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Von: Daniel Raecke
Datum: 31. Januar 2013, 14:07 Uhr
Format: Artikel
Diskussion:
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Die Transfers am letzten Tag - eine Übersicht

Harry Redknapp, Queens Park Rangers
Freund des Schlussverkaufs: Harry Redknapp

Es gehört zum 31. Januar wie das Neujahrsspringen zum 1.: Harry Redknapp kommt im Auto aufs Trainingsgelände gefahren, Reporter stürzen sich auf ihn. Wen wird der Mann, für den das Transferfenster erfunden wurde, sich 2013 sichern? Wir geben einen Überblick.

Wenn Michel Platini mit seinem jüngsten Plan, das Transferfenster im Winter geschlossen und die kalte Luft draußen zu lassen, Erfolg haben sollte - und der Mann hat schon noch absurdere Pläne in die Tat umgesetzt - dann dürfte für Harry "Arry" Redknapp der größte Spaß seines Berufslebens der Vergangenheit angehören.

Denn niemand liebt es mehr als Redknapp, dutzendweise Spieler zu ver- und andere zu kaufen, wenn das Fenster mitten in der Saison öffnet. Als er im Herbst 2008 Manager von Tottenham Hotspur wurde, investierte er im folgenden Januar über 55 Millionen Euro, um den Kader nach seinen Vorstellungen umzubauen.

Diese Summe wird Redknapp, inzwischen bei den Queens Park Rangers beschäftigt, wo er im November Mark Hughes ablöste, im aktuellen Transferfenster nicht mehr ausgeben können. Aber solle niemand sagen, dass er es nicht versuchen würde: Nach der Verpflichtung des Stürmers Loic Rémy von Olympique Marseille vor wenigen Wochen, für die der aktuelle Tabellenletzte der Premier League rund zehn Millionen Euro ausgab, kam jetzt Verteidiger Christopher Samba von Anzhi Makhachkala.

Kostenpunkt: 15 Millionen Euro. Das mag überraschen, wenn man Samba noch aus seiner Zeit bei Hertha BSC erinnert. Doch der für den Kongo spielende Franzose hat sich zu einem internationalen Klasseverteidiger gemausert, was Redknapp so umschrieb: "Chris is just what we need. He's a monster. Great in the air, quick, a leader, strong, fantastic in both boxes, hard as nails. He's a proper centre-half."

Das Monster soll, wie man hört, in London etwa 112.000 Euro verdienen. In der Woche.  Solche Deals zeigen, wie weit entfernt die Premier League zumindest in ökonomischer  Hinsicht immer noch von der Bundesliga ist. Schwer vorstellbar, dass Fürth einen Spieler von Anzhi Makhachkala kauft. Andererseits hat Hoffenheim ja gerade ein paar Euro investiert, um die Klasse doch noch zu halten. Aber dazu gleich mehr, denn Harry Redknapp ist noch nicht fertig. Er will, wie er beim Verlassen des Trainingsgeländes durchs offene Autofenster in die Mikrofone verriet, auch noch versuchen, Peter Crouch zu verpflichten.

Es wäre nicht das erste Mal. Seit Redknapp 2001/02 Sportdirektor in Portsmouth war, wo Crouch damals spielte, trainierte er vier Premier League-Clubs als Manager. Zu allen holte er Crouch nach, sowohl in Southampton als auch bei seinem zweiten Engagement in Portsmouth sowie bei Tottenham Hotspur. Obwohl Harrys Beuteschema also bekannter ist als das von Obelix, gelingt es ihm immer wieder, die gewünschten Deals auch an Land zu ziehen. Neben Crouch hatte Redknapp es auch noch auf seine Ex-Spieler David Bentley und Jermaine Jenas abgesehen, zudem zeigte er sich sehr an West Bromwich Albions nigerianischem Stürmer Peter Odemwingie interessiert.

Aber nicht alle Premier League-Clubs bekommen ihre Wünsche erfüllt. Everton etwa, einer der wenigen Erstligisten in England, die nicht im Besitz von Investoren sind, wollte sich im Kampf um einen Champions League-Platz gerne mit Sevillas Stürmer Alvaro Negredo verstärken. Den geforderten Preis von 20 Millionen konnten die Toffees jedoch nicht aufbringen.

Und während Urby Emanuelson von Milan an Fulham ausgeliehen wurde, wo er mit seinem früheren Ajax-Trainer Martin Jol zusammenarbeiten kann, ging Mario Balotelli zurück nach Mailand - nur diesmal zu den Rossoneri, nicht zu Inter, wo er einst unter Roberto Mancini den Sprung in den Profibereich geschafft hatte. Es gibt wohl kaum eine Lokarivalität, in der so viele Spieler für beide Clubs gespielt haben wie die in Mailand, und Balotelli, der einst, noch bei Inter unter Vertrag, in einer Fernsehshow ein Milan-Trikot getragen hatte, kostet die Rossoneri nun rund 22 Millionen Euro.

Schon am Transferschlusstag kam Balotelli in einem Testspiel zum Einsatz und verzeichnete ein Tor und einen Assist beim 10:0 gegen den Fünftlligisten Darfo Boario. Ein besserer Einstand als Balotellis Abendessen am Vorabend in einem Restaurant in Mailand, vor dem die Polizei Tränengas gegen euphorisierte Milanisti einsetzte, die den bevorstehenden Transfer mit Pyrotechnik auf den Straßen feierten.

Dezenter gefeiert wurde in Paris, wo PSG die Verpflichtung des 37-jährigen David Beckham auf einer Pressekonferenz am Nachmittag bekannt gab. Beckham, seit Ablauf seines Vertrags bei Los Angeles Galaxy im Herbst vereinslos, ist damit der älteste Feldspieler der Ligue 1. Als solcher käme er traditionell nicht in Frage als Transfer von Arsène Wenger. Der füllt seinen Arsenal-Kader schon seit Jahren lieber mit Teenagern auf als mit gestandenen Routiniers.

Am Transferschlusstag 2013 aber wären viele Fans der Gunners wohl schon froh, wenn ihr Manager überhaupt jemanden verpflichten würde, während die Konkurrenten Tottenham Hotspur (Lewis Holtby kam, Heurelho Gomes ging auf Leihbasis nach Hoffenheim) und Chelsea (Demba Ba) nachgerüstet haben. Einige Arsenal-Fans mutmaßten auf Twitter, Wenger liege wahrscheinlich noch im Bett und habe sich am Transferschlusstag nicht einmal den Wecker gestellt. Das könnte Harry Redknapp nicht passieren.