ihr Ego wichtiger nahmen als das Wohl des Teams. Auch die beiden Starverteidiger hatten Bento unterschätzt. Jetzt müssen sie sich das Spiel gegen Deutschland im Fernsehen anschauen.