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Datum: 03. Oktober 2012, 09:33 Uhr
Format: Artikel
Quelle: sportal.de
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Heynckes kritisiert Sammer und der FC Bayern München verliert

Bayern München, Jupp Heynckes, Matthias Sammer
Bayern-Trainer Jupp Heynckes diskutiert mit Matthias Sammer

Neun Spiele, neun Siege - die Bilanz des FC Bayern München war makellos, die Niederlage in der Champions League bei BATE Borisov überraschend. So ein Ausrutscher kann passieren, doch der Zwist zwischen Jupp Heynckes und Matthias Sammer wirft Fragen auf.

Spielfreudig und erfolgreich auf dem Platz, harmonisch und kontrolliert im Umfeld - bei Bayern München schien die Welt bis zum Spiel in Borisov so in Ordnung zu sein wie schon lange nicht mehr. Auch der Auftritt von Sportdirektor Sammer nach dem 2:0-Sieg bei Werder Bremen stand dazu zunächst nicht im Widerspruch.

"Wir waren zwar wach, aber so richtig hellwach waren wir nicht. Wir waren nicht richtig gallig. Wir waren zu letschern", hatte er trotz des Sieges die Leistung des FC Bayern gegenüber verschiedenen TV-Sendern öffentlich kritisiert.

Sammer füllt bei Bayern München seine Rolle wie erwartet aus

Einen Tag später erklärte Matthias Sammer via bild.de, dass der Auftritt mit dem Trainer abgestimmt gewesen sei. Die Bayern-Bosse standen der Aktion wohlwollend gegenüber, denn genau dafür hatten sie "Motzki" Sammer schließlich geholt. Reizpunkte soll der setzen, die Motivation hochhalten und vor zu schneller Zufriedenheit warnen - die Kritik nach dem Bremen-Spiel passte da genau ins Bild.

"Matthias hat mir mit seiner Aussage am Wochenende eigentlich sehr gefallen, weil ich glaube, wir würden einen großen Fehler machen, wenn wir uns jetzt von außen einlullen lassen. Dieses permanente Lob, diese permanente Euphorie gefallen mir auch nicht", bekannte Karl-Heinz Rummenigge.

Jupp Heynckes mit Kritik von Sammer nicht einverstanden

So weit so gut, völlig unerwartet waren nach dieser Vorgeschichte jedoch die Worte von Bayern-Trainer Jupp Heynckes vor dem Spiel in der Champions League bei BATE Borisov. "Mit der Form, der Art und Weise war ich nicht einverstanden. Das habe ich ihm auch gesagt", monierte der Coach da gegenüber Sky die Worte Sammers nach dem Sieg in Bremen. "Ich finde, dass die Kritik überzogen war. Ich finde auch, wir sollen die Kritik intern machen und nicht extern." Vor dem Rückflug einen Tag später legte er laut den Kollegen von spox.com noch nach: "Das ist Populismus, und den können wir hier nicht gebrauchen."

Nanu? Diese Aussagen klingen ganz und gar nicht so, als wäre die Kritik von Matthias Sammer mit Jupp Heynckes abgesprochen gewesen. Wochenlang haben sich die beiden Mühe gegeben, Einigkeit zu demonstrieren. Sammer darf während der Spiele auf der Bank sitzen oder steht bei den Trainingseinheiten am Spielfeldrand - alles kein Problem. Beide fanden stets lobende Worte füreinander.

Unnötige Unruhe beim FC Bayern

So war Matthias Sammer auch bemüht, die Kritik von Jupp Heynckes vor dem Spiel des FC Bayern in Borisov zu relativieren. Er bezeichnete den "Vorgang" als "lange abgeschlossen" und "völlig harmlos." Auch die Reaktion von Heynckes könne er verstehen: "Der Trainer ist unmittelbar für die Mannschaft zuständig und muss ein starkes Bündnis bilden und die Spieler schützen."

Dennoch stellt sich die Frage, ob Matthias Sammer sich und dem FC Bayern München mit seiner Vorgehensweise einen Gefallen getan hat. Dabei geht es gar nicht um die durchaus berechtigte Kritik nach dem Bremen-Spiel, sondern das kommunikative Missverständnis mit Jupp Heynckes. Völlig unnötig trägt dieser Vorgang Unruhe in den Verein.

Pleite vom FC Bayern in Borisov hat andere Gründe

Und was hat das mit der Niederlage des FC Bayern in der Champions League bei BATE Borisov zu tun? Im Prinzip gar nichts, letztlich wurde nur deutlich, was Sammer mit seiner Kritik zum Ausdruck bringen wollte: Trotz des tollen Saisonstarts hat Bayern München noch nichts erreicht und durchaus noch Verbesserungspotenzial.

BATE Borisov stellte die Münchner vor erstaunlich viele Probleme. Die Bayern kamen mit dem schnellen Umschalten der Hausherren überhaupt nicht zurecht und sahen in der Defensive bei vielen Kontern schlecht aus. "Ich denke, von der Einstellung her kann man der Mannschaft nichts vorwerfen", betonte Manuel Neuer und forderte zwei Siege in der Champions League gegen Lille.

Bayern München demonstriert Einigkeit bei der Aufarbeitung 

In dieser Hinsicht waren sich nach dem Spiel auch alle Verantwortlichen einig. So ärgerlich die Bayern-Niederlage und das Geplänkel am Rande auch waren, vom Kurs abbringen lassen will sich bei Bayern München niemand. "Wir haben neun Spiele in Folge gewonnen, sehr überzeugend gespielt. Und ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns durch diese eine Niederlage jetzt nicht aus der Bahn werfen lassen", betonte Rummenigge.

Auch Jupp Heynckes richtete den Blick nach vorne. "Ich denke, dass es vielleicht gar nicht so tragisch ist, wenn es die Mannschaft versteht, im nächsten Bundesligaspiel zu reagieren", sagte er. "Aus solch einem Spiel können wir lernen."

Ob das funktioniert wird sich am Wochenende zeigen, wenn Bayern München auf 1899 Hoffenheim trifft. Das einfachste Mittel gegen Unruhe im Umfeld sind nun mal Siege und wahrscheinlich wäre auch Matthias Sammer mit drei Punkten am Wochenende einverstanden, egal wie der FC Bayern diese auch einfährt.