Während sich die NHL-Fans aufgrund des möglichen Lockouts ihre Haare raufen, freut sich die DEL auf mögliche neue Star-Spieler in ihren Reihen. Vor allem die Eisbären Berlin können sich auf einige Hochkaräter freuen. sportal.de arbeitet die aktuelle Situation auf.
Der NHL droht wieder einmal ein Saison-Lockout, da sich Spielergewerkschaft NHLPA und Liga bisher nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnten. In der gegenwärtigen Vereinbarung, die am Wochenende ausläuft, erhalten die Spieler 57 Prozent der Einnahmen der NHL-Clubs.
Die Besitzer wollten diesen Anteil aber in ihrem ersten Angebot auf 43 Prozent reduzieren, haben ihn jedoch mittlerweile auf 49 Prozent erhöht. Während der sechsjährigen Laufzeit würde er sich dann wieder auf 47 Prozent verringern. Was natürlich der NHLPA viel zu wenig ist. Ein Treffen zwischen NHL und Spielern-Vertretern am Mittwoch brachte nur minimale Fortschritte, wo es laut Insidern aber Siebenmeilenschritte gebraucht hätte.
Am Sonntagmorgen endet die Frist der NHL
Am Sonntag 6 Uhr morgens unserer Zeit endet die Frist und dann würde der von NHL-Boss Gary Bettman angekündigte Lockout beginnen, wenn sich die beiden Parteien bis dahin nicht einigen können. Bettman warnte die Spieler schon einmal, dass das aktuelle Angebot dann vom Tisch sei.
"Wir haben deutlich gemacht, dass dieses Angebot nur für eine Einigung vor dem Wochenende gilt, vor dem Auslaufen der aktuellen Vereinbarung", sagte Bettman laut espn.com. "Sollte eine Einigung nicht zu erreichen sein, dann ist unser Vorschlag nicht mehr länger gültig."
Aber auf Seiten der NHLPA war man mit dem Angebot der NHL bei weitem nicht zufrieden. "Während es gewissermaßen stimmt, dass der Vorschlag der Besitzer nicht mehr ganz so viel Geld von den Spielern nimmt, könnte man sagen, dass sie von einem außergewöhnlich großem Anteil auf einen wirklich sehr großen Anteil zurückgegangen sind", sagte NHLPA-Direktor Donald Fehr. Am 19. September hatte die Saison-Vorbereitung beginnen sollen und die Saison am 11. Oktober.
Es wäre nicht der erste Ausfall der NHL
Es sieht aber so aus, als sollten zumindest Teile der NHL-Saison ausfallen und das wäre nicht zum ersten Mal der Fall in ihrer Geschichte. 1992 folgten einem Elf-Tage-Streik die Verlegung von 30 NHL-Spielen und eine Pause von 103 Tagen. In der Saison 1994/95 fielen 468 Spiele aus und der Saisonstart war auf den 20. Januar verschoben worden. Das führte dazu, dass zahlreiche NHL-Stars ihr Glück in Europa versuchten. Jaromir Jagr erzielte so in einem Spiel für die Schalker Haie elf Scorerpunkte - ein Tor und zehn Assists.
Der letzte Streik führte zum Ausfall der kompletten NHL-Saison 2004/05 und auch damals zog es viele Stars nach Europa. Würde die Spielzeit dieses Jahr erneut ausfallen, so würden vor allem die europäischen Clubs wieder davon profitieren und damit auch die DEL.
Eisbären lauern auf NHL-Stars
Die Eisbären Berlin haben noch fünf Ausländerplätze offen und es sollen bereits einige NHL-Profis beim deutschen Meister angefragt haben. So zum Beispiel die beiden Center Jason Spezza (Ottawa Senators) und Logan Couture (San José Sharks). Also keine No-Names, sondern echte NHL-Stars, die bereit sind, auf einen Großteil ihres Gehalts zu verzichten, um sich in Europa fit zu halten.
Und die Chance, dass sich auch die anderen DEL-Teams NHL-Spieler schnappen können, stehen nicht schlecht, denn die russische KHL hat Regeln aufgestellt, die verhindern sollen, dass die Liga von einer Schwemme an Spielern aus Übersee heimgesucht wird.
KHL stoppt Ansturm aus der NHL
Erstens dürfen die Spieler in der KHL nur 65 Prozent ihres NHL-Gehalts bekommen, Zudem müssen im Ausland geborene Spieler, die in die KHL wollen eines der folgenden Kriterien erfüllen: Mindestens 150 NHL-Spiele in den letzten drei Saisons oder bereits Erfahrung in der KHL gesammelt haben oder ein Nationalspieler, der in den letzten beiden Jahren an einer WM, Junioren-WM oder an Olympischen Spielen teilgenommen hat. Es darf aber auch ein Stanley Cup-Sieger sein oder -Finalist, aber eine persönliche Trophäe am Ende der Saison wäre auch ok.
Somit ist also der Weg nach Deutschland für viele NHL-Spieler frei und vielleicht dürfen sich die DEL-Fans bald auf Paul Stastny in Nürnberg, Dennis Seidenberg in Mannheim oder Christian Ehrhoff in Krefeld freuen. Ehrhoff könnte womöglich bereits kommende Woche für seinen Ex-Verein auflaufen. "Ich werde bei einem Lockout zurück nach Deutschland fliegen und würde sehr gerne für Krefeld spielen", so der 30-Jährige, der 2003 mit dem KEV Deutscher Meister wurde. Der Verein sei bereits dabei, Geld zu beschaffen, um die Versicherungssumme zahlen zu können, sagt der Verteidiger.
Familienzusammenführung in Mannheim
Seidenberg hatte angekündigt, nach elf Jahren wieder für die Adler Mannheim spielen zu wollen, wo sein Bruder Yannic unter Vertrag ist. Auch ein zweites Geschwister-Paar könnte das Adler-Trikot tragen. "Wenn ich in der DEL spielen würde, wäre Mannheim meine erste Adresse", betont Marcel Goc.
Der Angreifer der Florida Panthers hatte bis zu seinem Wechsel nach Nordamerika 2003 für die Kurpfälzer gestürmt und an der Seite seines drei Jahre jüngeren Bruders Nikolai die Vorbereitung beim sechsmaligen deutschen Meister mitgemacht, ehe er am Dienstag nach Amerika flog.
NHL-Stars vor Engagement in der Heimat
Viele Europäer würde es während eines NHL-Streiks zurück in ihre Heimat führen. So werden unter anderem Alex Ovechkin mit CSKA Moskau, Teemu Selanne mit Jokerit Helsinki und Nino Niederreiter mit dem HC Davos in Verbindung gebracht. Evgeni Malkin (Pittsburgh) hat bereits Kontakt zu seinem Heimatverein Mettalurg Magnitogorsk aufgenommen. Auch Sidney Crosby kündigte Europa-Interesse an.
Was für die DEL-Fans ein Riesengewinn wäre, wäre für die NHL-Fans natürlich eine komplette Katastrophe. Gab es im Sommer doch einige Wechsel, die eine interessante Saison versprechen. So schlossen sich die beiden 40-jährigen Jaromir Jagr und Ray Whitney den Dallas Stars an, die zuletzt viermal in Folge die Playoffs verpassten. Die Stars gaben mit Mike Ribeiro an die Washington Capitals aber auch einen ihrer Stars ab, dafür bekamen sie Cody Eakin.
New York Rangers rüsten auf
Weiter aufgerüstet haben die New York Rangers, die bereits vergangene Saison überraschend stark waren. Von den Columbus Blue Jackets holten sie mit Rick Nash einen der besten Torjäger der NHL. Neben Nash kam noch Verteidiger Steven Delisle, dafür gingen Brandon Dubinsky, Artem Ansimov und Tim Erixon zu den Blue Jackets, die außerdem noch einen Erstrunden-Pick 2013 als Kompensation erhielten.
Die Boston Bruins taten sich eher dadurch hervor, dass sie Verträge mit ihren Star-Spielern verlängerten. Tyler Seguin unterschrieb einen neuen Sechs-Jahres-Vertrag und Brand Marchand bleibt weitere vier Jahre in Boston. Beinahe noch wichtiger dürfte die Vertragsverlängerung von Coach Claude Julien sein, der einen Mehr-Jahres-Vertrag bei den Bruins unterschrieben hat.
Und auch die Edmonton Oilers bemühten sich, ihre jungen Wilden lange an das Team zu binden. Jordan Eberle verlängerte sechs und Taylor Hall gleich sieben Jahre. Mit den Oilers dürfte in Zukunft wieder zu rechnen sein, wenn die Vielzahl an jungen Talenten im Kader ihr volles NHL-Potenzial erreicht hat. Ein Ausfall einer NHL-Saison würde für den Club und die Spieler ein verlorenes Jahr bedeuten.
