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Demnach soll die Champions League in Zukunft (vielleicht schon ab 2015) auf 64 Mannschaften verdoppelt werden, und alle Mannschaften, die bisher in die Europa League eingezogen wären, würden in der Qualifikation für die Champions League spielen. Dieser Vorschlag wäre allein deshalb schon zum Scheitern verurteilt, weil er mehr oder minder direkt darauf hinausliefe, dass alle Champions League-Teilnehmer nur noch halb so viel Geld verdienen würden - und das tut Platini im angesprochenen Interview zwar damit ab, dass er andeutet, die Topclubs hätten ja gar keine Alternativen, weshalb er keine Angst vor einer Abspaltung hätte, aber es ist wirklich schwer vorstellbar, dass Bayern München, Manchester United oder Real Madrid sich einfach damit abfinden würden, ihre gewohnten Einnahmen auf einmal mit doppelt so vielen Konkurrenten zu teilen.
Details über den damit verbundenen Spielmodus wurden bisher noch nicht veröffentlicht, aber schon aus logischen und symmetrischen Gesichtspunkten könnte man die Erweiterung nur auf zwei Wegen bewältigen: Entweder durch eine zusätzliche KO-Runde vor dem Achtelfinale (wie aktuell in der Europa League) oder dadurch, dass nur die Gruppensieger aus dann 16 Gruppen ins Achtelfinale einzögen.
Der zweite Vorschlag würde wenigstens mehr Spannung an der Spitze der Gruppen erzeugen, aber noch früher als bisher Mannschaften ohne Chance aufs Weiterkommen zurücklassen. Der erste Weg wäre technisch durchaus duchführbar, hätte aber jenseits des Modus gravierende Konsequenzen, weil er die bestehenden Defizite der Champions League noch verstärken würde. Schon jetzt sind für mich, wenn mein Club in der Champions League spielt, sieben Achtel aller Vorrundenspiele ohne direkte Konsequenz. Anders als in jeder anderen Liga, in der alle Spiele zumindest theoretisch Auswirkungen auf das Abschneiden der von mir verfolgten Mannschaft haben können.
Dieser Anteil an faktisch irrelevanten Spielen, der in der Europa League schon jetzt dazu führt, dass selbst hartgesottene Fußballfans nicht spontan aufzählen können, wer alles in der Gruppe F spielt (ich kann es nicht, können Sie es? Die Antwort: Dnipro Dnipropetrovsk, Napoli, AIK und PSV Eindhoven), würde sich also verdoppeln. Von dann 32 Spielen an einem Spieltag hätten nur zwei irgendeine nachvollziehbare Beziehung zu den Spielen meines Clubs.
Und das ist nicht egal. Warum sehen sich viele Menschen die Sportschau an (oder Match of the Day in England)? Nicht, weil sie jeden einzelnen Club der Liga für sich gesehen wahnsinnig aufregend finden, behaupte ich mal, sondern, weil jede Mannschaft zu einem anderen Zeitpunkt auch gegen Bayern und Dortmund spielen wird, weil jede Gelbsperre, jede Verletzung auch Auswirkungen auf andere Mannschaften hat, weil die ganze Liga, mit anderen Worten, einen Bedeutungszusammenhang bildet, den man als geschlossenen Wettbewerb wahrnimmt.
Das Gegenargument, dass es auch bei der WM acht Vorrundengruppen gibt, kann man zwar stehen lassen, aber auch festhalten, dass die WM ein alle vier Jahre stattfindendes Großevent ist, auf das sich die ganze Fußballwelt für einen Monat konzentriert - anders als eine über drei Monate gestreckte und von zwei bis drei anderen Wettbewerben unterbrochene Vorrunde in der Champions League.
Was also tun? Können wir nur nörgeln oder haben wir auch bessere Vorschläge? Gut, dass Sie fragen! Wenn man die Champions League reformieren will, so dass sie a) spannender ist als der Status Quo und b) nicht all ihre bisherigen Probleme verdoppelt wie beim Platini-Modell, so müsste man erreichen, dass es in mehr Spielen des Wettbewerbs um etwas geht. Der oft vorgebrachten Überzeugung, dass dafür ein reines KO-System am besten geeignet wäre, ist zu entgegnen: Ja, ein reines KO-System wäre in gewisser Weise besser als der jetzige Modus. Wenn es in den Gruppen ohnehin nur darum geht, wer das Achtelfinale erreicht, und wer nicht, dann gibt es keinen Grund, diese Entscheidung auf sechs Spiele pro Club auszudehnen.
Außer natürlich dem Grund, dass es die Gruppen nicht gibt, weil der Modus so spannend wäre, sondern weil die teilnehmenden Clubs garantierte Einnahmen erwarten, die TV-Anstalten garantierte Spiele von Teams aus ihrem Sendegebiet. Und es nicht besonders vielversprechend wäre, eine Reform einzuführen, die sowohl fürs Fernsehen als auch für die Clubs negative Folgen hätte. So funktioniert Profisport einfach nicht. Entweder man macht bei einem solchen KO-Modus wie im Tennis so, dass die besseren Teams erst ganz am Ende aufeinander treffen können (dann hat man aber wieder das Problem, dass es für lange Phasen der Saison keine absoluten Topspiele gibt), oder man riskiert, dass der FC Barcelona gleich in der ersten Runde gegen Real Madrid spielen muss und dann ab September nicht mehr dabei ist.
Wie kann man das umgehen? Indem man die Gruppenspiele nicht zugunsten eines KO-Systems abwandelt, sondern sie relevanter macht und mehr ins Zentrum des Wettbewerbs stellt. Wir haben vor einigen Jahren schon einmal einen ähnlichen Vorschlag veröffentlicht, ihn jetzt aber noch einmal überarbeitet. Kerngedanke: Größere, dafür weniger Gruppen.
Modell 1: das alte Sportal-Modell
Ohne zusätzliche Spieltermine wären vier Sechsergruppen machbar. Jeder gegen jeden in Hin- und Rückspiel, also insgesamt zehn Spiele für jede Mannschaft. Die beiden ersten jeder Gruppe kämen ins Viertelfinale, das man entweder in Hin- und Rückspielen austragen könnte, oder, um den Gruppensieg besonders wichtig zu machen, in nur einem Spiel mit Heimrecht für die vier Gruppensieger und Auswärtsspielen für die vier Zweiten.





