Sebastian Vettel interessiert der WM-Zwischenstand derzeit nicht. Mark Webber dagegen interessiert nicht, wer hinter ihm liegt. Fernando Alonso ist sich sogar sicher, man kann die WM in dieser Phase der Saison nicht gewinnen, man kann sie aber verlieren.
Auch auf der Gartenparty seines Teamchefs hielt sich Sebastian Vettel brav an den Red-Bull-Frieden. Entspannt stieß der Formel-1-Doppelweltmeister ein weiteres Mal auf den Silverstone-Sieg seines Stallrivalen Mark Webber an. "Im Moment ist es noch zu früh, mit dem Zählen anzufangen", erklärte der 25-Jährige seine vorläufige Gelassenheit im Titelrennen. Mark Webber dagegen, scheut sich nicht einen Blick auf den Punktestand zu werfen.
Webber interessiert nur Alonso
Routinier Webber will auf seine alten Rennfahrer-Tage endlich den großen Coup schaffen. "Ich habe den Typen auf Platz eins im Auge", sagte er nach seinem zweiten Saisonsieg mit einem Seitenblick auf WM-Spitzenreiter Alonso und fügte hinzu: "Im Moment habe ich sicher keine Probleme mit dem Selbstbewusstsein." Diesen Satz wiederum durfte auch Vettel als kleine Spitze verstehen.
Webber hat genug von der Rolle des zweiten Mannes im Schatten des hessischen Strahlemanns. Vor zwei Jahren war der Zwist zwischen beiden schon einmal eskaliert, als das Duo in Istanbul kollidierte und sich Webber danach intern benachteiligt fühlte. Seinerzeit hatte er nach seinem ersten Sieg in Silverstone via Boxenfunk geätzt: "Nicht schlecht für eine Nummer zwei, oder?" Diesmal verkniff sich "Super-Mark" (Daily Mail) Ähnliches.
Webber gegen Vettel: Spannungen vorprogrammiert
Der Zweikampf zwischen Webber und Vettel ist allerdings fast noch spannungsreicher, als der zwischen Alonso und Webber. Webber reagiert cool auf die Anspielungen. "Schau her, es ist für uns alle eine Meisterschaft. In den vergangenen Rennen hatte ich einen guten Lauf. Seb musste einen Ausfall hinnehmen, als er in Valencia führte. So war es nun einmal. Ich habe in diesem Jahr schon zwei sehr denkwürdige Siege eingefahren, allerdings unter unterschiedlichen Umständen", so der Australier laut motorsport-total.com.
Webber will nur noch auf sich und den Führenden gucken, den es zu überholen gilt. "Ich habe lieber diese Punkte als die Zähler, die andere auf ihrem Konto haben. Es interessiert mich nicht, wer Dritter, Vierter oder Fünfter ist. Ich schaue auf den kleinen Kerl neben mir (Alonso, Anm. d. Red.), der ebenfalls sehr gut unterwegs ist. Wir müssen einfach weiterhin Druck machen", so Webber laut motorsport-total.com.
Zahltag für Webber: Vertragsverhandlungen warten
Sein jüngster Aufschwung hat den 35-Jährigen ganz nah an eine weitere Vertragsverlängerung bei Red Bull gebracht. "In den nächsten Wochen werden wir uns zusammensetzen. Ich denke, Mark will auch im nächsten Jahr bei uns sein", sagte Teamchef Christian Horner. Britische Medien spekulierten bereits mit einem neuen 7,5-Millionen-Euro-Kontrakt für Webber.
116 Punkte hat der WM-Zweite in dieser Saison bereits eingefahren, damit liegt er 13 Zähler hinter Ferrari-Star Alonso und 16 vor Vettel. "Im Moment spielt das keine Rolle. Unser Ziel ist, dass wir am Ende oben stehen. Wir wir dahin kommen, ist eigentlich wurscht", kommentierte Vettel diese Zahlen. Nach dem Ausfall als Führender in Valencia beförderte ihn Platz drei in Großbritannien immerhin wieder auf Gesamtrang drei. "Der Schlüssel ist, immer Punkte zu holen", urteilte Vettel.
Alonso: Nicht gewinnen, aber verlieren kann man
Beleg dafür ist Alonsos Bilanz. Als einziger sicherte er sich in allen bisherigen Saisonrennen WM-Zähler. So konnte er auch verschmerzen, dass ihm Webber in Silverstone in der fünftletzten Runde noch den Sieg wegschnappte. "Es ist ein wichtiger Zeitpunkt in der Saison. Jetzt gewinnt man zwar noch nicht den Titel, aber man kann ihn schon verlieren", befand der Spanier. "Die Fahrer-WM wird zu einem Dreikampf", vermeldete der Corriere dello Sport.
In der Tat scheint kurz vor Saison-Halbzeit die Achterbahn-Phase der Formel 1 vorbei und das Kräfteverhältnis endlich klar. Red Bull hat das stärkste Auto, nur Ferrari und vor allem Alonso können dagegen halten. McLaren ist indes im Sturzflug. "Wir sind weit, weit weg", klagte der WM-Vierte Lewis Hamilton. Auch für das Mercedes-Duo Michael Schumacher und Nico Rosberg stehen die Vorzeichen für Hockenheim und den weiteren Saisonverlauf eher ungünstig.
