Während die deutschen Schwimmer immer noch auf die erste Medaille warten, haben die Leichtathleten am ersten Tag zugeschlagen. Kugelstoßer David Storl gewann Silber, ganze drei Zentimeter fehlten zu Gold. Gut im Rennen liegt auch Siebenkämperin Lilli Schwarzkopf.
David Storl hat Deutschland schon am ersten Wettkampftag der Leichtathleten eine Medaille geschenkt. Der Kugelstoßer gewann mit persönlicher Bestweite die Silbermedaille, fast hätte es sogar zu Gold gereicht.
Mit seinen 22 Jahren ist Storl eigentlich noch zu jung, um als Kugelstoßer in der absoluten Weltspitze zu werfen. Doch das Ausnahmetalent bestätigte auch im olympischen Finale die großen Fähigkeiten und verfehlte die Goldmedaille nur um drei Zentimeter. "Ich hatte am Ende ein paar Probleme. Solche Wettkämpfe, wo es eng zugeht, machen mir Spaß", sagte Storl. "Ich hatte das Gefühl, dass ich 22 Meter drauf hatte."
Majewski kontert Storls Traumstart
Dabei ging der Wettkampf großartig los. Schon in der Qualifikation benötigte der Weltmeister nur einen Wurf, um sicher im Endkampf anzukommen. Und am Abend legte Storl wieder los wie die Feuerwehr, gleich sein erster Wurf landete bei 21,84 Metern - persönliche Bestleistung. Damit schockte er die versammelte Weltspitze um den ehemaligen US-Weltmeister Reese Hoffa, der letztlich Bronze holte. Nur Titelverteidiger Tomasz Majewski zeigte sich unbeeindruckt und konterte die 21,86 aus Storls zweitem Versuch mit einer 21,87.
Dieser Vorsprung hielt bis zum letzten Durchgang, Storl schaffte es aber nicht mehr zurückzuschlagen. Majewski steigerte sich nach dem kurzen Gold-Jubel nochmals um zwei Zentimeter und holte nach Peking 2008 seine zweite Goldmedaille im Kugelstoßen.
Dennoch konnte Storl stolz sein - ihm gehört die Zukunft. Erstmals seit 24 Jahren gab es wieder olympisches Edelmetall für einen deutschen Kugelstoßer: Am 23. September 1988 stand der Berliner Ulf Timmermann in Seoul sogar ganz oben und holte Gold - nach der Wende war dann Flaute im Ring. Nun hat Deutschland mit Storl sogar wieder ein Jahrhunderttalent, wie die Trainer schon voraussagten.
London verneigt sich vor Ennis - Schwarzkopf nicht zufrieden
Dank der Siebenkampf-Favortin Jessica Ennis war das Olympiastadion in London bereits zu früher Stunde hervorragend gefüllt, andere Großveranstaltungen in der Leichtathletik leiden häufig unter mangelhaftem Zuschauerzuspruch bei den Vorkämpfen am Vormittag. Am ersten Tag in London war das anders, Ennis ist in Großbritannien eine wahre Heldin.
Wenn Ennis in den ersten vier Disziplinen an den Start ging, brandete ein riesiger Jubel auf. Auch die Deutsche Lilli Schwarzkopf zog den Hut vor ihrer Konkurrentin: "Bestimmt, sie wird es machen." Ennis liegt mit 4158 Punkten an der Spitze und damit klar auf Goldkurs, auch wenn der zweite Tag sicher ihr schwächerer ist. Schon der Start über die 100 Meter Hürden war eine persönliche Bestzeit und gleichzeitig die beste Zeit, die jemals eine britische Hürdensprinterin gelaufen ist.
Schwarzkopf weckt mit 3855 Punkten und dem achten Platz Hoffnungen auf eine Top-Five-Platzierung, denn ihr zweiter Tag ist eigentlich der Stärkere. "Ich möchte diese Chance nutzen", sagte Schwarzkopf. "Es war ganz gut, aber zufrieden ist etwas anderes. Ich hoffe, dass es am Ende gut für mich ausgeht."
Schwarzkopf, Olympia-Achte von 2008, könnte an ihre Bestleistung von 6536 Punkten herankommen. Über 100 Meter Hürden schaffte sie mit 13,26 Sekunden eine neue Bestmarke, im Hochsprung stellte sie diese mit 1,82 Metern ein und ließ gute 14,77 Meter im Kugelstoßen sowie gute 24,77 Sekunden über 200 Meter folgen. "Es ist wichtig, dass es ein runder Wettkampf wird", sagte Schwarzkopf und kritisierte die nicht optimale Betreuung: "Ich brauche meinen Trainer und nicht den Bundestrainer." Ihr Vater hatte keine Akkreditierung für Olympia bekommen.
Die Leverkusenerin Jennifer Oeser tat sich schwer, sammelte am ersten Tag Punkte 3789 Zähler und kam auf Platz zwölf. Eine indiskutable Leistung zeigte die Neubrandenburgerin Julia Mächtig im Hürdensprint mit 14,54 Sekunden und gerade einmal 1,68 Meter im Hochsprung. Erst mit 14,99 Meter im Kugelstoßen setzte sie sich vom Ende des Teilnehmerfeldes ab und erreichte mit 3445 Punkten noch den 32. Rang.
Bayer weit entfernt von der Helsinki-Form
Getrennte Wege gehen vor dem Finale am Samstag die beiden Weitspringer Sebastian Bayer und Christian Reif, wobei beide nicht überzeugen konnten und Bayer nur mit ganz viel Glück in das Finale kam. Sowohl Bayer als auch Reif sprangen schlechte 7,92 Meter, doch nur Bayer rutschte als Zwölfter gerade noch in den Endkampf, weil sein zweiter Satz mit 7,88 Meter sieben Zentimeter weiter war als der von Reif.
Bayer hatte mit dem Europameister-Titel vor einigen Wochen in Helsinki Begehrlichkeiten geweckt, die er in der Qualifikation überhaupt nicht bestätigen konnte. Um die Fallhöhe abzumildern, hatte Bayer schon vor dem Wettkampf leisere Töne angeschlagen: "Ich träume von einer Medaille, kann vielleicht mit Platz vier zufrieden sein, wenn die Leistung stimmt."
