Man hätte 90 Minuten unter dem Einfluss chinesischer Wasserfolter das Testbild ansehen können - und immer noch mehr Spaß gehabt als beim Betrachten des Klassikers. Aber aus taktischer Sicht gab es wenig zu beanstanden. Hier die Einzelkritiken von sportal.de.
Niederlande
Kenneth Vermeer: 3
Hatte nicht sonderlich viel zu tun, konnte sich dementsprechend wenig auszeichnen. Wenn er gefragt war bei hohen Bällen, war er in der Regel zur Stelle.
Ricardo van Rhijn: 3,5
Verließ nach der ersten Hälfte das Spielfeld, wurde durch Janmaat ersetzt. Im Passspiel sicher, nur selten war die niederländische Deckung über 90 Minuten unsortiert. Lediglich vor der Chance durch Gündogan kurz vor der Pause, als Reus den Ball ins Zentrum passen konnte, nicht ganz auf dem Posten.
Johnny Heitinga: 2,5
Bester Mann in der niederländischen Deckung. Irgendwie gelang es ihm, in den entscheidenden Momenten immer im Weg zu stehen wie bei der Götze-Chance in der 21. Minute und dem Schuss von Gündogan kurz vor der Pause. Hatte gegen Götze etwas Glück, dass nicht auf Handelfmeter entschieden wurde. Es gibt Schiedsrichter, die da anders reagieren.
Ron Vlaar: 3
Nicht ganz so auffällig wie Nebenmann Heitinga, aber viel auszusetzen gab es auch an seiner Leistung nicht. Nur in der Phase vor der Halbzeitpause hatten die niederländischen Abwehrspieler ein paar Schwierigkeiten. Ansonsten auch Vlaar mit gutem Stellungsspiel und stark in den Zweikämpfen.
Bruno Martins Indi: 4
Mangelndes Engagement konnte man in dieser von Taktik geprägten Begegnung keinem Akteur vorwerfen. Das lässt sich auch für Martins Indi sagen, der allerdings bei drei Vorstößen von Höwedes vor der Halbzeitpause dem Schalker zu viel Platz ließ.
Nigel de Jong: 3,5
Wichtigster Defensivakteur der Niederländer im Mittelfeld, ein wesentlicher Faktor dafür, dass das deutsche Kombinationsspiel nicht in Gang kam. Vorwerfen lassen muss er sich seine oftmals unfaire Spielweise. Das führt zu Abzügen.
Rafael van der Vaart: 3
Der Alt-Neu-Hamburger schaffte es, neben seiner Einbindung in die Defensive mit einigen guten Pässen für Entlastung seiner Mannschaft zu sorgen. Während De Jong für die Drecksarbeit zuständig war, sorgte Van der Vaart für Spielkultur, auch wenn nicht alle seine Pässe ankamen.
Ibrahim Afellay: 3,5
Fast wäre er zum Matchwinner geworden durch seinen Pass auf Robben, auch wenn der letztendlich aus Abseitsposition gegen Neuer vergab. Allerdings blieb in dieser Situation ein Pfiff aus. Bemüht, mit sicherem Passspiel, aber schwachem Abschluss.
Ruben Schaken: 3,5
Besonders in der ersten Hälfte gelang es ihm, auf seiner Seite ein paar Mal gegen Lahm durchzubrechen und Flanken zu schlagen, die jedoch selten Abnehmer fanden. Sehr in die Defensivarbeit eingebunden, zumal bei der deutschen Mannschaft viel über seine Seite versucht wurde. Andererseits: Welcher Niederländer war nicht in die Defensive eingebunden?
Arjen Robben: 4
Er hat ja in letzter Zeit so einige gute Möglichkeiten in Reihen der Bayern nicht nutzen können. Doch die Art und Weise, wie er sich bei seiner Großchance in der ersten Halbzeit selber anschoss sagenhaft. Blieb ansonsten eher unauffällig.
Dirk Kuyt: 3,5
Hatte seine beste Szene in der Schlussphase, als er nach Doppelpass mit Janmaat seinem Kollegen eine der besten Torchancen des Spieles auflegte. Ansonsten mit viel Laufarbeit, Pluspunkte sammelte er eher für seinen Einsatz in der Defensive.
Daryl Janmaat: 3
Sorgte einerseits für frischen Schwung, so hatte er eine der besten Chancen der Partie kurz vor dem Ende nach Zusammenspiel mit Kuyt. In der Abwehr aber nicht immer souverän, wo er in der zweiten Hälfte Van Rhijn ersetzte.
Stefan de Vrij: 2,5
Ersetzte den besten Verteidiger in Reihen der Niederländer, Heitinga, in der zweiten Hälfte nahtlos.
Eljero Elia: 3
In der zweiten Hälfte für Robben im Spiel, brachte der Bremer frischen Schwung in die Angriffsbemühungen der Niederländer.
Marco van Ginkel: 4
Kam für die letzte halbe Stunde ins Spiel. Das war zwar eine etwas aktivere Phase der Gastgeber, aber die letzte Ballsicherheit zeigte das Vitesse-Talent nicht immer.
Deutschland
Manuel Neuer: 3
Verhinderte mit einer guten Parade gegen Janmaat eine späte Niederlage. Einen kleinen Patzer erlaubte er sich allerdings auch mit einem Querschläger.
Benedikt Höwedes: 3
An einigen guten Vorstößen in der ersten Hälfte beteiligt, so auch an der ersten guten Möglichkeit von Götze in der 21., die er direkt vorbereitete. Mit Robben unterfordert, hatte er nach der Einwechslung von Elia deutlich mehr zu tun.
Per Mertesacker: 3
Vor allem bei hohen Bällen konnte er seine Qualitäten entfalten, die aber an diesem Abend nur selten gefordert waren.
Mats Hummels: 2,5
Das sah bei Nebenmann Mats Hummels etwas anders aus. Der versuchte, zusammen mit Gündogan, das deutsche Spiel aus hinterster Linie zu organisieren und marschierte öfter auch bis tief in die gegnerische Hälfte. Hebelte mit längeren Bällen des Öfteren das dicht gestaffelte Mittelfeld aus, auch wenn Torerfolge am Ende ausblieben.
Philip Lahm: 3,5
Lahm spielte mal wieder auf der von ihm nicht so geliebten linken Seite, schien dabei vor allem in der ersten Hälfte noch zu fremdeln, als Schaken das eine oder andere Mal zu Flanken kam. Gute Passquote, mit besserer zweiter Hälfte.
Lars Bender: 3
Spielte neben Gündogan auf der Doppelsechs, während der Dortmunder mehr einen Part spielte, der das deutsche Aufbauspiel organisieren sollte, war Bender, auch in der Vorwärtsbewegung, mit den defensiveren Aufgaben betraut.
Ilkay Gündogan: 3
Spielte praktisch die Rolle, die sonst Schweinsteiger übernimmt, und das war durchaus ein gelungener Auftritt, ohne dass er dabei sonderlich herausragen konnte. Hatte kurz vor der Pause eine der besten Chancen für die deutsche Mannschaft der gesamten Partie.
Thomas Müller: 4
Nicht sein allerbestes Länderspiel, leistete sich untypisch viele Fouls, die Niederländer ließen ihm nicht die Räume, die er für sein Spiel braucht.
Lewis Holtby: 3,5
Mit großem Wirkungsradius, mit guten Ideen im Spielaufbau, allerdings ist auch er es gewohnt, sich auf Raum entfalten zu können. Eine ordentliche Leistung, ohne jedoch glänzen zu können.
Marco Reus: 3,5
Nur selten kam er in so gute Positionen wie kurz vor der Pause beim Pass ins Zentrum, aus dem sich die Chance von Gündogan entwickelte.
Mario Götze: 3,5
Begann als einzige Spitze, und in dieser Rolle hatte er auch die erste gute Möglichkeit für die deutsche Elf nach Vorarbeit von Höwedes. Mit zunehmender Spieldauer eher auf den Flügeln zu finden. In der 72. Minute durch Podolski ersetzt.
