Der erste Wettkampftag in London 2012 verlief für die deutsche Mannschaft weitgehend ernüchternd. Vor allem die Schwimmer patzten - offenbar dank der taktischen Fehlkalkulationen ihrer Trainer. Besser lief es dagegen für Turner Fabian Hambüchen.
Eigentlich sollten die Schwimmer des DSV um die Medaillen mitschwimmen. Und eigentlich zählten Paul Biedermann über die 400-Meter-Freistil und die 4x100-Meter-Freistil-Staffel um Britta Steffen zum Favoritenkreis. Eigentlich sah es nach den ersten 100-Meter der jeweiligen Vorlauf-Rennen auch ganz gut aus. Eigentlich... denn die Finalkämpfe im Schwimmen finden am ersten Olympia-Tag ohne deutsche Beteiligung statt.
Biedermann und Steffen im Schicksal vereint
Dabei sah es zunächst wirklich gut aus. Paul Biedermann lag bei den Zeitmessungen nach 50 und 100 Metern unter seiner Weltrekord-Zeit und Britta Steffen übergab nach den ersten 100 Meter der Staffel auf Rang zwei mit ordentlichen 54,43 Sekunden an Silke Lippok. Doch bei Biedermann wirkte am Ende schlapp. Die Konkurrenz zog vorbei und er schied aus. Dasselbe Schicksal erfuhr auch die Staffel, die lediglich Rang neun belegte. Für den DSV ein Desaster, das an Olympia 2008 in Peking erinnerte.
Doch woran lag es? Haben die Schwimmer das Rennen auf die leichte Schulter genommen? Waren sie nach der Vorbereitung nicht fit genug? Oder ist die Konkurrenz zu stark für die DSV-Asse? Nichts von alle dem trifft zu. Die Schwimmer haben sich einfach verkalkuliert beziehungsweise die Trainer. Denn wenige Momente nach dem Rennen fassten sich die Verantwortlichen an die eigene Schwimmkappe und tauchten vor ihren Schwimmern auf.
Vorzeitiges Aus dank falscher Taktik
Als einen "rabenschwarzen Tag" bezeichnete Leistungssportdirektor Lutz Buschkow den Olympia-Auftakt, gab die Schuld aber nicht alleine den Schwimmern um Biedermann und Steffen. "Bei unserer Freistilstaffel haben wir uns ein bisschen verpokert. Es gab die interne Ansage: Britta sollte 90 bis 95 Prozent geben, Silke Lippok und Lisa Vitting volle Kraft und Daniela Schreiber einen taktischen Endspurt", erläuterte Buschkow die fehlgeschlagene Taktikvorgabe der 4x100-Meter-Freistil-Staffel. Er wusste natürlich, dass das "zünftig in die Hose gegangen ist."
Nicht nur bei der Staffel scheint es taktische Defizite gegeben zu haben. Auch Biedermanns Biedermann-Heimtrainer Frank Embacher gab zu einen Fehler gemacht zu haben: "Mich ärgert besonders, dass ich ihm eine andere Maßgabe gegeben habe, als er gewohnt war." Biedermanns gewohnter Endspurt blieb aus, stattdessen wirkte er eher ausgelaugt. Embacher gab Biedermann vor, durch intensivere Beinarbeit Kraft zu sparen. Ein weiterer Taktikplan des DSV, der schief ging.
The show must go on
"Hätte, wäre, könnte - jetzt ist es vorbei und wir gucken weiter nach vorne. Es war der erste Tag, schlechter kann es nicht werden, schauen wir mal", erklärte Britta Steffen. Nach vorne schaut auch Biedermann-Coach Embacher: "Wir werden morgen wieder angreifen, da bin ich zuversichtlich. Jetzt werden wir erstmal zwei Stunden das böse Wort mit Sch... ins Handtuch brüllen und dann ist wieder alles gut."
Es bleibt zu hoffen, dass Biedermann diese Niederlage schnell verkraftet, denn bereits morgen tritt er über die 200-Meter-Freistil an, seine Paradestrecke, und dort muss er sich mit US-Star Ryan Lochte messen.
Hambüchen turnt sich in drei Finals
Die Show geht auch für Turner Fabian Hambüchen weiter, der die deutsche Riege ins olympische Team-Finale führte und auch seine Medaillenchancen am Reck sowie im Mehrkampf wahrte. Hambüchen kam in der Qualifikation mit 90,765 Punkten auf Platz drei im Sechskampf. Seine Reckübung turnte er auf Sicherheit und zog nach sauberer Ausführung als Vierter mit 15,633 Zählern in den Medaillenkampf.
Hingegen konnte Vizeweltmeister Philipp Boy nach langer Verletzungspause nicht rechtzeitig fit werden. Der Lausitzer patzte beim Sprung und am Reck und verfehlte mit 87,698 Punkten sogar das Mehrkampf-Finale, weil Marcel Nguyen mit 89,833 Punkten auf Platz sechs weit vor ihm rangierte und nur maximal zwei Deutsche in den Endkampf einziehen dürfen. Auch an seinem Spezialgerät Barren (4.) und überraschend am Boden (7.) nutzte Doppel-Europameister Nguyen aus Unterhaching seine Finalchancen.
In der Team-Wertung kamen die Deutschen mit 270,888 Punkten vor den Favoriten Japan (5.) und China (6.) auf den vierten Rang. Stark trumpften die Amerikaner auf, die mit 275,342 Punkten vor den Russen (272,595) und Briten (272,420) einkamen.
