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Von: Marcus Krämer
Datum: 02. Oktober 2012, 07:28 Uhr
Format: Artikel
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Die Probleme von Manchester United und Alex Ferguson: Viele Lücken im Kader

Manchester United, Robin van Persie
30-Millionen-Neuzugang Robin van Persie krümmt sich auf dem Boden

Wenn Deine Mudda dich zum Einkaufen schickt, gibt es trotz der richtig gekauften Eier Ärger, wenn Du die Hälfte vergisst. So oder so ähnlich ergeht es den Fans von Manchester United, die sich über Robin van Persie freuen, aber noch viele Lücken im Kader sehen.

Manchester Uniteds Saisonstart kann als gelungen bezeichnet werden. Trotzdem sind die Red Devils sowohl in der Champions als auch in der Premier League nicht der absolute Topfavorit. Ist Sir Alex Ferguson noch der richtige Mann? sportal.de analysiert die Lage bei United.

In der Premier League verloren die Red Devils am vergangenen Spieltag das Heimspiel gegen Tottenham mit 2:3, mit zwei Niederlagen und zwölf Punkten steht der Rekordmeister aber auf Rang drei, der Rückstand auf Spitzenreiter FC Chelsea (16) ist überschaubar. Der 1:0-Sieg zum Champions League-Auftakt gegen Galatasaray war glanzlos, ein Ausscheiden in der Vorrunde wie im vergangenen Jahr ist unwahrscheinlich, zumal Ferguson stets die erste Elf angekündigt hat.

Die nackten Zahlen stimmen, aber die Spielweise stimmt nicht optimistisch. Uniteds System wirkt langsam und schwerfällig, auch wenn die Offensive mit dem von einer Verletzung gerade wieder genesenen Wayne Rooney und den Neuzugängen Robin van Persie und Shinji Kagawa auf den ersten Blick überragend klingt. Es hapert in allen Mannschaftsteilen - dieser Kritik muss sich Ferguson stellen.

Man United: Fragwürdige Transferpolitik

Der ewige Alex ist einer der erfolgreichsten Trainer auf dem Planeten: Seit 1986 steht er United vor, in dieser Zeit gewann Manchester zwölf Titel in der Premier League, die Champions League holte Ferguson 1999 und 2008 - seine Qualitäten als Trainer und Teammanger sind unbestritten.

Ein wirkliches Lob verdient sich Ferguson auch dadurch, dass er nicht jede Preistreiberei auf dem Transfermarkt blind mitmacht. Van Persie hat zwar auch 30 Millionen Euro Ablöse gekostet, gemessen am Martkwert und am Standing in der Premier League aber ein akzeptabler Wert.

Ferguson sorgt in seinem Kader außerdem für ein ausgewogenes Verhältnis an erfahrenen Spielern und jungen, aufstrebenden Talenten. Das Team wird von Routiniers wie Ryan Giggs, Paul Scholes oder Rio Ferdinand geführt; Marnick Vermijl, Scott Wotton, Michael Keane, Ryan Tunnicliffe, Robert Brady und der für 5 Millionen Euro verpflichtete Nachwuchsstürmer Angelo Henriquez sollen an Uniteds Kader herangeführt werden. Trotz all dieser positiven Aspekte gibt es zu viele Lücken:

Torhüter: De Gea und Lindegaard teilen sich die Nummer 1

Eigentlich war das Wechselspiel zwischen den beiden Torhütern Anders Lindegaard und David de Gea schon für die vergangene Saison geplant. Doch der Däne verletzte sich und so wurde de Gea zum Stammspieler - ohne restlos überzeugen zu können. "Keiner der beiden ist ähnlich erfahren wie Edwin van der Sar oder Peter Schmeichel", sagte Ferguson zu seiner Entscheidung gegenüber Sky Sports, deshalb möchte er seine beiden Keeper mit wechselnden Einsätzen weiter an die Premier League heranführen.

Für die Ansprüche von United ist das aber ein fragwürdiges Unterfangen. Lindegaard ist ein solider Torwart, mehr aber auch nicht, und de Gea bekommt seine Probleme in der Strafraumbeherrschung nicht in den Griff. Lange Zeit stand bekanntlich René Adler auf der Beobachtungsliste von Ferguson, der zeigt nun aber Woche für Woche beim Hamburger SV seine Klasse.

Abwehrprobleme: Rio Ferdinand ist zu langsam

BBC-Experte Alan Shearer zweifelte schon vor Saisonbeginn an den Titelambitionen der Red Devils. "Als die Saison losging, dachte ich schon, sie wären nicht stark genug", sagte Shearer in der Sun. "Mit dem Verlust von Nemanja Vidic bin ich noch überzeugter, dass der Titel nicht zu gewinnen ist." Vidic fällt mit einer Knieverletzung mindestens acht Wochen aus, die Folgen sind bereits jetzt zu erkennen.

Gerade das Spiel gegen Tottenham hat gezeigt, welche Defizite die beiden verbliebenen Innenverteidiger Rio Ferdinand und Jonathan Evans mitbringen. Vor allem Ferdinand, der in der Vergangenheit selbst häufiger mit Verletzungen zu kämpfen hatte, bringt nicht mehr die Geschwindigkeit mit, um auf absolutem Topniveau zu spielen. Neun Gegentore in sechs Premier League-Spielen sind ein deutliches Warnsignal. Abwehrchef Vidic wird in der heißen Phase der Saison zurückkehren, bis dahin muss Ferguson mangels Alternativen - Chris Smalling (Mittelfußbruch) und Phil Jones (Meniskusverletzung) fehlen ebenfalls verletzt - improvisieren.

Scholes ist gut, aber nicht mehr gut genug

Die größte Lücke im Kader hat United allerdings im defensiven Mittelfeld, wo der 38-jährige Paul Scholes und Michael Carrick das Tempo bestimmen sollen. Scholes wurde nach seinem Rücktritt 2011 in der vergangenen Saison sogar reaktiviert, weil Ferguson nicht auf die Routine und die Torgefahr des United-Urgesteins verzichten wollte, Carrick wiederum ist fußballerisch zu limitiert für die offensiven Anforderungen an moderne Sechser.

Hier hätte Ferguson in der letzten Transferperiode reagieren müssen, denn Uniteds System krankt an der langsamen Spieleröffnung und der fehlenden Dynamik. Für die meisten Teams in der Premier League reicht die Routine eines Scholes, Titel werden die erfolgsverwöhnten Red Devils so aber nicht gewinnen.

Welches System will Ferguson eigentlich spielen lassen?

Denn die Defizite im defensiven Mittelfeld sorgen auch weiter vorne für ein Ungleichgewicht. Ferguson ist Anhänger eines 4-4-2, wobei einer der beiden Stürmer etwas zurückhängen sollte. Diese Rolle gehört seit Jahren Wayne Rooney, doch nun ist Robin van Persie da und beansprucht ebenfalls diese Rolle. Doch wo soll dann Shinji Kagawa spielen, der im klassischen Ferguson-System auf den Außen spielen müsste, wo er - die BVB-Fans werden sich erinnern - einfach nicht so gut ist.

Nach dem Weggang von Dimitar Berbatov fehlt im United-Kader ein klassischer Strafraumstürmer, auch wenn die Torquoten von Rooney und van Persie der letzten Jahre einen anderen Schluss vermuten lassen. Das perfekte System mit dem vorhandenen Offensivpotential wäre ein 4-4-2 mit Raute, aber Carrick oder Scholes können das defensive Mittelfeld nicht allein besetzen und eine Außenbahn mit beispielsweise Nani wäre in dem Fall viel zu offensiv. Eine gelungene Transferpolitik sieht wirklich anders aus.

Fazit: Man United steht vor einer schwierigen Saison

Es ist Jammern auf hohem Niveau, denn natürlich hat Man United immer noch einen exzellent besetzten Kader. Trotzdem hat Trainer Ferguson zuletzt zu viele falsche Personalentscheidungen getroffen, die Titel werden in diesem Jahr von anderen Teams gewonnen werden. Mit ein paar Nachkäufen wären die Red Devils aber auf einem Schlag wieder aber wieder ganz oben zu finden.