Nadine Kleinert erfüllte sich mit 36 Jahren ihren großen Traum und wurde Europameisterin im Kugelstoßen. Bei den anstehenden olympischen Spielen rechnet sich die Magdeburgerin allerdings keine allzu großen Medaillen-Chancen aus.
Sie selbst bezeichnet sich spaßhaft gern als "alte Oma", doch bei den Leichtathletik-Europameisterschaften ist Nadine Kleinert noch einmal in den Jungbrunnen gefallen. Die Kugelstoßerin aus Magdeburg holte in Helsinki ihr erstes Gold bei internationalen Titelkämpfen - mit 36 Jahren.
Als sie im sechsten und letzten Durchgang den Ring betrat, da flossen schon die Freudentränen. Mit 19,18 Metern war der dreifachen Vize-Weltmeisterin Gold nicht mehr zu nehmen. "Ich kann auch heulen, wenn ich gut war. Ich strahle mittlerweile heller als die Sonne", meinte Kleinert nach ihrem ersten EM-Titel im fünften Anlauf.
Olympia zum Karriereende
"Das war die einzige Medaille, die in meiner Sammlung noch gefehlt hat - und nun ist die da", sagte die Europameisterin, die nach dieser Saison ihre Karriere beenden wird. "Zu Olympia fahre ich nun mit geschwollener Brust. Die Medaille gibt mir viel Rückenwind für London. Dort will ich ins Finale kommen und beste Deutsche sein."
"Ich ärgere mich auch ein bisschen über die Weite, aber da fragt in drei, vier Jahren keiner mehr danach", sagte Kleinert und schickte ein paar Grüße in die Heimat: "Das war das beste Geschenk für meinen Freund, der morgen Geburtstag hat."
Mit Selbstbewußtsein zur Abschiedstournee
Mit dem ersten Stoß von 19,15 Metern war Kleinert in Führung gegangen, im vierten legte sie noch drei Zentimeter drauf. "In diesem Alter so eine Leistungsfähigkeit, das ist ein Phänomen. Ich ziehe vor ihr den Hut", meinte ihr begeisterter Trainer Klaus Schneider, warnte aber: "Den Bogen zu Olympia zu spannen und da von einer Medaille zu reden, das ist zu früh."
In London wird Kleinert ihren 50. Einsatz im Nationaltrikot bestreiten. "Hundertprozentig" sei dann aber Schluss. "Wer als Oma noch so gut ist, der hat's eben drauf", hatte die Olympia-Zweite von 2004 schon vor ihrer Abschiedstournee gesagt.
Unabhängig davon, wie es in London laufen wird, hat sie sich ihren sehnlichsten Wunsch erfüllt: Einmal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen und die Nationalhymne zu hören. "Ich bin dann zum vierten Mal bei Olympischen Spielen. Eine Olympia-Medaille hab ich schon - wer kann das schon von sich behaupten."
Auch Storl holt Gold
Die Erfolgsgeschichte von David Storl hat in Helsinki eine Fortsetzung gefunden. Ein Jahr nach seinem Triumph bei der Weltmeisterschaft in Daegu gewann der Chemnitzer auch EM-Gold.
Wenige Stunden nach dem Gold-Coup Nadine Kleinert machte er mit einer Siegerweite von 21,58 Metern den deutschen Doppel-Triumph mit der Eisenkugel perfekt. "Ich war etwas nervös und gespannt, was rauskommt", meinte Storl über das zweite Goldstück seiner jungen Karriere. Mit mehr als einem Meter Rückstand wurde der Niederländer Rutger Schmidt (20,55 Meter) EM-Zweiter vor Asmir Kolasinac aus Serbien (20,36). Platz acht erreichte Marco Schmidt (Sindelfingen/19,65).
Obergföll mit Silber
Auch Speerwerferin Christina Obergföll erkämpfte sich die ersehnte Medaille. Bis zum vierten Versuch lag die Favoritin sogar auf Titelkurs, am Ende glänzte Silber in der Abendsonne von Helsinki.
Die 30-Jährige, die jahrelang im Schatten von Steffi Nerius stand, musste sich am Freitag mit 65,12 Metern nur der Ukrainerin Wira Rebryk (66,86) geschlagen geben. Für Titelverteidigerin Linda Stahl aus Leverkusen gab es mit 63,69 Metern diesmal EM-Bronze - es war schon die fünfte Medaille für das starke deutsche Team in der finnischen Hauptstadt.
