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Von: Marcus Krämer
Datum: 19. August 2012, 22:48 Uhr
Format: Artikel
Diskussion:
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Messi trifft bei Barcelonas Sieg doppelt - Real Madrid tut sich schwer

Carles Puyol, FC Barcelona, Primera Division
Carles Puyol (li.) krönte sein Comeback mit einem Tor

Wenige Tage vor dem ersten Clasico der Saison sind Real Madrid und der FC Barcelona sehr unterschiedlich in die Saison gestartet. Während Meister Real das Tor nicht traf, glänzten Barca und Lionel Messi beim locker herausgespielten 5:1-Sieg gegen Real Sociedad.

Am kommenden Donnerstag kreuzen die beiden Rivalen im Hinspiel der Supercopa in Barcelona erstmals in dieser Spielzeit die Klingen, die Eindrücke des ersten Spieltags machen die Blaugrana zum leichten Favoriten. Denn Real schaffte im ersten Heimspiel nur ein 1:1, hatte mit dem FC Valencia aber auch den wesentlich schwierigeren Gegner.

Im Estadio Santiago Bernabéu traf Gonzalo Higuain für Real (10.), Jonas sicherte Valencia einen Punkt (42.). Wesentlich torreicher ging es im Nou Camp zu, wo Carles Puyol (3.), Messi (11./15.), Pedro (41.) und David Villa (84.) für Barcelona trafen, Chori Castro (9.) hatte das Publikum in Barcelona kurz verstummen lassen.

Lionel Messi startet mit einem Doppelpack

Barcelona startete mit dem Wissen, dass der Erzrivale zum Auftakt gestolpert war, die alleinige Tabellenführung war natürlich eine besondere Motivation. Die starke Anfangsphase unterstrich dieses Ziel, denn bereits nach 16 Minuten führte der entthronte Meister mit 3:1. Und als hätte es die Sommerpause gar nicht gegeben, war es wieder Messi, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte.

Der Argentinier traf in typischer Manier zum 2:1, als er nach Pedros Zuspiel drei Gegenspieler stehen ließ und gefühlvoll in den Winkel schlenzte. Beim zweiten Treffer profitierte Messi von der guten Vorarbeit Pedros, am Fünfmeterraum hielt Messi nur seinen Fuß hin und ließ Keeper Claudio Bravo keine Chance.

Zu dem Zeitpunkt waren aber schon zwei Tore gefallen: Zunächst krönte Carles Puyol sein Comeback mit einem wuchtigen Kopfball nach einer Xavi-Ecke, der Jubel der Barca-Spieler fiel besonders intensiv aus. Die Gäste nutzten im Gegenzug aber die erste Schwäche der Katalanen direkt zum zwischenzeitlichen Ausgleich, nach einem Fehler von Dani Alves netzte Chori Castro ein.

Vilanova setzt Iniesta und Piqué auf die Bank

Besonders im Fokus stand natürlich der neue Trainer Tito Vilanova, der mit den großen Fußstapfen von Pep Guardiola leben muss und die kritischen Stimmen eigentlich nur mit Erfolg besänftigen kann. Oder doch nicht? Vilanova hatte zum Auftakt ein paar Überraschungen parat, Andrés Iniesta saß wie Gerard Piqué nur auf der Bank, auch der genesene Villa nahm dort nach über acht Monaten Pause wieder Platz.

Statt Iniesta und Alexis Sanchez spielten Christian Tello und eben Pedro in der offensiven Dreierreihe neben Messi - Pedro wusste dabei zu gefallen. Der Außenstürmer, der auch noch spät auf den EM-Zug gesprungen war, war nach einem sehenswerten Angriff über Messi, Fabregas, Xavi und Tello zur Stelle und schob nach Tellos Flanke überlegt zum 4:1-Pausenstand ein.

Im zweiten Durchgang blieb Barcelona das bestimmende Team, Sociedads Strategie hatte nur noch ein Ziel: Verhinderung eines Debakels. Die Gastgeber agierten aber auch etwas gnädiger als in Halbzeit eins, die ersten Höhepunkte waren die Einwechslungen von Piqué (50.) und Iniesta (58.). Vilanova ermöglichte Puyol so noch eine Extraportion Applaus, Standing Ovations gab es auch bei Villas Einwechslung (75.) - gute Schachzüge des neuen Trainers.

Im weiteren Verlauf spielte sich vieles im Mittelfeld ab, Barcelona zog das typische Kurzpassspiel auf, ohne übermäßig gefährlich zu werden. So waren die haltbaren Fernschüsse von Xavi (64.) und Iniesta (66.) zunächst die einzig aufregenden Szenen, das 4:1 hätte ja schon zur Tabellenführung gereicht. Aber Villa hatte noch etwas vor, er traf bei seinem Comeback nach Vorarbeit von Iniesta - und war im Anschluss kaum zu halten.

Khedira nur auf der Real-Bank

Real-Coach José Mourinho wartete gleich zu Saisonbeginn mit einer Überraschung auf, einer bösen für Sami Khedira. Der Deutsche, auf der Doppelsechs neben Xabi Alonso eigentlich fest eingeplant, saß nur auf der Bank, für Khedira spielte Lass Diarra. Dabei hatte Mourinho Khedira vor wenigen Tagen noch überschwänglich gelobt: "Es gibt auf seiner Position keinen Besseren auf der Welt."

Khedira saß auf der Bank, eine Verletzung war also nicht der Grund. Eine Schonung des Deutschen für den Supercup am kommenden Donnerstag gegen den FC Barcelona erscheint ebenfalls nicht plausibel, am ehesten wollte Mourinho Diarra nochmal ins Schaufenster stellen. Der Transfermarkt ist bekanntlich noch bis Ende August geöffnet, Diarra hat eigentlich keine Zukunft mehr bei Real Madrid, erst recht wenn auch noch Luka Modric zu den Königlichen stößt. Khedira muss sich aber keine Sorgen machen.

Mesut Özil stand dagegen in der Startelf, an seiner Seite begannen auf Außen Angel di Maria und Ronaldo, Higuain spielte in der Sturmspitze. Da sich Real Madrid bisher auf dem Transfermarkt zurückgehalten hat, gab es außer Diarra keine weitere Neuerung, in der Viererkette liefen wie gewohnt Sergio Ramos, Pepe, Fabio Coentrao und Alvaro Arbeloa vor Torwart Iker Casillas auf.

Casillas' Fehler ermöglicht Valencia den Ausgleich

Trotzdem haperte es beim Ausgleich durch Jonas an der Feinabstimmung in der Abwehr. Bei einer Freistoß-Flanke von Tino Costa war Casillas nicht auf der Höhe, statt des Balls erwischte er Teamkollege Pepe und Jonas konnte unbedrängt einköpfen. Casillas und Pepe rasselten böse zusammen und mussten beide behandelt werden, wenn man noch an die blutende Stirn-Wunde von Ramos denkt (32.), war es ein äußerst schmerzhaftes Spiel für Real. Pepe musste in der Halbzeit wegen der Platzwunde sogar in der Kabine bleiben.

Dabei hatte es doch so gut begonnen: Der Titelverteidiger startete druckvoll, ließ Valencia - wo Neuzugang Nelson Valdez als Joker auf der Bank saß - wenig Luft zum atmen und ging folgerichtig früh in Führung: Di Maria spielte einen Traumpass mitten in die aufrückende Viererkette der Gäste, die Abseitsfalle funktionierte aber nicht und so war Higuain ziemlich frei. Das 1:0 fiel aber erst im dritten Versuch, denn Higuain scheiterte zunächst zweimal an Valencias Keeper Diego Alves.

In der Folge konnte Real das Anfangstempo nicht mehr halten, was bei den spärlichen Angriffen von Valencia zunächst aber auch nicht ins Gewicht fiel. Der Ausgleich fiel trotzdem, weil mit Casillas ein Welt- und Europameister patzte.

Özil reißt das Spiel an sich

Das 1:1 beflügelte den letztjährigen Tabellendritten, wenn auch nicht offensiv, so zumindest im konstruktiven Stören des königlichen Spielaufbaus. Trainer Mauricio Pellegrino hatte dafür einen entscheidenden Passweg ausgemacht, sein Team hinderte die Innenverteidiger konsequent daran, Xabi Alonso anzuspielen. Das tat dem Real-Spielaufbau in den ersten zehn Minuten überhaupt nicht gut.

Stattdessen versuchte Özil, das Spiel an sich zu reißen, was auch besser gelang, als noch in den ersten 45 Minuten. Seine starken Pässe und Flanken (53./59./65.) blieben aber ungenutzt, nah dran war Higuain mit einem Latten-Kopfball. Real Madrid hatte aber auch Glück, als Schiedsrichter Carlos Delgado Ferreiro den vermeintlichen Führungstreffer von Valencias Torjäger Roberto Soldado wegen einer Abseitsstellung nicht gab, eine sehr knappe Entscheidung (56.).

Ab der 60. Minute sahen die Zuschauer die stärkste Phase der Madrilenen, auch weil Mourinho die Werbeaktion für Diarra beendete und mit Karim Benzema einen weiteren Stürmer brachte. Real Madrid machte nun wenig falsch, wenn man vom Toreschießen mal absieht. Beste Gelegenheiten wurde liegen gelassen - und am Ende stand ein verpatzter Saisonstart für den Meister.