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Von: Nils Lehnebach
Datum: 09. Juli 2012, 09:25 Uhr
Format: Artikel
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Federer, Kerber, Lisicki, Williams - ein Wimbledon-Fazit

Roger Federer, Wimbledon, ATP, Tennis
Roger Federer ist nach dem Wimbledon-Sieg wieder die Nummer eins

Roger Federer überstrahlte bei der 126. Auflage von Wimbledon alles, doch darüber hinaus gab es Sensationen, Geschichte wurde geschrieben und neben den obligatorischen Erdbeeren musste das Publikum viel Regen ertragen. sportal.de zieht ein Fazit.

Sensationen, Siege für die Geschichtsbücher und ein Sammelsurium an Kuriositäten: Die 126. Wimbledon-Auflage war eine denkwürdige, es war eines der unterhaltsamsten Grand-Slam-Turniere der vergangenen Jahre. Ein Fazit.

Unzählige Erdbeeren wurden gegessen, unzählige Regentropfen ertragen: Die 126. Wimbledon-Auflage ist vorbei. Es waren zwei Wochen mit zahlreichen Partien, die in Erinnerung bleiben. Es waren vor allem zwei Wochen, die Erfolge brachten, die womöglich für die Ewigkeit halten werden. Zeit für einen Rückblick.

Das Spiel des Turniers

Erst drei Matchbälle vergeben, dann selbst kurz vor dem Aus gestanden: Der 6:3, 6:7 (7:9), 7:5-Sieg von Angelique Kerber über Sabine Lisicki im Viertelfinale war aufreibend, abwechslungsreich und allerbeste Werbung für das deutsche Damentennis.

Es war vor allem eine der intensivsten Partien im gesamten Turnierverlauf, sie bot die meisten Wendungen, die umstrittene Ansetzung auf dem Center Court war im Nachhinein betrachtet genau richtig. Kerber unterstrich mit dem Erfolg ihre Stellung als deutsche Nummer eins und bewies erneut, dass sie in Drei-Satz-Matches eine Macht ist.

Diese Profis überraschten

Florian Mayer ist ein talentierter Spieler, er kann viele Ballwechsel gewinnen. Er kann aber auch viele verlieren. Und das war zuletzt in der Mehrheit der Punkte der Fall. In Wimbledon hat Mayer eine neue Stufe erreicht. Der 28-Jährige schaffte es erstmals seit 2004 wieder ins Viertelfinale, er schaffte es, seine Selbstzweifel zu überwinden und schlug so Top-20-Spieler Richard Gasquet.

Auch Philipp Kohlschreiber erreichte die Runde der besten Acht, besiegte dabei allerdings keinen gesetzten Spieler. Sein Erfolg ist daher nicht ganz so hoch zu bewerten. Doch die deutschen Männer waren zuletzt auch immer gut dafür, solche Chancen auszulassen.

Vor einem Jahr hatte Brian Baker keine Weltranglisten-Position. Der ehemals zweitbeste Juniorenspieler der Welt hatte nach fünf Operationen hinter sich gebracht, seine Karriere eigentlich schon beendet und ein Studium begonnen. Dann startete er ein Comeback, in Wimbledon zog er sensationell ins Achtelfinale ein.

Es gibt auf der ATP-Tour drei Begegnungen die, Entschuldigung, geil sind, die die Fans elektrisieren, die man sich zu jeder Tages- und Nachtzeit angucken kann: Federer gegen Nadal, Nadal gegen Djokovic und Djokovic gegen Federer. Roger Federer konnte diese Begegnungen zuletzt nicht häufig gewinnen.

In Wimbledon aber besiegte er Djokovic im Halbfinale und legte damit den Grundstein zum Titelgewinn. Es war ein überzeugender Sieg und es war ein Triumph mit immenser Reichweite: Durch den Wimbledon-Sieg übernimmt Federer erstmals seit über zwei Jahren wieder die Spitze in der Weltrangliste. Viele hatten "King Roger“ schon abgeschrieben - nun ist er zurück.

Und da die Top-Stars in den kommenden Wochen nicht spielen, bleibt Roger noch einige Wochen ganz oben. Ein nicht ganz unwichtiger Aspekt. Bisher führte Federer das Ranking 285 Wochen lang an, genau eine weniger als Spitzenreiter Pete Sampras. Nun wird der Schweizer auch diesen Rekord übernehmen.

Mit der Schwester gleichgezogen: Mit einem Dreisatz-Sieg im Finale gegen Agnieszka Radwanska hat Serena Williams zum fünften Mal in Wimbledon gewonnen - und damit genau so oft wie ihre Schwester Venus. Die Leistung der US-Amerikanerin in London war beeindruckend - und auch ein Stück weit überraschend, war Williams doch zuletzt bei den French Open noch überraschend in der ersten Runde gescheitert.

Diese Profis enttäuschten

Es war die größte Sensation eines um Sensationen nicht armen Turniers: Der Weltranglistenzweite Rafael Nadal scheiterte in der zweite Runde. Und das gegen Lukas Rosol, die Nummer 100 der Welt. Ein Spieler, der zuvor in seiner Karriere, Rosol ist 26 Jahre alt, 19 Partien auf der ATP-Tour gewonnen hatte.

Fünf ihrer sieben Grand-Slam-Titel holte Venus Williams in Wimbledon. Sie ist einer der größten Spielerinnen aller Zeiten. Doch die 32-Jährige leidet am Sjögren-Syndrom, ihr Körper ist offenbar zu schwach, um auf Dauer Spitzensport zuzulassen. Warum sich Williams weiter quält, ist unklar. Es tut einem weh, ihr dabei zuzusehen.

Viele dachten, Tommy Haas kann noch einmal an seine großen Tage anknüpfen. Er kann es offenbar nicht. Der Altmeister scheiterte in Runde eins an Philipp Kohlschreiber, vergab einen Satzvorsprung. Für Grand-Slam-Turniere scheint der Körper doch (noch) nicht (mehr) fit genug zu sein.

Das werden wir nicht vergessen

Dass die deutschen Frauen Tennis spielen können, zumindest wenn man dies so definiert, dass man dabei auch mal etwas gewinnt, wusste man schon länger. Doch die Herren können es scheinbar auch. Mit Kohlschreiber, Mayer, Kerber und Lisicki erreichten vier Deutsche das Viertelfinale von Wimbledon.Das gab es noch nie bei einem Grand-Slam-Turnier. Eine Wiederholung ist unwahrscheinlich. Mayer und Kohlschreiber profitierten vor allem von ihren ziemlich leichten Gegnern. Aber wenn Andrea Petkovic wieder fit ist, geht ja vielleicht doch was.

24 Ballwechsel, 24 Punkte: Yaroslava Shvedova gewann einen Satz ohne Punktverlust – und das gegen French-Open-Finalistin Sara Errani. Ein Kunststück, das zuvor noch keiner Frau seit dem Beginn der Open Era 1968 gelungen war.

Von Beginn des Turniers an sorgte Andy Murray für gute Unterhaltung. Er sorgte dafür, dass Ivan Lendl, sein Trainer, erstmals nach dessen Karriereende wieder die Anlage, auf der er nie gewinnen konnte, betrat. Dann sorgte er für eine Hosen-Debatte in den englischen Medien, da in seiner die Taschen etwas klein waren, dadurch Bälle während der Ballwechsel rausgeflogen waren und Murray so Punkte verloren hatte.

Doch der Schotte spielte auch noch Tennis, ganz gut sogar. Er füllt den "Murray Mountain“ und zog als erster Brite seit 74 Jahren ins Wimbledon-Finale ein. Allerdings profitierte er vom frühen Nadal-Aus, der sonst sein Halbfinal-Gegner gewesen wäre - und dies vermutlich verhindert hätte.

Das werden wir schnell vergessen

Gilles Simon erwähnte, dass Männer attraktiver spielen als Frauen. Deshalb sollen sie auch mehr Preisgeld bekommen. Simon hat in diesem Jahr, bis zum Wimbledon-Turnier, knapp 700.000 Dollar Preisgeld bekommen, in seiner Karriere gut sechs Millionen. Maria Sharapova und Serena Williams konterten. Hätten Spieler die Diskussion angeführt, die wirklich auf die Preisgelder angewiesen sind, hätte man es verstehen können. Ihnen hätte vermutlich aber eh keiner zugehört. So wirkte es letztlich sinnentleert.

Rufus ist ein Falke, er soll Tauben verjagen. Irgendwann war Rufus verschwunden, nachdem das Fenster eines Autos offen gelassen wurde, auf dessen Beifahrersitz er untergebracht war. Irgendwann war Rufus dann wieder da. Grund genug für einen TV-Sender ein "Interview“ mit ihm zu machen.

Seit 2009 hat der Centre Court in Wimbledon ein Dach. Das ist nicht so schlecht, denn in London regnet es ab und an mal. Während des Wimbledon-Turniers regnete es sogar ein wenig öfter als ab und an mal. Und da alle anderen Plätze kein Dach haben, wurden diverse Partien immer wieder unterbrochen, verschoben, neu aufgenommen, doch wieder unterbrochen, und so weiter. Für die Zukunft: Ein wenig weniger Regen wäre nicht verkehrt. Und eine etwas bessere Planung auch nicht. Sowohl das Damen- wie auch das Herrenfinale mussten unterbrochen werden, obwohl sie auf dem Centre Court stattfanden.