Am 19. Bundesliga-Spieltag stehen einige Derbys auf dem Programm, was sportal.de zu der Frage führt, was eigentlich ein Derby ist? Außerdem präsentieren wir unseren kleinen Plattitüden-Baukasten und sind gespannt auf Dirty Harry.
Wann ist ein Derby ein Derby?
Am Wochenende stehen am 19. Spieltag der Bundesliga einige Derbys auf dem Programm. Borussia Mönchengladbach gegen Fortuna Düsseldorf, Hannover 96 gegen den VfL Wolfsburg und natürlich Hamburger SV gegen Werder Bremen. Aber eben nicht VfB Stuttgart gegen den FC Bayern München. Nur weil zwei Städte für den Rest der Republik im Süden des Landes liegen, heißt das nicht, dass es sich beim Spiel der beiden Teams gegeneinander um ein Südderby handelt. Die beiden Städte trennen gut und gerne 200 Kilometer.
Um der in den letzten Jahren inflationären Flut von Derbys Einhalt zu gebieten, hat die sportal.de-Redaktion bei 100 Kilometern eine Grenze gezogen. Alles was darüber liegt, ist kein Derby mehr. Gut, im Falle vom HSV und Werder mussten wir den Entfernungsmesser schon an den jeweiligen nächstliegenden Stadtgrenzen anlegen, um die Distanz zu erhalten, aber bei München und Stuttgart müsste das Raum-Zeit-Kontinuum gekrümmt werden, um auf 100 Kilometer Entfernung zu kommen. Ein klarer Fall für Mr. Spock.
Wie bringe ich Pfeffer in ein kleines Derby?
Eigentlich finden weder die Fans von Borussia Mönchengladbach noch Fortuna Düsseldorf, dass die Partie zwischen ihren beiden Mannschaften ein richtiges Derby ist - na gut, vielleicht ein kleines. Für beide Klubs heißt der Hauptgegner 1. FC Köln, aber der ist nunmal in der 2. Liga und damit derzeit nicht in Schlagdistanz.
Um doch etwas Pfeffer in das Spiel zu bringen, hat die Borussia nun die Fortuna mal eben so verklagt. Nein, natürlich sollte nicht mehr Brisanz ins Spiel gebracht werden, sondern die Fohlen warten schlichtweg noch auf Geld aus Düsseldorf für den Wechsel von Tobias Levels zur Fortuna, dabei soll es noch um 50.000 Euro gehen, die die Borussia noch bekommen soll. Ob die russischen Geldeintreiber ihren Weg zur Fortuna-Kabine finden werden, sehen wir dann am Wochenende.
Während es bei der Borussia also einer Klage braucht, um Feuer ins Spiel zu bringen, kribbelt es bei der Fortuna schon etwas mehr alleine aufgrund des Gegners - waren doch 15 Jahre lang große Gegner-Namen rar gesät. So freut man sich auf jedes Duell in der Bundesliga und auf ortsnahe Rivalen natürlich besonders.
"Natürlich ist das nicht ein Spiel wie jedes andere", sagt Fortunas Präsident Peter Frymuth so auch laut rp-online.de. "Es kribbelt schon ein wenig mehr. Wir haben aber immer ein vernünftiges Miteinander gepflegt in all den Jahren." Bis die russischen Geldeintreiber kommen...
Wohin führt der Weg der finanziell gebeutelten Nordclubs?
Das eigentlich brisanteste Derby des Wochenendes findet aber in Hamburg statt. Zum 98. Bundesliga-Derby - kein Spiel gab es in der Bundesliga öfter - empfängt der HSV Werder. Beide Klubs stehen unmittelbar in einer Umbruchsaison - mit durchwachsenem Erfolg. Wurde der HSV zu Saisonbeginn noch ausgelacht und sogar oft als sicherer Absteiger ausgemacht, so haben sich die Rothosen mittlerweile stabilisiert und schielen auf die oberen Tabellenplätze. In Bremen hingegen gab es zu Saisonbeginn viel Lob, vergangenes Wochenende aber eine herbe Klatsche von Meister Dortmund und seitdem vor allem eine Menge Durchhalteparolen an der Weser.
In der guten Tradition zahlreicher Bundesliga-Dampfplauderer forderte nun Klaus Filbry, Vorsitzender der Werder-Geschäftsführung, eine Reaktion auf die BVB-Pleite. Die Mannschaft müsse "Charakter zeigen" und in Zukunft ihr "Potenzial abrufen". Mehr Zitate wollen wir Ihnen an dieser Stelle ersparen, liebe Leser.
Denn bei uns können Sie sich selber ihre eigene Rede eines Club-Offiziellen zusammenstellen. Mit dem sportal.de-Motivations-Stichwörter - kurz: Plattitüden - Baukasten! Nehmen Sie einfach Begriffe wie "kernig", "Charakter", "Kampf", "Trotzreaktion", "Eier in der Hose" und "wir müssen uns wieder auf unsere Stärken konzentrieren" und Sie werden sehen, wie von selbst formen sich die Sätze, die Ihre Spieler im kommenden Spiel motivieren sollen, in Ihrem Kopf!
Fakt ist aber, dass beide Clubs derzeit finanziell nicht auf roten Rosen gebettet sind und das Derby richtungsweisend für den sportlichen Erfolg sein dürfte.
Kann Dirty Harry Fußball?
Kommen wir nun aber zum Nicht-ganz-Südderby-dafür-aber-ganz-bestimmt-Südschlager zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München. Dieses Spiel ist so besonders, dass Sky es von Harald Schmidt kommentieren lässt. An der Seite von Wolff-Christoph Fuss. Ehrlich!
Mein Traum ist es bereits seit Jahren, dass sich das deutsche Fernsehen die USA als Vorbild nimmt und zumindest große Spiele von einem Kommentatoren-Duo begleiten lässt.
Wobei einer dafür zuständig ist, das Event sportlich zu begleiten und der andere für die bunten Geschichten. Beides zusammen ergibt einen deutlich größeren Genuss für den Zuschauer, als der deutsche TV-Konsument es gewohnt ist. Aber warum Harald Schmidt?
Weil er und Wolff Fuss - wenn auch durch viele Jahre getrennt - auf die gleiche Schule in Nürtingen gegangen sind? Bisher ist Dirty Harry nicht durch besonderen Fußball-Sachverstand aufgefallen, aber ich lasse mich am Sonntag gerne überraschen. Man darf gespannt sein.
Wo und wann endet der Bundesliga-Boom?
Unter der Woche durfte die DFL mal wieder erfreuliche Zahlen über den wirtschaftlichen Erfolg der Bundesliga präsentieren. Der Gesamtumsatz der Liga stieg vergangene Saison auf 2,081 Milliarden Euro. Damit konnten die 18 Bundesliga-Clubs zum achten Mal in Folge den Umsatz steigern und erstmals die Marke von zwei Milliarden Euro übertreffen, eine Steigerung von 7,2 Prozent im Vergleich zu den 1,941 Milliarden Euro des Vorjahres.
Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 55 Millionen Euro. Einzigartig in Europa ist, dass obwohl Umsatz, Gewinne und Investitionen in die Leistungszentren gesteigert wurden, der Anteil der Personalkosten weiter gesunken ist. Während dieser Anteil in anderen Top-Ligen Europas bei 64 Prozent liegt, liegt die Bundesliga mit 37,8 Prozent deutlich darunter. Im Vorjahr waren es noch 40,2 Prozent gewesen. Großen Anteil an dieser Entwicklung haben die Leistungszentren, denn es ist immer billiger, einen Jungprofi aus dem eigenen Nachwuchs unter Vertrag zu nehmen, als einen Spieler einzukaufen.
Der positive Trend wird auch noch einige Zeit anhalten. So steigen die Einnahmen aus TV-Vertrag und internationaler Vermarktung dieses Jahr weiter an. Zudem sorgen die Erfolge der Clubs in Champions League und Europa League für einen weiteren Geldzufluss. Und ab der kommenden Saison wird der Zustrom dank des neuen TV-Vertrages noch einmal breiter. Aber damit genug der Selbstbeweihräucherung, nun gehts raus und spielts Fußball!
