Sportlich warten auf Deutschland in der WM-Qualifikation mit Irland und Schweden die beiden wohl stärksten Gegner, doch zum Start der Vorbereitung stand zunächst noch einmal die Kritik von Uli Hoeneß an der DFB-Elf auf der Tagesordnung.
Vor zwei Tagen hatte der Präsident des FC Bayern München in unnachahmlicher Manier verbale Breitseiten abgefeuert. Er forderte Bundestrainer Joachim Löw via Spiegel auf, die Spieler härter anzufassen. "Er muss mehr Druck machen, nicht immer nur auf gute Laune", forderte Hoeneß.
"Kurz vor der EM wurde ja nur noch darauf geachtet, zu welchem Formel-1-Rennen man noch alles fahren sollte, damit die Spieler bei Laune gehalten wurden. Ständig ging es in der Vorbereitung darum, welche Tischtennisplatte wohin geflogen werden musste, möglichst noch auf den Mont Blanc. Manchmal ist weniger mehr", polterte Hoeneß weiter.
Bierhoff fordert von Hoeneß Unterstützung
Auf Seiten der Nationalmannschaft konterte nun Oliver Bierhoff die Aussagen von Uli Hoeneß. "Vielleicht hätte Uli Hoeneß statt Tischtennisplatten lieber Basketballkörbe gehabt", stellte Teammanager in Richtung des Basketball-Förderers Hoeneß fest. Doch neben solchen süffisanten Äußerungen wurden auch ernsthaftere Töne angeschlagen.
"Ich finde es nicht gut, wenn wir Verantwortliche im Fußball uns gegenseitig bewerten", entgegnete Bierhoff und ermahnte Kritiker wie Hoeneß: "Wir sitzen in einem Boot, um den Vereinsfußball und die Nationalmannschaft voranzubringen. Da müssen wir uns unterstützen und nicht noch unnötig Unruhe reinbringen." Vor allem Hoeneß' Äußerungen zu Miroslav Klose, er treffe im Gegensatz zu Rekordschütze Gerd Müller meist nur gegen sogenannte kleine Fußball-Nationen, sei "schon abfällig", rügte Bierhoff.
Eine generelle Veränderung seines Führungsstils lehnte Bundestrainer Joachim Löw ab. "Bislang sind wir gut gefahren damit. Wir haben zwar in den letzten Spielen nicht unser Niveau abgerufen, keine Frage. Aber wir haben vorher hervorragend gespielt", verteidigte Löw seine Linie.
DFB-Abwehr stellt sich von allein auf
Der Bundestrainer hat abseits dieses verbalen Scharmützels im Vorfeld der Partien sowieso andere Sorgen als die Kritik von Uli Hoeneß. Der nachnominierte Heiko Westermann vom HSV stand am Dienstag mit auf dem Trainingsplatz, weil nach Ilkay Göndogan und Lars Bender auch noch Mats Hummels verletzt absagen musste.
"Wir kennen seine Kampfkraft. Wir kennen seine Kopfballstärke, seinen Einsatzwillen und seine Leidenschaft. Er kennt uns und unsere Mannschaft", sagte Löw über Westermann. Während der DFB-Chefcoach bei der Besetzung des Mittelfelds die Qual der Wahl hat, stellen sich Abwehr und Angriff quasi von allein auf. "Wir können es auch nicht ändern. Wir werden mit der Situation umgehen können", meinte Löw.
Bierhoff: Ein bisschen Reibung ist positiv
Mit Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger, der in Dublin für den gesperrten Philipp Lahm die Kapitänsbinde tragen wird, traf sich Löw gleich zum angekündigten Gespräch. Der 95-malige Münchner Nationalspieler hatte jüngst angedeutet, dass das Binnenklima bei der EURO möglicherweise doch nicht so harmonisch gewesen sein könnte wie immer beschrieben. "Ich habe meine Meinung, dazu stehe ich auch", betonte Schweinsteiger, ohne das näher erläutern zu wollen.
"Es gab in dieser Sache unterschiedliche Wahrnehmungen: Bastian auf dem Platz, der Trainer auf der Bank und ich auf der Tribüne", meinte Bierhoff zu Schweinsteigers Beobachtung, nicht alle Reservisten hätten die eigenen Tore so bejubelt wie beim FC Bayern. "Jetzt ist ein bisschen Reibung da, das sehe ich positiv", erklärte Manager Bierhoff.
