In Freiburg lacht die Sonne wieder, auch wenn im Mage Solar Stadion nur mit einer Sondergenehmigung gespielt werden darf. Trainer Christian Streich hat Erfolg und Image zurückgebracht, sportal.de kümmert sich zu Saisonbeginn um die wichtigsten Themen beim SC.
Der SC Freiburg ist mit zwei externen Neuzugängen in die neue Saison gestartet. Nachdem der Kader in der vergangenen Winterpause neu ausgerichtet wurde, sahen Sportdirektor Dirk Dufner und Trainer Christian Streich keine Notwendigkeit für weitere Transfers, sowohl Marco Terrazzino (Karlsruher SC) als auch Max Kruse (FC St. Pauli) sollen die Optionen in der Offensive erhöhen.
Zur Einstimmung auf die neue Saison stellen wir drei dringende Fragen an alle 18 Bundesliga-Clubs, den Anfang machte der FC Bayern. In Freiburg geht es um mögliche Lücken im Kader, Streichs Rolle beim neuen, alten SC und die Notwendigkeit eines neuen Stadions.
1) Was muss sich in Freiburgs Kader noch tun?
"Wir suchen nur noch einen linken Außenverteidiger", sagte Dufner beim Trainingsauftakt, schränkte aber direkt ein: "Und selbst wenn wir keinen verpflichten, ist das kein Beinbruch." Das Vertrauen in den erst im Winter umgebauten Kader ist riesig. "Unsere ungewöhnliche Aktivität in der Winter-Transferperiode wirkt noch nach."
Damals sortierten die Freiburger insgesamt sechs Spieler aus, trennten sich von Trainer Marcus Sorg, installierten stattdessen Christian Streich und der neue Coach setzte auf viele Spieler aus der von ihm mitgeprägten SC-Jugend, einer davon war Oliver Sorg. Der Rechtsfuß absolvierte alle Rückrundenspiele, zumeist auf der linken Seite. Und seit dem Abgang von Andreas Hinkel ist Sorg zusammen mit Mensur Mujdza der einzige Außenverteidiger im Kader, denn der 19-jährige Christian Günter braucht noch Zeit.
Kein Beinbruch? Das kann man so nicht stehen lassen, auch wenn wir wissen, wie rar gute Außenverteidiger in Deutschland und wie beschränkt die finanziellen Mittel des SC sind. Sorg und Mujdza dürfen sich nicht verletzen, ansonsten hat auch der einfallsreiche Streich ein Problem. Vielleicht sollte der Blick sogar eher ins Ausland gehen, das Beispiel Papiss Demba Cissé hat gezeigt, wie gut das Freiburger Scoutingsystem arbeitet.
2) Kann Christian Streich der neue Volker Finke werden?
Streich selbst mag den Vergleich mit dem einstigen Übervater der Breisgauer nicht, Finke wirkte in Freiburg 16 Jahre lang und war stilprägend. "Volker Finke und ich sind ganz unterschiedliche Menschen", erzählte Streich der Badischen Zeitung. "Das würde er auch sagen." Trotzdem muss der Trainer in der breiten Öffentlichkeit wohl mit dem Vergleich leben, von der selbstgedrehten Zigarette bis hin zum Pädagogen-Dasein gibt es zu viele Parallelen.
Viel wichtiger ist aber, dass Streich den Freiburgern innerhalb kürzester Zeit ihre Identität zurückgegeben hat. Unter Vorgänger Sorg, bei dem Streich als loyaler Co-Trainer alle Fehler mitgetragen hatte, aber auch schon unter Robin Dutt hatte sich das Team von den Zuschauern entfernt, Freiburg wurde nicht mehr als besonderer Club wahrgenommen, wo trotz aller Unterlegenheit ansehnlicher Fußball geboten und ein Abstieg immer mit einkalkuliert wurde.
Streich ist ein Freiburger Urgestein, arbeitet bereits seit 17 Jahren für den SC. Streich glaubt an die Eigengewächse und gibt ihnen eine Chance. Er stellt die Gemeinschaft über alles. Er nimmt sich selbst nicht wichtig. Und Streich in ein Fußballverrückter, der überzeugen kann. "Er war mein Trainer in der A-Jugend, und ich war der Chaot schlechthin", erinnerte sich der heutige Hamburger Dennis Aogo in der Badischen Zeitung. "Aber er hat mir die Augen geöffnet."
Dufner, aber auch Präsident Fritz Keller ("Warum bist Du nicht schon früher auf diese Idee gekommen?"), sind von der Streich-Lösung vollkommen überzeugt. Und schon sind wir wieder bei Volker Finke, der den damaligen Präsidenten Achim Stocker immer hinter sich wusste und eine Ära prägen konnte. Auch wenn Streich es nicht hören möchte, er könnte die nächste gestalten.
3) Bekommt der SC ein neues Stadion?
Wer sich in Freiburg nicht so gut auskennt, wird sich fragen, warum an der Dreisam überhaupt ein solches Thema aufkommt. Das Mage Solar Stadion ist gut gefüllt, aber nicht komplett ausgelastet, es hat Charme und passt zum Verein. Doch die Freiburger spielen mit einer Sondergenehmigung der DFL, das Spielfeld ist fünf Meter zu kurz.
Deshalb arbeitet die Stadt Freiburg mit dem SC an einer neuen Lösung, aber zeitnah wird sich am Status Quo wenig ändern. Geradezu absurd klingt die Machbarkeit eines Stadionumbaus, wo das Feld dann verlängert wird, die Kapazität wegen Protesten der Anwohner aber nur um um 1000 Zuschauer erhöht werden darf und die Bauzeit auf elf Jahre angelegt wurde.
Doch auch die anderen Standorte in Freiburg können nicht vollends überzeugen, mal fehlt es am Platz, um auch Trainingsplätze zu integrieren, an anderer Stelle wird die Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz kaum zu realisieren sein. Die DFL hat die Sondergenehmigung zwar jüngst verlängert, aber die Infrastruktur sei "im Bereich des Profifußballs insgesamt auf Dauer nicht zukunftsfähig". Eine Warnung, die die SC-Verantwortlichen aufgenommen haben, den Ball aber direkt an die Stadt weitergespielt haben. Der Druck wird größer in Freiburg.
