Eigentlich war ein heißes Duell um Gold mit Michael Phelps erwartet worden, doch letztlich wurde die Entscheidung über die 400 Meter Lagen zur One-Man-Show des Ryan Lochte. Lange hatte der US-Amerikaner sogar auf Weltrekordkurs gelegen, doch am Ende verfehlte er ihn knapp. Phelps ging leer aus.
Das Prestigeduell hatte Lochte von Beginn an dominiert und an der Spitze ordentlich Tempo gemacht. Phelps hatte sich zunächst bis nach der dritten Wende auf Platz zwei halten können. Doch dann zog zunächst der Brasilianer Thiago Pereira vorbei, dann auch noch der Japaner Kosuke Hagino, die in 4:08,86 Minuten Zweiter bzw. in 4:08,94 Dritter wurden und fast drei Sekunden Rückstand auf Lochte, der in 4:05,18 Minuten anschlug und stolz verkündete: "Ich bin bereit, diese Spiele zu rocken".
Phelps musste sich am Ende mit dem undankbaren vierten Platz begnügen und die erste olympische Niederlage seit dem 16. August 2004 in Athen hinnehmen. Entsprechend zerknirscht grummelte er: "Mir geht es nicht so gut. Ich bin frustriert und will dieses Rennen hinter mir lassen."
Sun Yang holt Gold, verpasst ebenfalls Weltrekord
Nachdem Paul Biedermann über die 400 Meter Freistil am Morgen den Endlauf verpasst hatte, blieb dem Deutschen immerhin eine weitere Hiobsbotschaft erspart. Seinen Weltrekord über diese Strecke darf er behalten, auch wenn Goldmedaillengewinner Sun Yang diesen mit 3:40,14 Minuten nur um sieben Hundertstelsekunden verpasste.
Hinter Sun Yang schlug Weltmeister Park Tae-Hwan in 3:42,06 Minuten als Zweiter an. Kurios dabei: Der Südkoreaner war nach einem vermeintlichen Fehlstart im Vorlauf eigentlich disqualifiziert worden. Erst nachdem seine Mannschaft einen Protest eingelegt hatte und einigem Hin und Her gab der Weltverband FINA nach und nahm die Disqualifikation zurück. Die Bronzemedaille holte der US-Amerikaner Peter Vanderkaay in 3:44,69 Minuten.
Shiwen Ye knackt den Weltrekord
Den Weltrekord knackte dagegen Shiwen Ye über 400 Meter Lagen der Frauen. Die erst 16-jährige Chinesin gewann in 4:28,43 Minuten und unterbot die bisherige Bestmarke von Stephanie Rice aus Australien, die diese vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in Peking aufgestellt hatte, gleich um mehr als eine Sekunde. Mit Platz zwei musste sich die amerikanische Favoriten Elizabeth Beisel begnügen, die nach 4:31,27 Minuten anschlug. Bronze holte die Chinesin Xuanxu Li in 4:32,91 Minuten.
Australien siegt in der Freistil-Staffel
In der 4x100 Meter-Staffel, in der die deutschen Damen am Vormittag die, nach eigener Aussage, "A...-Karte" gezogen hatten, den Endlauf verpassten und Neunte wurden, durfte sich Australien über die Goldmedaille freuen. Das Quartett aus Down Under siegte mit neuem olympischem Rekord von 3:33,15 Minuten.
Die Weltjahresbeste Ranomi Kromowidjojo sicherte den Niederlanden als Schlussschwimmerin in 3:33,79 Minuten noch die Silbermedaille. Bronze ging an die Amerikanerinnen in 3:34,24 Minuten. Das deutsche Team um Britta Steffen hatte als Vorlauf-Neunter das Finale der besten acht Staffeln überraschend verpasst.
Vinokourov gewinnt Gold im Straßenrennen
Am Ende hatte Alexandre Vinokourov seine Goldmedaille im olympischen Straßenrennen der Radsportler auch einer Unaufmerksamkeit seines Fluchtpartners Rigoberto Uran zu verdanken. Als sich der Kolumbianer kurz vor dem Zielstrich nach dem abgehängten Feld umschaute, rauschte Vinokourov an ihm vorbei zum Sieg.
Acht Kilometer vor dem Ziel der 250 Kilometer langen Olympiastrecke durch London und Umgebung hatten sich der Kasache Vinokourov und Uran von einer Ausreißergruppe absetzen und einen kleinen Vorsprung herausfahren können, den sie nicht mehr abgeben sollten. Als das Duo auf die Zielgerade einbog, goss sich Vinokourov noch schnell den Rest seiner Trinkflasche über den Kopf und klemmte sich an das Hinterrad Urans.
Doch dann machte dieser einen taktischen Fehler. Er schaute sich über die linke Schulter um, um den Abstand zu den Verfolgern einschätzen zu können. In diesem Moment ging Vinokourov rechts an ihm vorbei und ließ sich den Gewinn der Goldmedaille nicht mehr nehmen. Die Krönung der Karriere des Kasachen, der 2000 in Sydney bereits die Silbermedaille gewonnen hatte. Bronze ging an den Norweger Alexandre Kristoff, der den Schlusssprint der Verfolger für sich entscheiden konnte.
Der Deutsche André Greipel, dessen Hoffnungen auf einen Massensprint und ein Spurtduell mit dem Briten Mark Cavendish sich nach dem Ausreißen von Vinokourov und Uran in Luft aufgelöst hatte, beendete das Rennen als bester Deutscher auf Platz 26. Tony Martin hatte zuvor nach 180 Kilometern aufgegeben.
Gold und Bronze für Chinesinnen mit dem Luftgewehr
Zuvor hatte sich die Chinesin Yi Siling die erste Goldmedaille der Olympischen Spiele 2012 geholt. Sie setzte sich beim Schießen mit dem Luftgewehr mit 502,9 Ringen durch. Silber ging an Sylwia Bogacka aus Polen mit 502,2 Ringen, Bronze an Silings chinesiche Landsfrau Yu Dan (501,5).
Die beiden deutschen Starterinnen waren bereits in der Qualifikation gescheitert. Jessica Mager machte ihrem Nachnahmen alle Ehre und wurde "magere" 20., Beate Gauß landete sogar nur auf dem 32. Platz. Sie teilte sich diese Position mit der hochschwangeren Schützin Suryani Mohamed Taibi aus Malaysia, die auch die Tritte ihres ungeborenen Babys nicht nennenswert aus dem Konzept bringen konnten.
Jing Jong-oh wird Favoritenrolle gerecht
Bei den Herren ging Gold in der Luftpistolen-Entscheidung an den Südkoreaner Jin Jong-oh. Der Weltrekordhalter wurde seiner Favoritenstellung gerecht und gewann mit 688,2 Ringen vor dem Italiener Luca Tesconi (685,8) und Andrija Zlatic (685,2) aus Serbien.
Auch bei den Herren war die Entscheidung aus deutscher Sicht enttäuschend verlaufen. Florian Schmidt hatte als einziger deutscher Starter mit Platz 25 und nur 575 Ringen das Finale der besten acht Schützen deutlich verloren.
