Mit Sabine Lisicki und Angelique Kerber sind erstmals seit 1987 zwei deutsche Spielerinnen im Viertelfinale von Wimbledon vertreten. Dabei räumten beide mit Maria Sharapova und Kim Clijsters große Namen aus dem Weg für ein deutsches Duell an der Londoner Church Road.
Mit einem erfahrenen Champion Dirk Nowitzki an ihrer Seite nahm Sabine Lisicki im Achtelfinale von Wimbledon Revanche an der Weltranglistenersten Maria Sharapova. London-Besucher Nowitzki freute sich in Lisickis-Box sichtlich am Erfolg.
Mit einer 6:4, 6:3-Weltklassevorstellung bezwang Lisicki Sharapova. "Eine Deutsche wird im Halbfinale sein - das ist doch schön", merkte Sabine Lisicki zufrieden an. "Wenn sie so spielt, gehört sie zur Spitze", meinte Maria Sharapova anerkennend.
Sabine Lisicki verwandelte nach 84 Minuten Spielzeit ihren dritten Matchball per Ass beim zweiten Aufschlag und sank weinend auf die Knie. "Es ist wunderbar. Ich habe geweint und gelacht zugleich. Das ist einfach mein Lieblingsturnier", sagte die Weltranglisten-15. Und merkte strahlend über Nowitzki an: "Er hat mir Glück gebracht."
Rittner über Lisicki: "Hammer - Wahnsinn"
Im vierten Vergleich mit der 25 Jahre alte French-Open-Gewinnerin ging sie zum ersten Mal als Siegerin vom Platz. Sie machte ihren dritten Viertelfinaleinzug bei dem wichtigsten Rasentennisturnier der Welt perfekt. "Sie hatte immer dieses Potenzial", sagte die faire Verliererin Sharapova. "Sie hat an diesem Tag einfach viele Sachen viel besser als ich gemacht." Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner meinte fassungslos: "Hammer - Wahnsinn - super überzeugend!"
Das galt auch für Lisicki. Im Powertennis-Duell mit Sharapova spielte sie teilweise noch schneller als die Russin und wies eine äußerst niedrige Fehlerquote auf. Dazu kam ihr Aufschlag wieder weitaus effektiver und konstanter als in den ersten drei Runden. Sharapova machte dagegen bei ungemütlichen Windböen bei den wichtigen Punkten unerklärliche Fehler. Rasch führte Lisicki 4:1.
Regenunterbrechung? Kein Problem für Lisicki
Auch im Vorjahr hatte die 22-Jährige in Satz eins einen 3:0-Blitzstart gegen Sharapova hingelegt, um dann am Ende in zwei Sätzen zu verlieren. Diesmal ließ sie Sharapova von 5:2 noch auf 5:4 herankommen - behielt dann aber mit einem Break die Nerven. Auch von einer Regenunterbrechung nach dem zweiten Satz ließ sie sich nicht irritieren. Im Gegenteil: Ein Vorhand-Return-Winner zum 2:0-Break zeigte ihre Extra-Klasse. Und der zweite Satz war brillant.
Lisicki zeigte, dass sie sich für große Aufgaben besonders pushen kann. Ihr Formtief der vergangenen Wochen hat sie damit überwunden. Im April hatte sie sich beim WTA-Turnier in Charleston am Knöchel verletzt und anschließend vier Erstrundenpleiten in Serie kassiert, darunter bei den French Open. Vor Wimbledon hatte sie sich extra in ihrer Wahlheimat Florida für eine Woche zum Training in der Akademie von Starcoach Nick Bollettieri zurückgezogen - mit Erfolg.
Kerber drückt gegen Clijsters aufs Gas
Kurz darauf fertigte Kerber im Eiltempo die vierfache Grand-Slam-Turniersiegerin Kim Clijsters aus Belgien mit 6:1, 6:1 ab. Erstmals seit 25 Jahren stehen überhaupt zwei deutsche Damen im Viertelfinale des berühmtesten Tennisturniers der Welt: 1987 waren es Steffi Graf und Claudia Kohde-Kilsch.
Kerber aus Kiel ließ der ehemaligen Nummer eins Clijsters auf deren Abschiedstour in nur 49 Minuten nicht den Hauch einer Chance. Vorher hatte Kerber den 29 Jahre alten Publikumsliebling noch als "Vorbild und Supersportlerin" bezeichnet und sich eher als Außenseiterin gesehen. Im Match war sie dann aber haushoch überlegen. "Perfektes Match", kommentierte Rittner.
