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2. Martin Kaymer: Keine gute Saison, keine gute Runde: Aber ein großer Putt
Von: Daniel Raecke
Datum: 01. Oktober 2012, 01:10 Uhr
Format: Artikel
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Martin Kaymer: Keine gute Saison, keine gute Runde: Aber ein großer Putt

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Martin Kaymer: Keine gute Saison, keine gute Runde: Aber ein großer Putt

Vor dem Wochenende wären beide Europäer als klare Außenseiter in diesen Matches angesehen worden. Aber Olazábal hatte seine Auswahl nicht umsonst getroffen, und als es darauf ankam, zeigten sich Kaymer und Molinari dem Druck gewachsen, der allerdings für die Amerikaner vor 50.000 eigenen Fans und mit dem Gefühl, vor einem historischen Versagen zu stehen, noch größer gewesen sein mochte.

Sechs der 12 Matches wurden erst auf dem letzten Loch entschieden, und nur eines dieser Sechs gewann die USA. Kaymer, der mit einem Dreiputt auf der 15 seine Führung gegen Stricker verspielt hatte, schien da Nerven zu zeigen. Aber als Olazábal auf der 16 zu ihm kam und ihm sagte, dass sein Match das entscheidende sein würde, da wuchs der Deutsche über sich hinaus. Er liebe diese Verantwortung, sagte Kaymer hinterher der BBC, und obwohl er insgesamt keine überragende Runde gespielt hatte (73 stand auf seiner Scorekarte, wie bei Gegner Stricker - im Vergleich dazu spielte etwa Justin Rose eine 66), war Kaymer dann zur Stelle, als er gebraucht wurde.

Als Stricker auf der 17 drei Putts vom Vorgrün aus brauchte, versenkte Kaymer seinen Parputt und ging in Führung. Auf der 18, die er nur noch teilen musste, um Europa den Ryder Cup zu sichern, schlug Kaymer in den Fairway-Bunker ab, recoverte aber stark aufs Grün, während Stricker, vom Adrenalin getäuscht, viel zu weit annäherte und seinen langen Birdie-Putt klar verfehlte. Kaymer brauchte nun nur noch in zwei Putts einzulochen, um das Match zu gewinnen.

Als der Deutsche seinen ersten Putt wie schon einige Löcher zuvor bei seinem Dreiputt viel zu aggressiv spielte, schien die Titelverteidigung noch einmal in Gefahr zu geraten, denn Stricker schaffte das Par. Aber aus knapp zwei Metern versenkte Kaymer seinen Par-Putt ebenfalls und wurde von seinen jubelnden Teamkollegen umringt. 1991 in Kiawah Island hatte Bernhard Langer, Deutschlands einziger anderer Ryder Cup-Golfer, einen genau solchen Putt noch vergeben und Europa den Sieg gekostet.

Den unglaublichen Sieg, für den man bei manchen Buchmachern am Sonntag eine Quote von 25 für eins bekommen hätte, sahen die Europäer als Tribut an Severiano Ballesteros. Europas Golflegende, die 2011 im Alter von nur 54 Jahren verstorben war, hatte nie aufgegeben und war für ihre spektakulären Comebacks berühmt gewesen. Als Andenken an Seve hatten die Europäer am Schlusstag Dunkelblau getragen, die Lieblingsfarbe des Spaniers.

In den USA begannen schon unmittelbar nach dem Debakel die Diskussionen um Stricker und Jim Furyk, zwei der Wild Cards von Kapitän Davis Love III, die dem Druck am Sonntag nicht gewachsen waren. Aber es wurde so großartiges Golf von beiden Teams gezeigt, dass es eigentlich völlig unangebracht wäre, ein negatives Fazit nach einem der großen Tage der Sportgeschichte zu ziehen. Das hätte auch Severiano Ballesteros nicht gewollt.

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