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4.) Die individuelle Qualität der Niederländer nimmt rapide ab, wenn Stammspieler ausfallen
Es mag auch einer nicht optimalen taktischen Einstellung durch Bert van Marwijk geschuldet gewesen sein (zu offene Grundordnung gegen einen so konterstarken Gegner), aber die Gegentore, die die Elftal kassierte, ließen sich allesamt auch individuellen Schwächen zuordnen.
Beim 1:0 blieb Edson Braafheid viel zu weit von Miroslav Klose weg, obwohl der Flankenball von Toni Kroos lange in der Luft war. Beim 2:0 ließ wiederum Braafheid die Flanke von Mesut Özil zu, Johnny Heitinga sah in der Mitte nur zu, wie Klose einköpfte. Und beim 3:0 waren die Doppelpässe zwischen Thomas Müller, Özil und Klose schwer zu verteidigen, aber diese Kombination konnte nur entstehen, weil die Abstimmung zwischen Mittelfeld und Viererkette der Elftal nicht stimmte.
Warum Nigel de Jong nicht von Beginn an spielte, muss Van Marwijk sich ebenso fragen lassen wie Roberto Mancini bei Manchester Citys Gastspiel in München. Mit Robin van Persie und Rafael van der Vaart wäre für die Niederlande sicher in der Offensive mehr gegangen, aber in der Abwehr bestehen echte Probleme, die letztlich eine Stärke des Oranje-Teams bei der WM - stabile Defensivarbeit - gefährden.
5.) So darf man gegen Deutschland nicht spielen
Es sollte mittlerweile genug Videomaterial im internationalen Fußball vorhanden sein, um zu wissen, dass Joachim Löws Deutschland nahezu perfekt zu kontern weiß. Das mussten England und Argentinien bei der WM erfahren. So gesehen lassen sich die Versäumnisse der niederländischen Taktik (zumindest im Nachhinein, was ja immer einfacher ist) klar benennen.
Beide Außenbahnspieler der Elftal arbeiteten kaum nach hinten mit, Wesley Sneijder scheint in seiner Karriere ohnehin nur durch José Mourinho zur Arbeit gegen den Ball zu motivieren zu sein. So fielen gleich vier Spieler der Gäste für die Abwehrarbeit aus, zudem stand die Mannschaft viel zu eng, was Deutschland zu Flankenwechseln geradezu einlud. Über die Außenbahnen erfuhren Braafheid und der bessere Gregory van der Wiel wenig Unterstützung aus dem Mittelfeld, die Innenverteidigung war mit dem Verschieben sowieso überfordert.
Das, gekoppelt mit einer insgesamt nicht kompakten Grundordnung, war letztlich die Voraussetzung dafür, dass Deutschland so auftrumpfen konnte. Das tat es brillant. Aber ein besser eingestellter Gegner hätte diese Gefahr zumindest eindämmen können.
Daniel Raecke





