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Von: Henning Schulz
Datum: 22. Juli 2012, 08:32 Uhr
Format: Artikel
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Diese Sportler und Funktionäre haben den Fußball verändert

Ferenc Puskas, wm-endspiel 1954, ungarn
Ferenc Puskas im WM-Endspiel 1954

Es gibt immer wieder Personen, die im Fußball einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben oder den Sport sogar verändert haben. Heute berichten wir von  Spielern und auch einem Funktionär, die dem Fußball ihren Stempel aufgedrückt haben. Freuen Sie sich auf Franz Beckenbauer, Ferenc Puskás und Co.

Franz Beckenbauer
Den meisten jungen Fußball-Fans der heutigen Zeit begegnet der Name Franz Beckenbauer nur, wenn er zu einem den FC Bayern München, die Nationalmannschaft oder Gott und die Welt betreffenden Thema gefragt wird und Beckenbauer natürlich auch gerne bereit ist, seine Meinung zu allem und jedem zu äußern.

Aber, lieber Fußball-Anhänger, der Franz war auch einmal einer der besten Fußballer aller Zeiten - worin vielleicht auch die Tatsache begründet liegt, dass er heute immer noch ständig nach seiner Meinung gefragt wird - und er hat zu seiner aktiven Zeit der Position des Liberos ein neues Gesicht verliehen.

Als Franz Beckenbauer als 18-Jähriger 1964 für den FC Bayern München in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga debütierte, spielte er entweder Linksaußen oder im Mittelfeld. Erst 1969 wechselte er auf den Libero-Posten, den er aber anhand seiner zuvor offensiven Positionen auch dementsprechend interpretierte. Eigentlich war der Libero - der freie Mann in der Abwehr - ein Ausputzer, der die Fehler seiner Mitspieler ausbügeln musste.

Erst durch Beckenbauer gewann die Position auch einen offensiven Aspekt hinzu und neben dem Feuerwehrmann in der Abwehr war der Libero nun auch Antreiber und Spielgestalter. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Libero Beckenbauer und Mittelstürmer Gerd Müller stellte den Gegner vor große Probleme und sorgte sowohl für den FC Bayern als auch die deutsche Nationalmannschaft für zahlreiche Titel.

Dadurch, dass heute meist mit einer Viererkette agiert wird, gibt es einen Libero so gut wie gar nicht mehr. Erst 2004 feierte die Position dank Otto Rehhagel eine Rennaissance, als er mit der griechischen Nationalmannschaft und dem Libero Traianos Dellas hinter der Vierer-Abwehrkette den Europameistertitel gewann.

Toni Schumacher
So manchen wird der Name Toni Schumacher hier überraschen, ist er doch heute als Vize-Präsident des 1. FC Köln meist nur gefragt, wenn eine Meinung zum Club gesucht wird, doch zu seiner aktiven Zeit war Schumacher einer der besten Torhüter der Welt und hatte einen persönlichen Stil, der damals neu war, aber heute unter anderem den modernen Torwart ausmacht: Der weite Abwurf.

Die Tatsache, dass Schumacher den Ball lieber mit einem Abwurf als mit einem Abschlag an den Mann brachte, lag zwar in einer Knieverletzung begründet, aber Schumacher perfektionierte den langen Abwurf, der einen schnellen Angriff einleitete. Er trainierte mit Medizinbällen, um den Fußball weiter schleudern zukönnen. Was heute zum modernen Torwartspiel à la Manuel Neuer gehört, wurde von Schumacher Ende der 70er Jahre beinahe unbemerkt hoffähig gemacht.

Seinem Torwart Timo Horn beim FC sagte Schumacher jüngst, dass er schnelle gezielte Abwürfe machen solle, um so den Gegner zu überraschen. "Ich halte nichts von langen Abstößen", fügte Schumacher in einem Interview mit rundschau-online.de an. "Da kann man auch gleich mit einem Filzstift 'viel Glück' auf den Ball schreiben."

Ferenc Puskás
Mit unserem nächsten Spieler begeben wir uns wieder weiter in die Vergangenheit, nämlich in die 50er und 60er oder auch die schwarz-weißen Jahre des Sports. Dort war es ein kleiner, körperlich nicht ganz austrainierter Spieler, der die Fußballwelt verzückte und dafür sorgte, dass die Rückennnummer 10 fortan dem Spielmacher gehörte: Ferenc Puskás.

20 Jahre bevor die niederländische Auswahl mit totalen Fußball für Furore sorgte, war es eigentlich die goldene Generation der Ungarn, die diesen Spielstil entwickelte, in der alle Mannschaftsteile sowohl angreifen, als auch verteidigen müssen. Der große Star dieser Ungarn, die bis heute diverse Weltrekorde für Nationalmannschaften hält, war Ferenc Puskás.

Puskás war alles andere als ein Bilderbuch-Fußballer. Er war klein, untersetzt, breitbrüstig, übergewichtig, konnte keinen Kopfball und benutzte nur einen Fuß. Aber er benötigte auch nur diesen einen Fuß, seinen linken, um die Gegner in Grund und Boden zu spielen und mit dem er einen gewaltigen Schuss hatte. Gleichzeitig war Puskás aber auch mit einem großen Repertoire an Tricks und einer glänzenden Spielübersicht ausgestattet, das Können einer wahren 10 eben.

Insgesamt gewann Puskás mit seinen Clubs, sechs ungarische Meistertitel und zusammen mit Alfredo di Stefano bei Real Madrid sechs weitere Meisterschaften und noch wichtiger: drei Europapokale der Landesmeister. Puskás war der Begründer des Mythos der Rückennumer 10 und alle Nachfolger müssen sich am großen Ungarn messen lassen.

Mauricio de Brito
Nachdem wir uns drei Spielern gewidmet haben, kommt nun ein Club-Präsident an die Reihe: Mauricio de Brito, der zwischen 1957 und 1962 Präsident von Benfica Lissabon war. Multi-Millionär de Brito war zu Beginn seiner Amtszeit bei Benfica schnell zu dem Schluss gekommen, dass Benfica es nicht schaffen werde, international nur mit portugiesischen Spielern erfolgreich zu sein. Deshalb sah er sich in Afrika um und begründete damit den heutigen Standard der internationalen Spielersuche.

Aus Angola holte er José Aguas und Joaquin Santana, aus Mozambique sollte noch ein gewisser Eusébio folgen, der aber nicht dabei war als Benfica seinen größten Erfolg unter de Brito feierte und 1961den Europapokal der Landesmeister gewann.

Der 3:2-Sieg über den FC Barcelona hatte für den Benfica-Präsidenten aber beinahe tödliche Konsequenzen: Er erlitt auf der Tribüne in der Schlussphase einen Herzinfarkt. Helfer brachten ihn in die Kabine, wo Benficas Spieler nach der Ehrenrunde eintrudelten und ihren reglosen Präsidenten auf der Massagebank liegen sahen. Minutenlang soll keiner der Spieler ein Wort gesprochen haben, bis Mario Coluna angefangen haben soll, de Brito mit seinem Trikot Luft zuzufächeln.

Der Präsident soll die Augen geöffnet haben und gesagt haben: "Welch ein Privileg lange genug gelebt zu haben, um diesen Tag mitzuerleben. Mein Gott: Benfica ist der beste Klub Europas! Einen schöneren Tag um draufzugehen kann ich mir nicht vorstellen", berichtet 11freunde.de. Nach der Rückkehr nach Lissabon legte de Brito sein Präsidentenamt - wahrscheinlich auf anraten seiner Ärzte - nieder und erlebte so den zweiten Triumph Benficas im Landesmeistercup nicht mehr live als Präsident mit.

Jean-Marc Bosman
Zum Schluss kommen wir aber noch zur Mutter aller Fußball-Revolutionen, die durch Spieler ausgelöst wurden. Jean-Marc Bosman musste dafür aber vor Gericht ziehen und erlebte die Auswirkungen erst nach seinem Karriereende. 1990 wollte Bosman seinen belgischen Club RFC Lüttich, der ihm das Gehalt nach einem Streit um 60 Prozent gekürzt hatte, Richtung zweite französische Liga verlassen, doch sein Club rief eine viel zu hohe Ablösesumme von 800.000 Dollar auf, die US Dünkirchen, wohin Bosman wechseln wollte, nicht zahlen wollte.

Bosman klagte und ihm wurde vom belgischen Gericht zugesprochen, ablösefrei wechseln zu können. Der belgische Fußballverband legte allerdings gegen dieses Urteil Berufung ein, das erste Urteil wurde aber in der Revisionsverhandlung bestätigt, gleichzeitig auch der Europäische Gerichtshof angerufen, eine einheitliche Lösung für Europa zu finden.

Das Urteil wurde erst im Dezember 1995 gesprochen und der Europäische Gerichtshof entschied, dass Clubs innerhalb der EU nach Ablauf des Vertrages für einen Spieler ab sofort keine Ablöse mehr vom neuen Club verlangen dürften. Das zweite, vielleicht noch entscheidendere Urteil für den europäischen Fußball war, dass die nationalen Fußballverbände keine Ausländerbeschränkung für EU-Bürger mehr ausüben durften.

Ein Urteil mit großer Auswirkung auch für den DFB. Durch die Aufhebung der Ausländerbeschränkung hatte es der deutsche Nachwuchs schwer, sich in den Bundesliga-Clubs durchzusetzen und als Folge erlebten die Junioren-Teams und auch die A-Nationalmannschaft einen Qualitäts-Abschwung, der erst Jahre später aufgefangen werden konnte.

Bosman hatte von dem Urteil aber nichts mehr, er musste sogar Arbeitslosengeld beantragen, was aber abgelehnt wurde. Erst Jahre später wurde ihm eine Entschädigung von 780.000 Euro Entschädigung zugesprochen.