Dwyane Wade oder Kobe Bryant? Passspiel oder Punktesammler? Wer sind die Erben von Jordan, Johnson und Co.? Die Antworten darauf gibt es im zweiten Teil der Basket Case Top 3 für jede Position - und den gibt es hier bei sportal.de.
Im zweiten Teil der Top 3 widmen wir uns den beiden Guard-Positionen. Wo in vergangenen Jahrzehnten Größen wie Michael Jordan, Magic Johnson, John Stockton oder Isiah Thomas die Fans zum Staunen brachten, sind es heutzutage die Herren Bryant, Wade, Paul oder Rose. Beginnen wir mit den Shooting Guards.
Shooting Guards
Die Position des Shooting Guards lässt sich auf verschiedene Arten spielen. Jahrelang ging es nur um sichere Würfe und eine gute Wurfauswahl. Ray Allen, Reggie Miller, Clyde Drexler - allesamt hervorragende Shooter. Doch bereits Michael Jordan zeigte auf, dass man der Position des Shooting Guards noch ganz andere Facetten verleihen kann. Und in den vergangenen Jahren ist die Position von immer besseren Athleten bekleidet worden, und dementsprechend auch immer aktiver ins Spielgeschehen eingebunden worden. Kurzum, hier die besten drei Shooting Guards der NBA.
1. Dwyane Wade - Miami Heat
Nach langen Überlegungen hat Dwyane Wade vom Basket Case das Recht erhalten, sich "Bester Shooting Guard der NBA" zu nennen. Obwohl die vergangene Saison statistisch gesehen eine der schwächsten in der Karriere des zweimaligen Champions und Olympia-Goldmedaillengewinners war, führt an Wade, als einem der besten Spieler der NBA, kein Weg vorbei. Und das vielleicht gerade wegen eines gewissen LeBron James, der in Miami mittlerweile den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Wade hat in der letzten Saison trotz diverser gesundheitlicher Probleme gezeigt, wie man sich als Superstar zu verhalten hat. Ob er als Point Guard oder als Shooting Guard eingesetzt wurde, Wade fügte sich in jedes System ein, und war dadurch oft genug in der Lage, auch seine Mitspieler besser zu machen. Außerdem kann er sich dank seiner starken Teamkollegen erlauben, nicht mehr für alle Punkte selber sorgen zu müssen, wie es früher der Fall war. Und davon profitiert besonders die qualitativ um einiges verbesserte Wurfauswahl und dementsprechend natürlich die Trefferquote.
Ein weiterer Aspekt, der zum ersten Platz geführt hat, ist Wades Umgang mit dem eigenen Team. Während alle Welt über James' angebliche Schwächen in der Crunchtime diskutierte und nebenbei Chris Bosh jegliche Klasse absprach, war es Wade, der seine Kollegen wieder auf Kurs brachte. Ob mit gutem Zureden oder mit harten Worten, Wade ist ein Leader. Und das war er auch schon zu Zeiten von Shaquille O'Neal, mit dem er sich auf dem Weg zur Meisterschaft 2006 einige verbale Scharmützel lieferte - hinter verschlossenen Türen. Kurzum, Wade hat sich in Miami zum optimalen Franchise-Player entwickelt einem Mann, um den man sein Team aufbauen möchte.
2. Kobe Bryant - Los Angeles Lakers
Das Gleiche könnte man von Kobe Bryant auch behaupten, eventuell aber aus anderen Gründen. Mit seinen fünf Titeln, zwei Scoring-Kronen, einer MVP-Trophäe sowie zwei olympischen Goldmedaillen muss sich Bryant vor niemandem verstecken, der in den jüngeren Jahren in der NBA gespielt hat. Trotzdem treibt ein großes Ziel Bryant weiter an - mindestens noch eine Meisterschaft gewinnen, um zu Michael Jordans sechs Titeln aufzuschließen und somit zumindest ein Teil der Diskussion um den Titel des besten Basketballers aller Zeiten sein zu können.
Wurde der 34-jährige nach diversen Knie- und Handverletzungen von einigen Experten schon zum alten Eisen abgeschoben, hat Bryant in der letzten Saison den Scoring-Titel nur ganz knapp verpasst und bewiesen, dass er nach wie vor eine Punktemaschine sein kann. Statistisch betrachtet war es Bryants beste Saison seit vier Jahren, zumindest was die Punkteausbeute anging - und auch seine immer schon starke Defensive hat kaum unter seinem fortschreitenden Alter gelitten.
Doch das ist eben auch eins der Probleme. Bryant hat sich bei den Lakers so sehr als Alphatier etabliert, dass ihm niemand die Würfe wegnimmt, die er haben will. Und wenn Bryant pro Spiel 23 Würfe nimmt (bei Wade waren es 17 pro Spiel), leidet darunter natürlich die Trefferquote. Außerdem hat diese Spielweise zur Folge, dass Bryant kaum Teamkollegen neben sich akzeptiert, weil er ihnen nicht vertraut, Schüsse zu treffen - die sie ja sowieso nicht bekommen. Das führte schon zu Konfrontationen mit diversen Teamkollegen wie Shaquille O'Neal, Pau Gasol, Smush Parker oder auch Karl Malone, und zementierte Bryants Ruf, kein guter Teamkollege geschweige denn ein Leader zu sein. Und deshalb bleibt für Bryant nur Rang zwei in diesem Ranking für die kommende Saison - in einem All-Time Ranking wäre er wohl der beste aktive Spieler.
3. Joe Johnson - Brooklyn Nets
Was habe ich mich in vielen durchgemachten Nächten schon über Joe Johnson aufgeregt. Lethargisch, unkonzentriert, gedankenverloren, so sah ein Abend mit JJ und seinen Atlanta Hawks des öfteren aus. Doch dazu muss man eben auch sehen, dass die Situation in Atlanta für ihn genau das Falsche war. Johnson sollte helfen, das Spiel zu gestalten, sollte der Leader der Mannschaft sein und nebenbei jeden Tag seinen Vertrag als teuerster Spieler der Liga rechtfertigen - und das ist er eben nicht.
Stattdessen ist er einer der besten Spot-Up-Shooter der Liga, trifft aus der Distanz wie aus dem Halbfeld zuverlässig und ist in jedem Spiel für 25 Punkte gut. Wenn das Spiel für ihn gemacht wird und er sich nur aufs Werfen konzentrieren muss, gibt es kaum einen besseren als Johnson. Er hat zwar nicht ganz Ray Allens tödlichen Dreier, ist dafür aber defensiv eher noch einen Tick stärker und lässt sich selbst von schnellen, wendigen Guards nur selten abschütteln.
In einem System mit einem starken Point Guard wie Deron Williams sollten Johnsons Stärken an beiden Enden des Courts zum Tragen kommen - und wenn Johnson so punktet, wie man es sich in Brooklyn erhofft und wie er es definitiv beherrscht, dürfte den Nets ein großer Stein vom Herzen fallen.
Auf den Plätzen folgt dann Andre Iguodala (Denver Nuggets), der genau wie Johnson auch für Rang drei in Frage gekommen wäre. Johnson hat bei Scoring sowie dem Potenzial einen Vorteil, während Iguodala der wohl beste 1-on1-Verteidiger der Liga ist und auch bei der Spielgestaltung etwas besser aussieht. Danach sehe ich James Harden von den Oklahoma City Thunder, der aber noch am Anfang seiner Karriere steht und seine Entwicklung erst noch bestätigen muss. Eine ehrenhafte Erwähnung gibt es noch für einen fitten Ray Allen sowie einen fitten Manu Ginobili.
Point Guard
Meine persönliche Lieblingsposition - sicher auch meiner Körpergröße von sechs Fuß geschuldet ist die des Spielmachers. Und auch die Liga hat in den letzten Jahren begriffen, dass es viel schwerer ist, ohne einen guten Point Guard zu gewinnen. Prominentestes Beispiel dafür sind wohl die Lakers, doch auch in Atlanta oder New York wäre ein guter Point Guard sicher sehr hilfreich gewesen. Doch was ist das Wichtigste bei einem Spielmacher? Passspiel und Auge für die Mitspieler? Sichere Würfe? Ein schneller Zug zum Korb? Nash? Parker? Rondo? Rose? Wall? Westbrook? Hier also die besten Point Guards der Liga.
1. Chris Paul Los Angeles Clippers
Die Trophäe des Rookie of the Year, zwei Auszeichnungen als bester Point Guard der Liga, bester Verteidiger unter den Spielmachern, eine Handvoll All-Star Nominierungen - Chris Paul hat an Einzelauszeichnungen so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Doch mit seinem langjährigen Team, den New Orleans Hornets, gab es selten etwas zu feiern, und schon gar keine Trophäen. Auch zwei olympische Goldmedaillen sind da nur ein schwacher Trost. Doch das soll jetzt bei den Clippers alles anders werden.
Und wenn man eine neue Mannschaft aufbauen dürfte, man würde sicherlich mit Paul als Fixpunkt gewinnen. Präsenz auf dem und abseits des Courts, eine unglaubliche Spielintelligenz, verbissene Defense, immer das Auge für den am besten positionierten Mitspieler, einen fast nicht zu bremsenden Zug zum Korb sowie das Gen, vor allem in Drucksituationen quasi auf Knopfdruck seine beste Leistung abrufen zu können - es gibt nichts, was Paul fehlt. Er macht seine Mitspieler besser, ist immer in der Lage, positiv auf sein Umfeld einzuwirken und scheut sich nicht, Verantwortung zu übernehmen und vorne weg zu marschieren.
In der letzten Saison gab es in LeBron James nur einen Spieler, der effizienter auftrat als Paul. Und vor allem seine Fähigkeit, Spiele in den letzten drei Minuten mit seinem ungebremsten Ehrgeiz entscheiden zu können, fasziniert Fans wie Experten gleichermaßen. Da macht es auch nichts, dass Paul sich während der Regular Season gerne mal die eine oder andere Halbzeit Pausen gönnt wenn es eng wird, ist er zur Stelle.
Das einzige Problem ist dabei nur Pauls Körper, der ihm mit guter Regelmäßigkeit Sorgen bereitet. Viel geschunden durch seinen kompromisslosen Spielstil, hat er bereits Operationen am Knie, an der Leiste, am Daumen sowie am Fußgelenk vornehmen lassen müssen. Und das mit gerade einmal 27 Jahren. Sollte Paul aber gesund bleiben, wird er über Jahre hinaus weiterhin zur Elite der Point Guards zählen.
2. Russell Westbrook - Oklahoma City Thunder
Über körperlichen Verschleiß muss Russell Westbrook noch nicht klagen. Trotzdem versetzt der Spielmacher des letztjährigen Finalisten Oklahoma die Liga mit seiner Athletik und seiner Geschwindigkeit regelmäßig ins Staunen. Nach zwei Lehrjahren als Rookie spielt Westbrook seit zwei Jahren auf einem konstant hohen Niveau und ist neben Kevin Durant der Hauptgrund für den Erfolg der Thunder.
Negative Meinungen gibt es über Westbrooks Spiel kaum, abgesehen vielleicht von einer: Er wirft zu viel und kümmert sich zu wenig um den Spielaufbau. Das Westbrook manchmal zu viel auf sein eigenes Punktekonto schaut, als seinen Teamkollegen mit Assists zu leichten Körben zu verhelfen, mag seiner Jugend zuzurechnen sein. Doch wenn Westbrook zum Korb zieht oder in der Defensive einen seiner fast 2 Steals pro Spiel holt, nimmt ihm das in Oklahoma sowieso niemand übel.
Wenn Westbrook seinen Drei-Punkte-Wurf noch verbessern kann sowie statt 19 nur noch 16 Würfe im Schnitt nimmt und die anderen Ballkontakte zu Assists nutzt, wird das auch seinem Team helfen. Und schon am College, wo Westbrook als Ersatzspieler begann und sich zum Stammspieler eines Top 4-Teams mauserte, hat er gezeigt, dass er mit der richtigen Motivation ein harter Arbeiter sein kann und durchaus offen für Verbesserungsvorschläge ist.
3a. Deron Williams - Brooklyn Nets
Die New Jersey Nets hatten sich die Sache gut überlegt. Zunächst musste ein Star her, dann sollte der Umzug nach Brooklyn folgen, dann vielleicht noch ein zweiter Star - und schließlich sollte schleunigst der Erfolg zu den Nets zurückkehren. Der erste Star wurde dann aber nicht Carmelo Anthony, sondern Deron Williams - und im Nachhinein könnte sich das als großer Glücksgriff für die Nets erwiesen haben.
Denn während Anthony in New York bei den Knicks keinen leichten Stand hat und seiner besten Form nun seit einem Jahr hinterher läuft, läuft es für Williams in den Momenten, in denen die Gesundheit mitspielt, prächtig. Immer wieder ließ der Point Guard trotz einer teilweise unterdurchschnittlichen Mannschaft sein Talent aufblitzen, wie bei seinen 57 Punkten im Spiel gegen Charlotte. Doch natürlich geht es genauso um das orchestrieren einer Offensive - und das Williams das mit vernünftigen Mitspielern kann, hat er jahrelang bei den Utah Jazz bewiesen, wo er zusammen mit Carlos Boozer ein schlagfertiges Duo bildete.
Auch defensiv ist Williams für einen Point Guard stark, sein Passspiel ist bei einem Karriereschnitt von 9.2 Assists pro Spiel mehr als gut und von der Freiwurflinie sowie in entscheidenden Schlussphasen gehört Williams zu den Besten der Liga. Einzig an seiner Trefferquote sowie seiner Wurfauswahl sollte er weiter arbeiten, doch der Druck, in jedem Spiel Topscorer sein und vor allem viele Würfe nehmen zu müssen, ist nun weg wie es auch in Utah war, wo er immer etwa 47 Prozent aus dem Feld getroffen hatte.
Und mit seinen neuen Spielgefährten in Brooklyn sollte das auch wieder so aussehen. Joe Johnson als Shooter, Humphries und Lopez unter dem Korb für Williams sicher ein großer Schritt in die Richtung, die er dachte mit den Nets eingeschlagen zu haben.
3b. Derrick Rose - Chicago Bulls
Eigentlich sollte es in dieser Kolumne ja um die besten Spieler der kommenden Saison gehen. Und da niemand weiß, wann und vor allem in welcher Verfassung Derrick Rose von seinem Kreuzbandriss wiederkehren wird, gibt es für den MVP von 2011 eben Rang 3b. Denn ohne Rose würde dieses Ranking natürlich unvollständig ausfallen.
Der erste Pick im Draft von 2008 hat die wohl steilste Karriere in der Liga gemacht. 2009 noch Rookie des Jahres, war er zwei Jahre später schon MVP der NBA. Seinen Club, die Bulls, führte er in jedem Jahr in die Playoffs und 2011 sogar bis ins Finale der Eastern Conference. Die Fans lieben ihn vor allem für sein Tempo, aber auch seine Coolness und sein Auge für die Mitspieler haben Rose zu einem der besten Guards der Liga werden lassen.
Doch seine Spielweise, die sich vor allem durch jede Menge Crossdribblings sowie Zick-Zack-Läufe durch die Zone auszeichnet, fordert immer wieder körperlichen Tribut. Vor allem, weil Rose sich und seinen Körper besonders in der Offensive niemals schonen würde. Waren es in den ersten Jahren die Fußgelenke, die immer wieder Probleme bereiteten, traf der Kreuzbandriss Rose besonders hart. Zumal viele die Bulls als härtesten Konkurrenten der Miami Heat im Osten der Liga sahen. Und so wird Rose sicherlich vor Motivation brennen, wenn er im Frühjahr wieder auf das Parkett darf - doch zu viel zutrauen sollte er sich vielleicht doch lieber nicht sofort.
Auf den Plätzen folgen dann Rajon Rondo (Boston Celtics) und Tony Parker von den San Antonio Spurs. Für Rondo sprechen vor allem seine exzellente Defense, sicher die beste aller Point Guards, sowie sein völlig uneigennütziges Passspiel, das ihn zum besten Assistgeber der Liga hat werden lassen. Doch eines vergisst er eben immer wieder - selber zu punkten. Selbst aus völlig freien Positionen lässt Rondo immer wieder einfache Würfe aus, und daran muss er arbeiten, will er in diesem Ranking eines Tages besser dastehen. Parker hingegen kann sowohl punkten als auch assistieren, hat die Erfahrung eines dreimaligen Champions - und ist vielleicht genau deshalb manchmal nicht mehr hungrig genug.
Das war es für diese Woche vom Basket Case, aber natürlich werden wir uns vor dem Beginn der Saison auch noch einem richtigen Team-Preview widmen. Denn die Vorfreude ist sicher bei allen Fans ähnlich groß - und in sieben Tagen geht es ja endlich wieder los!
