Am zweiten Bundesliga-Spieltag trifft Mainz freitags auf Greuther Fürth. Bonjour Tristesse? Nicht so ganz, denn die einst unaufsteigbaren Fürther starten mit einem Sympathie-Bonus. sportal.de fühlt dem Aufsteiger auf den Zahn und sucht den Occean-Ersatz.
Wer nicht aus Nürnberg kommt und eher neutral über das Frankenland denkt, dürfte die SpVgg Greuther Fürth mit Sympathie in der Bundesliga begrüßen. Jahrelang galten die Fürther als potenzieller Aufstiegskandidat, erarbeitete sich durch eigene Unzulänglichkeiten aber das Prädikat "Unaufsteigbar".
Doch mit Trainer Mike Büskens änderte sich vieles in Fürth, die Kleeblätter spielten endlich eine konstante Saison und starten nun als 52. Mannschaft der Geschichte in der Bundesliga. Noch dazu spielten die Fürther attraktiven Offensivfußball, der Aufsteiger wird positiv empfangen.
Doch dafür können sich die Fürther rein gar nichts kaufen, denn das große Ziel Klassenerhalt ist mit Sympathie allein nicht zu erreichen. sportal.de fragt im drittletzten Teil der großen Bundesliga-Serie, was die SpVgg nach dem Aufstieg ändern muss, auf welcher Position noch dringend nachgekauft werden muss und warum ein eigentlich unumstrittener Aufstiegs-Held um seinen Stammplatz fürchten muss.
1) Wer ersetzt den unersetzlichen Olivier Occean?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Oliver Occean war in der Aufstiegssaison mit 17 Toren und neun Vorlagen der Topscorer der Fürther. Doch auch sonst war Occean, der vor seiner Zeit in Deutschland bei Lillestrom in Norwegen spielte, extrem wichtig für die SpVgg. Occean machte weite Wege, lief die gegnerischen Innenverteidiger früh an und war extrem präsent.
Nun ist Occean weg, schon im April machte er seine Wechselabsichten publik und geht für Mitaufsteiger Eintracht Frankfurt auf Torejagd. Immerhin erhielten die Fürther ein Schmerzensgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro, die auch sofort reinvestiert werden sollen. Doch Präsident Helmut Hack und Büskens spüren bei Verhandlungen die gesteigerte Aufmerksamkeit eines Aufsteigers, Fürth tut sich schwer.
Früh entschieden sich die Fürther für Paderborns Nick Proschwitz als Occean-Nachfolger, immerhin gemeinsam mit dem Kanadier Torschützenkönig der vergangenen Zweitliga-Saison. Denn Büskens will weiter mit zwei Stürmern spielen. "Wir haben nun mal Stürmer, die treffen können, aber auch in der Lage sind, gut gegen den Ball zu arbeiten, wenn wir nicht am Zug sind", sagte Büskens in einem Interview mit nordbayern.de. "Warum sollten wir also auf einen oder sogar auf beide verzichten?"
"Der Spieler will zu uns, mit ihm haben wir Einigkeit erzielt", sagte Hack schon vor Wochen dem kicker zur Personalie Proschwitz. Doch die Verhandlungen über die Ablösesumme scheiterten und mittlerweile tendiert Proschwitz zum englischen Zweitligisten Hull City, schon heute könnte es zu einer Einigung kommen. Ein ähnliches Szenario erlebten die Fürther bei Mickael Poté. Der Stürmer aus dem Benin will Dynamo Dresden verlassen, schwänzte sogar schon einmal das Training, aber die Dynamo-Verantwortlichen wollen ihren Topscorer nicht ziehen lassen und pochen auf den Vertrag bis 2014.
Büskens bleibt gelassen, im Moment würde er mit Christopher Nöthe und Gerald Asamoah auflaufen. "Da mach mir gar keine Sorgen, weil ich ja weiß, wie sehr wir daran arbeiten", sagte er zu nordbayern.de. Auch Hack spricht von Alternativen, selbstverständlich ohne preistreibend Namen zu nennen. Büskens sucht in erster Linie einen kopfballstarken Angreifer, die derzeit arbeitslosen Mohamed Zidan, Markus Rosenberg oder Ranisav Jovanovic dürften somit ausscheiden. Es könnte also sein, dass sich die Fürther Fans bis zum Ende der Transferperiode gedulden müssen.
2) Kann sich Fürth das Aufstiegs-System leisten?
Die Stürmerfrage ist ein nicht unerheblicher Faktor für das System des Aufsteigers, Büskens legte sich zu Beginn der Vorbereitung bereits fest: Der Trainer will weiter sein laufintensives 4-4-2 spielen lassen, mit dem die Fürther in der vergangenen Saison fast jeden Gegner in der 2. Liga beherrscht haben. "Wir wollen unserem Stil nach vorne zu spielen treu bleiben, das ist Teil unserer Stärke", sagte Büskens der Abendzeitung in Nürnberg.
Fürth spielte sehr offensiv, hatte mehr Ballbesitz als die Gegner, war extrem passsicher und spielte ein beeindruckendes Pressing. "Wir sind mit diesem System aufgestiegen und in den Testspielen hat sich gezeigt, dass wir wenig Abstimmungsprobleme haben", bestätigte Kapitän Thomas Kleine, der im Oberhaus schon seinen vierten Versuch startet. Doch die kommenden Gegner heißen nicht mehr Aue oder Ingolstadt, geschweige denn Ebersdorf, Oberkotzau oder Bergrheinfeld wie in den bisherigen Vorbereitungsspielen.
Büskens schränkt zumindest schon mal ein: "Es wird Spiele geben, bei denen wir uns dem Gegner anpassen müssen." Damit meint der Ex-Schalker nicht unbedingt sein 4-4-2, sondern eher die Interpretation des Systems. Die Franken werden sich zwangsläufig umstellen müssen, kaum ein Team wird sich bedingungslos hinten reinstellen, wie es viele Teams in der 2. Liga gemacht haben.
Begrüßenswert ist aber in jedem Fall das finanziell zögerliche Verhalten auf dem Transfermarkt. Chancen auf einen Stammplatz als Feldspieler haben derzeit nur Zoltan Stieber (FSV Mainz) und Lasse Sobiech (Leihgabe aus Dortmund) "Ich wäre ein Pharisäer", sagte Hack im kicker, "würde ich dieser Mannschaft, die so wunderbar erfolgreich war, nicht die Chance geben, ihren Weg weiterzugehen." Fürth baut auf die Aufstiegsmannschaft, im Hurra-Stil wird Abstiegskampf aber nicht zu bestreiten sein.
3) Wer wird die Nummer eins?
Hier könnte es auch um die Vormachtstellung in Franken gehen, denn der etablierte Glubb aus Nürnberg fühlt sich, erst recht nach dem Aus im Pokal-Achtelfinale der vergangenen Saison, bedrängt vom Jahrzehnte lang unterlegenen Erzrivalen aus der Nachbarschaft. Club-Trainer Dieter Hecking hat zumindest schon eine Kampfansage bereit: "Wir müssen alles dafür tun, um weiter die Nummer eins in der Region zu bleiben", sagte Hecking der Abendzeitung.
Bevor das erste Bundesliga-Derby dann im November steigt, soll es hier aber um den Kampf zwischen den Pfosten in Fürth gehen. Der letztjährige Stammtorwart Max Grün war ein Garant für den Aufstieg, einer der besten Keeper der 2. Liga kassierte nur 27 Gegentreffer. Trotzdem waren die Fürther erstaunlich emsig, der ehemalige Hamburger Wolfgang Hesl kam aus Dresden und trotzdem wurden die Bemühungen um Issa Ndoye nicht eingestellt.
Die SpVgg hat somit drei Torhüter mit dem Anspruch, Stammkeeper zu sein. Während sich Boss Hack frühzeitig festlegte ("Max Grün bleibt unsere Nummer eins."), hielt sich Büskens bisher zurück. Der Trainer lässt in den Testspielen rotieren, räumt Grün aber einen gewissen Aufstiegs-Bonus ein. Patzt Grün in den kommenden Wochen nicht, wird er zum Auftakt gegen den FC Bayern im Tor stehen.
