Mit dem Herbsttitel begann das Bundesliga-Abenteuer in Hoffenheim. Es folgte der Absturz und drei Mal in Folge Platz elf. Unter Markus Babbel soll das nun anders werden, ungewohnt offen wird von Europa gesprochen. sportal.de hat sich bei der TSG umgeschaut.
Trainer Markus Babbel will in Hoffenheim neue Zeiten anbrechen lassen. Finanziell sollen erneut schwarze Zahlen geschrieben werden, sportlich will Babbel den Schritt aus dem Mittelmaß schaffen. Nach dem starken siebten Platz in der Debüt-Saison folgten drei elfte Plätze - damit soll mit Neuzugängen wie Eren Derdiyok oder Tim Wiese Schluss sein.
Nach dem FC Bayern, Freiburg und Bayer Leverkusen prüft sportal.de im vierten Teil der Bundesliga-Serie die Machbarkeit der Hoffenheimer Ziele, sucht die Lücken im Kader der TSG und hat einen Fluch ausgemacht, der nun auch Sejad Salihovic befallen könnte.
1) Ehrgeizige Ziele: Schafft es Hoffenheim nach Europa?
Neuzugang Tim Wiese wird es in seinem Selbstvertrauen kaum interessieren, aber für seine Wahl nach Hoffenheim zu wechseln, wurde der Torhüter von vielen Seiten belächelt. Immerhin gab er nach seinem Weggang aus Bremen die Champions League als Ziel aus, heraus kam der Kraichgau.
Tatsächlich sind in Hoffenheim neue Zeiten angebrochen, ungewohnt offen wird das Ziel Europa ausgegeben. Salihovic spricht wie Neuzugang Takashi Usami oder Mäzen Dietmar Hopp über die neuen Zielsetzungen, voran geht aber auch in dieser Frage der Trainer. "Natürlich messen wir uns nicht mit Borussia Dortmund oder Bayern München", sagte Babbel in einem Interview mit der Bild-Zeitung. "Dahinter ist die Bundesliga aber sehr ausgeglichen. Alles, was dann kommt, ob Schalke, Leverkusen, Mönchengladbach oder Hannover, wollen wir versuchen, hinter uns zu lassen."
Das würde dann Champions League bedeuten und Wiese hätte Recht behalten. Ohne die ersten Eindrücke aus Testspielen erscheint der Hoffenheimer Kader zunächst stark genug für Platz sechs, auch die Mischung aus jung und alt überzeugt - mit Boris Vukcevic, Roberto Firmino, Sebastian Rudy, Kevin Volland oder Jannik Vestergaard hat Babbel viele starke Talente im Kader.
Doch es existieren auch viele Fragezeichen: Bleibt Matthieu Delpierre von Verletzungen verschont? Kommt Andreas Beck aus seinem Tief? Bringt Eren Derdiyok die in Leverkusen vermisste Konstanz in sein Spiel? Kann Takashi Usami die Vorschusslorbeeren bestätigen? Babbel hat viele Baustellen und die Konkurrenz ist so groß wie noch nie in der Bundesliga, derzeit glauben wir noch nicht an die Mission Europa.
2) Gibt es noch Veränderungen im Hoffenheimer Kader?
Trainer-Manager Babbel war als früher Vogel unterwegs und hatte seinen Kader schon vor EM-Beginn runderneuert. Stürmer Eren Derdiyok, Torhüter Tim Wiese und Innenverteidiger Matthieu Delpierre sind als Stammspieler eingeplant und sollen mit ihrer Erfahrung den Hoffenheimer Kader den entscheidenden Schritt voranbringen. Dazu kommen mit Stephan Schröck, Takashi Usami, Kevin Volland und Filip Malbasic vier Talente, die unter Babbel ebenfalls auf Einsatzzeiten hoffen können.
Babbel hat sich zudem von insgesamt elf Spielern getrennt, im Kraichgau hat sich viel bewegt. Babbel will im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten - Hoffenheim möchte zum zweiten Mal in Folge schwarze Zahlen schreiben, was mit dem Sigurdsson-Transfer zu Tottenham (zehn Millionen Euro Ablöse) auch möglich erscheint - ein bunteres Image aufbauen:
"Wir besitzen ein fantastisches Trainingszentrum, ein fantastisches Stadion und ein fantastisches Publikum", erzählte Babbel in einem Interview mit spox.com, "dennoch war alles grau. Daher habe ich gesagt: Wir brauchen mehr Farbe." Auch deshalb rückte er vor kurzem von seiner Aussage ab, der Kader sei bereits komplett. "Natürlich beobachten wir den Markt nach wie vor, gerade was die Offensive betrifft", sagte der Trainer gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung.
Als offenes Geheimnis gilt die Tatsache, dass sich Babbel gerne von Edson Braafheid und Ryan Babel trennen würde. Insbesondere Stürmer Babel konnte die in ihn gesteckten Erwartungen nie erfüllen, Babel gilt als Trainingsweltmeister, der in den Spielen aber stets abtaucht.
Geht Babel, könnte Babbel im Sturm eine weitere Ergänzung verpflichten. Derdiyok ist gesetzt, dahinter hofft Volland auf seinen Durchbruch in der Bundesliga und mit Sven Schipplock gibt es noch einen weiteren Angreifer, der in der vergangenen Saison aber einen eher limitierten Eindruck hinterließ. Interesse soll an dem spanischen Talent Joselu (Real Madrid) bestehen, auch der Name Patrick Helmes (VfL Wolfsburg) wird in Hoffenheim gehandelt und von Babbel zumindest nicht dementiert.
3) Beendet Salihovic den Kapitänsfluch?
Hoffenheim wird die fünfte Saison im Oberhaus absolvieren, mit der Spielführer-Binde taten sich seitdem fast alle betrauten Spieler schwer. Es begann mit Francisco Copado und Selim Teber, die beide zu den Aufstiegshelden gehörten, in der Bundesliga aber keine Stammspieler waren. Der Fluch ging auf Per Nilsson über, auch die zwischenzeitlichen Vertreter Salihovic, Josip Simunic oder Tom Starke wurden nicht glücklich mit der Binde.
In den letzten zwei Jahren hieß der Kapitän dann Andreas Beck und der Rechtsverteidiger blieb immerhin Stammspieler. Aber seiner Leistung tat die neue Verantwortung nicht gut. Stück für Stück entfernte sich Beck mit mäßigen Leistungen von der Nationalelf und war vor der EM 2012 trotz des Notstands auf Außen nie ein realistisches Thema.
Gegen Ende der vergangenen Saison trat Beck zurück, weil "der eine oder andere die Möglichkeit" haben soll, "noch mehr Verantwortung zu übernehmen." Wichtiger war wohl eher die Einschätzung, dass sein Kopf nun wieder frei sei, Beck will sich auf Fußball konzentrieren.
Babbel ließ die Frage bisher unbeantwortet, wer sich als neuer Kapitän beweisen darf. Keeper Wiese wird gehandelt, Neuzugang Delpierre winkte bereits ab und will sich auf seine Gesundheit konzentrieren - deshalb bringt sich mit Salihovic ein Kandidat ins Spiel, der den Fluch die ganzen Jahre begleitet hat. "Ich bin bereit für das Amt des Kapitäns", sagte er der Bild-Zeitung selbstbewusst.
