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Von: Michel Massing
Datum: 04. Oktober 2012, 07:19 Uhr
Format: Artikel
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Liverpool in der Europa League: Morgendämmerung bei den Reds

Nuri Sahin,Liverpool,Premier League,Europa League
Nuri Sahin traf schon drei Mal für Liverpool in dieser Saison.

Beim FC Liverpool sollte in dieser Saison alles anders werden. Ein neuer Trainer, ein neues System, neue Spieler wie Nuri Sahin sowie Joe Allen und doch steht der Club nur auf Platz 14. sportal.de analysiert die Reds und glaubt: es ist vieles besser, als es scheint.

Noch läuft bei Liverpool nicht alles rund. In der Europa League trifft der Club von Brendan Rodgers auf Udinese Calcio. Wir nehmen das Spiel zum Anlass, uns den Neuanfang bei den Reds einmal genauer anzusehen. 

Liverpool im neuen Gewand

Liverpool war in der Vergangenheit unter Rafael Benitez mit einem 4-5-1-System relativ erfolgreich. Der neue Trainer Brendan Rodgers setzt dagegen auf ein 4-3-3-System. Mit diesem taktischen Konstrukt hatte Rodgers in der vergangenen Spielzeit mit Swansea großen Erfolg, nun will er es auch bei den Reds durchsetzen.

Das neue System trägt allerdings auf Anhieb noch keine Früchte. Liverpool startete mit fünf Punkten aus sechs Spielen. Ein Sieg (gegen Norwich), zwei Remis und drei Niederlagen (gegen Man Utd, Arsenal und WBA) stehen zu Buche. Im League Cup schlug man jedoch Westbromwich, in der Europa League gewann man mit 5:3 bei den Young Boys Bern. Wir skizzieren die größten taktischen und personellen Veränderungen des FC Liverpool.

Die Schlüsselspieler von Brendan Rodgers

Brendan Rodgers legt großen Wert auf Ballbesitz, Überzahl im Mittelfeld und einem gezielten Pressing. Dabei gibt es einige Schlüsselspieler. Wir haben Steven Gerrard, Joe Allen und Luis Suárez als Schlüsselspieler herausgepickt.

War Steven Gerrard zu Zeiten von Fernando Torres noch offensiver Mittelfeldspieler und mit vielen Freiheiten ausgestattet, ist er nun ein von drei zentralen Mittelfeldspielern. Natürlich soll er auch weiterhin durch seine Dynamik vertikale Attacken in der Offensive starten. Er steht unter Rodgers aber tiefer und soll verstärkt seine Physis und Zweikampfstärke im Mittelfeld einbringen. Eine Rolle, die eher seinem Spiel in der Nationalelf gleicht.

Neben Steven Gerrard ist Joe Allen ein Schlüsselspieler von Rodgers. Der Nordire brachte den Waliser Allen für 19 Millionen Euro aus Swansea mit. Allen ist ein spielerisch starker defensiver Mittelfeldspieler. Er ist technisch gut ausgebildet und legt eine hohe Passgenauigkeit an den Tag. Oft lässt er sich zwischen die Innenverteidiger fallen und ist somit erste Anspielstation im Spielaufbau. Zusammen mit Joe Allen spielt Jonjo Shelvey oder Nuri Sahin im Mittelfeld der Reds. Bei Ballbesitz des Gegners lassen sich zudem die Flügelstürmer oft fallen, sodass ein Übergewicht im Mittelfeld entstehen soll.

Ein weiterer Schlüssel im Spiel von Brendan Rodgers ist Luis Suárez. Man mag über seine Persönlichkeit denken was man will, taktisch und fußballerisch ist er ein wichtiger Spieler. Er spielte dabei oft eine falsche Neun und unterstützt den am höchsten stehenden Mittelfeldspieler (Shelvey oder Sahin). Wenn er sich fallen lässt, können die Flügelstürmer nach innen ziehen. Noch wichtiger ist seine immens gute Arbeit gegen den Ball. Er ist der erste Mann im Pressing und verrichtet enorm gute Defensivarbeit. Zudem ist er ein Knipser, vielleicht der einzige im Kader.

Liverpool besser, als man denkt

Die taktischen Maßnahmen klingen sinnvoll und Rodgers hat auch das Spielermaterial für seine Idee des Spiels. Warum also klappt es bei Liverpool bisher noch nicht? "Wenn man sich unsere Spiele anschaut - mal abgesehen von der Niederlage gegen Arsenal - dann waren wir immer das bessere Team", erklärt Außenverteidiger Glen Johnson laut Daily Mail. "Es gibt viel mehr Positives zu berichten, als es auf den ersten Blick scheinen mag."

Johnson hat nicht unrecht. Die Niederlagen von Liverpool resultierten oft aus individuellen Abwehrpatzern, aus einem Platzverweis (gegen Man Utd) und Verletzungsproblemen (Lucas Leiva, Martin Kelly) bzw. der dünnen Personaldecke. Im Pokal griff man sogar schon auf den deutschen Juniorennationalspieler Samed Yesil zurück, der mit seinen 18 Jahren sicherlich noch kein konkurrenzfähiger Premier League-Stürmer sein kann. Die Außenverteidiger helfen derzeit noch zu wenig in der Offensive - beim Überladen der Flanken ,- ein Punkt, an dem Rodgers noch arbeiten muss.

Europa League: Der Start ist gelungen

Auch Steven Gerrard ist davon überzeugt, dass sich die Lage bei den Reds bald bessern wird. "Wir wissen, wie viele Punkte wir geholt haben und das sind zu wenig", so Gerrard. "Aber wenn wir mit diesem Aufwand und der Hingabe weiterspielen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns eingespielt haben. Nicht viele Teams werden dann gerne gegen uns spielen, denn wir spielen guten Fußball."

Im ersten Europa League-Spiel bei den Young Boys Bern drehte vor allem Shooting-Star Jonjo Shelvey auf. Der 20-jährige U21-Nationalspieler für England erzielte zwei Treffer und war bester Spieler auf dem Platz. Nach der Roten Karte gegen Manchester United ist Shelvey aber in der Liga gesperrt. Sein Ersatz ist Nuri Sahin, der sich nahtlos ins Team einfügen konnte und neben seinen zwei Treffern im Capital Cup auch in der Liga sein erstes Tor für Liverpool erzielte.

Rodgers hat einen Plan, der Club auch?

Bei Liverpool läuft noch nicht alles nach Plan, aber der neue Trainer hat einen Plan. Sieht man von der dünnen Personaldecke - vor allem im Sturm - ab, dann kann man durchaus eine spielerische Entwicklung sehen. Gerade im Mittelfeld sind die Reds gut aufgestellt und sollte sich Torgarant Luis Suárez nicht verletzen, dann werden die Reds auch bald Ergebnisse einfahren. Gut Ding will eben Weile haben.