Viel ist passiert seitdem Juliane Schenk ihre letzte Kolumne verfasst hat. Als erste Deutsche konnte sie bei einem Super Series Turnier gewinnen. Auf sportal.de beschreibt der Badminton-Star, wie der Coup gelang und welch großen Anteil die Fans daran haben.
Ich grüße Euch!!!
... und melde mich zurück mit einem strahlenden Lächeln und jeder Menge goldiger Erfahrungen im Gepäck, welches ich nach zwei Wochen Asien gerade erst auszupacken beginne. Zurückblicken möchte ich mit Euch aber erst noch einmal auf den Deutschen Meistertitel, den ich zusammen mit meiner Mannschaft, der SG EBT Berlin, am 13.05.2012 erstmals auswärts klar machen konnte - nämlich in Saarbrücken.
Zur Erinnerung: Das Gesetz der Serie wurde für den 1.BC Bischmisheim letztes Jahr nach fünf Jahren Dauererfolg durch uns EBT'ler durchbrochen und fühlte sich fantastisch an. Es gelang uns 2011 vor heimischer Kulisse DEUTSCHER MEISTER zu werden, doch nicht umsonst gelten schon immer ganz besondere Gegebenheiten bei Heimspielen - hat man doch garantiert dort die meisten Fans im Nacken.
Deshalb war es 2012 nicht ganz so leicht vorstellbar, ob der große Coup auch fern der Heimat gelingen sollte. Doch auf unsere Fans war Verlass. Sie waren sicher nicht so zahlreich wie die Bischmisheimer Anhänger, doch es gelang Ihnen eindrucksvoll, uns den Rücken zu stärken. So könnte man den Satz ''nach dem Spiel ist vor dem Spiel'' auch gut und gerne ummünzen in ''hinter'm Feld ist auf dem Feld''!
An dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön an die sensationellen Berliner ''Hoffnungsträger'', die uns mit ihrem Rückhalt zum Meister gekrönt haben! Doch was ist eigentlich, wenn ich wie in Asien, fern der Heimat, so gut wie keinen hinter meinem Rücken weiß - wie soll man da gewinnen?
Womit habe ich das verdient!?
Nun, Ihr wisst es vielleicht schon: ich hab gewonnen - und wie!!!? Den ersten deutschen Titel eines Super Series Turniers. Womit habe ich das verdient!? Es ist in der Tat richtig, dass ich die Haltung, möglichst mit gestärktem Rücken ins Match zu gehen, sehr ernst nehme. Ich kann aber gleich dazu sagen, dass es im Wesentlichen dabei nicht auf ''Raum und Zeit'' ankommt.
Es können also Menschen, die mir den Rücken stärken, auch weit von mir entfernt sein - jedenfalls kilometermäßig. Sie haben dennoch Einfluss auf mein Feld. Die Anzahl derer, die von Zuhause hinter mir stehen, ist nicht nur gestiegen, weil es immer weniger für Quatsch halten, sinnbildlich ''die Daumen zu drücken'' und mich damit konzentriert zu unterstützen - sie ist demzufolge auch SPÜRBAR gestiegen. Euch allen vielen, vielen Dank!
Ebenso gilt es für mich in der Wahrnehmung zu sein, wer mir vor Ort Rückendeckung gibt. Manche von Euch, die mein Finalspiel in Singapur auf badzine.de gesehen haben, haben sich gefragt, wen umarmt die da eigentlich so unmittelbar nach dem Spiel? Richtig, es war weder mein Vater noch mein Onkel, es war irgendein Russe, den ich noch nie zuvor gesehen habe.
Aber seine von Herzen kommende Anteilnahme und die seiner Frau waren über die ganze Woche im Stadion so auffällig und präsent, dass es mir ein Bedürfnis war, ihn gleichfalls von Herzen dankbar zu umarmen - stellvertretend für alle Anderen, die zu mir gehalten haben. That's great! Großer Sport gelingt nun mal nicht alleine.
Darum ist keiner Trainer am Platz
Und nun kommen wir auch schon zum heikelsten Thema, dass es dringend zu klären gilt: Warum bleiben die Trainerstühle hinter meinem Feld gelegentlich frei, wenn es doch so wichtig ist, dass da jemand hinter einem steht? Das ist schlicht erklärt: wenn ich 100 Prozent Leistung abrufen will, muss es unmittelbar hinter dem Feld, was soviel bedeutet wie auf dem Spielfeld, 100 Prozent Übereinstimmung geben.
Wir müssen sozusagen auf einer Wellenlänge sein. Das heißt, wenn ich zweifelsfrei das Spiel für mich entscheiden will, können die Zweifel meines Trainers das Feld bereits belasten - kosten also unnötig Energie. Die Übereinstimmung zwischen Spieler und Coach sollte es darüber hinaus in allen wesentlichen Punkten geben, denn wenn ich ein Spiel nach meinen Spielregeln gestalten soll, sollte das auch im weitesten Sinne für mein ganzes Umfeld gelten.
Es gibt sicher Sportler, die können ohne weiteres die Rollen wechseln - ich kann's nicht. Besser gesagt, meine Haltung bleibt dieselbe, schon allein um Haltungsschäden vorzubeugen. Somit kommt meinen Trainern die gnadenlose Aufgabe zu, sich zumindest in dem Punkt entbehrlich zu machen, indem sie mir die Entscheidung überlassen, ob es sich für mich jeweils stimmig anfühlt, wenn sie den Platz hinter dem Feld einnehmen.
Zugegeben, die Maßstäbe dafür sind hoch. Doch der Platz hinter dem Feld ist nun mal ein besonderer und ein Trainer braucht sehr viel Einfühlungsvermögen, wenn sein Anspruch, unseren Sport in Bestform zu ermöglichen, aufgehen soll. Er hat nicht automatisch den Rapport, um als Coach zu fungieren, weil es zwei eigenständige Aufgabenfelder sind, die nur in gegebenen Fällen auch eine Einheit darstellen können.
Das wird von den Verantwortlichen meines Verbandes derzeit noch nicht so gesehen. Aber ich bleibe da hartnäckig auf dem Feld der Zuversicht. Für die Übergangsphase gilt für mich schon seit einiger Zeit ein Betreuermodell, dass ich an dieser Stelle weiterempfehlen möchte und gleichzeitig auch die Frage beantwortet:
Warum hat eine Schenk es eigentlich nicht nötig, sich vom anwesenden Trainer in der Spielpause beraten zu lassen? Nach der WM in London vergangenen Jahres habe ich mein Spielfeld mit einer für mich unverzichtbaren Komfortzone ausgestattet:
Ich als Athlet darf entscheiden, ob ich in der kurzen Pause neben einem Schluck Wasser absolute Ruhe benötige, um die Reizüberflutung des Matches kraftspendend zu unterbrechen, oder ob ich mir wahlweise für die nächsten Spielzüge Rat vom Trainer hole, der dafür auf seinem Platz bleibt und nicht wie üblich auf mich zukommt. Ein anderes Modell kommt für mich nicht mehr in Frage.
Das würde selbst gelten, wenn meine Mentaltrainerin hinter dem Feld sitzen dürfte, die ich schon seit Jahren schätze und die mir bislang zu 100 Prozent den Rücken stärkt - von welchem Platz auch immer! Sie hat in den vergangenen Jahren schon so manches Stadion als Energieverstärker ersetzt, dass sich nun mit immer mehr kräftig schlagenden Badmintonherzen zu füllen beginnt - weltweit - mit EUCH, die ihr hinter mir steht/ sitzt/ seid!? Das ist fantastisch!
Auf eine durchschlagende Zukunft und dass mir ja keiner in den Rücken fällt!!
Herzlichst,
Eure Juliane
