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Datum: 02. Juli 2012, 00:11 Uhr
Format: Artikel
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EM-Finale Spanien - Italien: Die Einzelkritik

Sergio Ramos, Spanien, Italien, Gianluigi Buffon
Sergio Ramos versucht einen Hackentrick

Mit dem höchsten Finalsieg in der EM- und WM-Geschichte hat Spanien seinen dritten Titel in Folge gewonnen. Wie gut waren die Spanier wirklich? Hier sind alle Profis in der Einzelkritik.

Spanien

Iker Casillas: 2,5
Zwar mit ein, zwei Unsicherheiten bei hohen Bällen; zugleich klärte er die Vielzahl solch hoher Hereingaben aber sicher. Stark, wie er gegen Di Natale kurz nach Wiederanpfiff den Anschluss verhinderte. Ansonsten nicht gefordert, wenn es um das Toreverhindern ging. Starker Abschlag in der Entstehung des 2:0.

Álvaro Arbeloa: 3,5
Zu Spielbeginn vereinzelt mit Problemen gegen Cassano. So verlor Arbeloa den Zweikampf vor dem einzigen italienischen Abschluss aus dem Strafraum heraus in Hälfte eins. Abzüge gibt es zudem für das Verursachen von Standards sowie eine gewisse Limitiertheit im Spiel nach vorne. Allerdings leistete sich Arbeloa auch keinen gravierenden Fehler, verbuchte zudem jenen Kopfball, der eigentlich zu einem Handelfmeter hätte führen müssen.

Gerard Piqué: 2,5
Insgesamt lieferte Spaniens Innenverteidigung eine starke Leistung; einzig in der zehnminütigen Phase nach der Halbzeitpause wackelte sie leicht. Ansonsten ließen Piqué und Ramos kaum Abschlüsse aus dem Strafraum zu, klärten dazu häufig gut bei langen Bällen, mit denen Italien häufig operierte. Unnötig allerdings sein hartes Foul an Cassano, für das Piqué früh Gelb sah.

Sergio Ramos: 2
Wie bei Piqué beschrieben, verteidigte das spanische Abwehrzentrum über weite Strecken richtig gut. Dank des effizienten Pressings der Vorderleute musste speziell Sergio Ramos häufig bei langen Bällen auf Balotelli zur Stelle sein. Dabei sehr präsent, zweikampfstark.

Jordi Alba: 2
Durch seine Dynamik, seine Antritts- und Endgeschwindigkeit schwer zu verteidigen, zumal sich Jordi Alba immer wieder in Angriffe einschaltete. Steter Unruheherd, der zwar manchmal noch zu hastig abschloss, bei seinem 2:0 allerdings sehr cool blieb, zudem defensiv voll überzeugte.

Sergio Busquets: 2


Taktisch hervorragend. Das spanische Mittelfeld war über 90 Minuten perfekt organisiert, verschob organisch zum Ball, ohne die richtigen Abstände aufzuweichen. Busquets verstand es sehr gut, Montolivo bei dessen Ballannahme unter Druck zu setzen, gewann Zweikämpfe. Dazu der Pass auf Torres vor dem 4:0.

Xabi Alonso: 2
Was für Busquets gilt, gilt auch für dessen Nebenmann. Xabi Alonso wirkte dazu bei eigenem Ballbesitz noch präsenter, initiierte noch mehr Angriffe. Insgesamt spielten beide auf demselben hohen Niveau.

David Silva: 2,5
Wie gut die spanische Offensive in ihrer Gesamtheit funktioniert, offenbarte sich in der Entstehung des 1:0, als auf Iniestas Rhythmuswechsel alle involvierten Mitspieler, auch Silva, reagierten und perfekt aufeinander abgestimmt in die Tiefe starteten. Neben seinem Tor aktiv, aber ohne weitere entscheidende Szenen.

Xavi: 1
Gegen Portugal wurde Xavi noch vorzeitig ausgewechselt; auch im Club machte Xavi bei weitem nicht mehr alle Spiele über 90 Minuten. Gut möglich, dass das EM-Finale der letzte Auftritt des 32-Jährigen auf der ganz großen Bühne war. Falls dem so sein sollte - es war ein ihm Angemessener. Sehr präsent, dominant, und mit den entscheidenden perfekten Pässen. Zwei von ihnen führten direkt zu Toren.

Andrés Iniesta: 1,5
In Hälfte eins zum Teil noch stärker als Xavi und mit dem famosen Pass auf Fàbregas vor dem 1:0. Neben Xavi oft derjenige, der das Tempo variierte. Sehr ballsicher, sehr stark auch im Spiel ohne Ball, im Pressing, welches der Schlüssel zum Sieg war. Allerdings auch mit (positionsbedingten) Phasen, in denen er weniger auffällig spielte.

Cesc Fàbregas: 2
Perfekte Vorarbeit zum 1:0. Nicht die einzige Szene, in der sich Fàbregas vorne durchsetzte, im Strafraum Gefahr ausstrahlte. Insgesamt auffälliger als Silva, und wie seine Nebenleute sehr diszipliniert im Anlaufen der gegnerischen Aufbauspieler.

Pedro: 3,5


Verzeichnete nach seiner Einwechslung zwar viele Ballkontakte und leistete sich bei diesen keine wirklichen Fehler. Jedoch wählte Pedro bei einigen Überzahlangriffen die falschen Laufwege. Nicht wirklich schlimm, aber auch nicht überdurchschnittlich gut.

Italien

Gianluigi Buffon: 3
Trotz vier Gegentreffern eine leicht überdurchschnittliche Note. Zum einen, weil Buffon bei diesen keine Schuld traf; zum anderen, weil er ansonsten einen sicheren Eindruck hinterließ; etwa, als er gegen Fàbregas klärte (48.).

Ignazio Abate: 3,5
Offensiv konnte Abate nichts ausrichten, was weniger daran lag, dass er - selten genug - mit Jordi Alba auf einen Gegenspieler traf, der noch schneller war, als er selbst; vielmehr erreichten die Pirlo-Pässe aus dem Zentrum nicht den gewohnten Präzisionsgrad. Defensiv weitgehend fehlerfrei; allerdings vermied es Spanien meist, über die Außen anzugreifen, sondern kombinierte durch das Zentrum.

Andrea Barzagli: 4,5
In zahlreichen Situationen stimmte die Abstimmung zwischen Barzagli und Nebenmann Bonucci nicht. Mehrfach stellte einer der beiden einen gegnerischen Angreifer ins Abseits, während der andere mit dem Stürmer mitging, das Abseits so aufhob. Entsprechend gelang es Spanien immer wieder, durch Pässe in die Schnittstellen Chancen zu kreieren. Allerdings wurden diese Schnittstellen nur unzureichend durch das Mittelfeld abgesichert, so dass die Kompliziertheit der Aufgaben, vor denen beide standen, die Fehler nachvollziehbarer macht.

Leonardo Bonucci: 4,5
Siehe Barzagli. Zwar mit vielen Abstimmungsfehlern; jedoch war der Gegner auch extrem schwer zu verteidigen. Zwei, drei gute Blocks; allerdings neben den beschriebenen Fehlern auch mit einem Handspiel, das zu einem Elfmeter hätte führen müssen.

Giorgio Chiellini: 4,5
Einen Abwehrspieler, der nach 21 Minuten beim Stand von 0:1 verletzt ausgewechselt wird, ähnlich negativ zu bewerten, wie Abwehrspieler, die 90 Minuten durchspielen und 0:4 verlieren, wirkt hart. Durch seinen Stellungsfehler (und fehlende Schnelligkeit im Sprintduell mit Fábregas) verursachte Chiellini jedoch das wichtige 0:1 mit. Daneben mit einem unbedrängten Fehlpass im Aufbau. Seine taktische Sonderrolle, bei spanischem Ballbesitz ins Mittelfeld vorzurücken und das Zentrum zu verdichten, spielte angesichts seiner frühen Verletzung keine entscheidende Rolle.

Claudio Marchisio: 4
Über weite Strecken mit starkem Pressing bei spanischem Ballbesitz. Diese Arbeit gegen den Ball war beim Sieg über Deutschland noch mitentscheidend; heute trafen Marchisio und Co auf einen Gegner, der noch besser presste als man selbst. Gute Arbeit gegen den Ball und eine gute Ballsicherheit traten mit zunehmender Spieldauer in den Hintergrund, denn mit dieser zerfiel das italienische Defensivspiel, was aber auch schlicht dem Kontext (Unterzahl, Rückstand) geschuldet war.

Andrea Pirlo: 4
Bei Weitem nicht so dominant wie in den bisherigen K.o.-Spielen. Wurde vor allem von Xavi attackiert, aber auch oft übergeben. Unter Druck nicht so passgenau, wie es das italienische Angriffsspiel erfordert hätte.

Daniele de Rossi: 4,5
Über weite Strecken bester Italiener. Fing viele Pässe ab, verstand es dann oftmals gut, das Spiel zu verlagern und lief Pirlo so den Rang ab. Wären da nicht die Fehler vor den Gegentoren. Offensichtlich vor dem 4:0, als er einen Fehlpass spielte; weniger offensichtlich, aber dennoch vorhanden, vor dem 1:0, als er die Gasse für Iniesta nicht stopfte und vor dem 3:0, als er Xavi nicht angriff.

Riccardo Montolivo: 4
Zunächst mit Problemen, ins Spiel zu finden. Arbeitete zwar wie gegen Deutschland gut gegen den Ball, indem er durch hohen läuferischen Aufwand früh angriff; dies blieb jedoch ohne denselben Effekt wie im Halbfinale, weil Spanien schlicht ballsicherer aufbaute. Starker Pass vor seiner Auswechselung, als er Di Natale bediente. Ansonsten unauffällig.

Mario Balotelli: 4
Wie fast jeder Italiener mit hohem läuferischen Aufwand, der letztlich nichts einbrachte, aber nicht unerwähnt bleiben soll. Diente seinen Hinterleuten als primäre Ansielstation, strahlte durchaus Präsenz aus, was Casillas zumindest einmal verunsicherte. Letztlich verlor er jedoch zu viele Bälle, als dass er wirklich gefährlich werden bzw. einen Mitspieler entscheidend einsetzen konnte.

Antonio Cassano: 4,5
Zwar mit einer guten Einzelaktion und dem damit verbundenen einzigen Abschluss aus dem Strafraum heraus vor der Pause. Ansonsten blieb Cassano jedoch ohne Balotellis Präsenz und wirkte nicht spritzig.

Federico Balzaretti: 4
Gab im Vergleich zu Chiellini den konservativeren Linksverteidiger. Leistete sich dabei zwar durchaus Fehler, vor allem gegen Fàbregas; diese Schwächen waren allerdings bei Weitem nicht der ausschlaggebende Faktor für die Niederlage Italiens.

Antonio di Natale: 4,5 
Fiel sofort auf, indem er zu zwei Abschlüssen binnen weniger Augenblicke kam. Klingt gut. Allerdings hätte Di Natale aus diesen mehr machen müssen, um Italien ins Spiel zurückzubringen. Nach Mottas Ausfall dann völlig aus dem Spiel und der Italiener mit dem geringsten Pensum.

Danial Montazeri