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Von: Oliver Stein
Datum: 16. Oktober 2012, 05:20 Uhr
Format: Artikel
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Die NBA vor dem Saisonauftakt - Vorbereitungsspiele der Lakers, Thunder und Top-Rookies

Basketball,NBA,Cavs
Tristan Thompson, Kyrie Irving und Alonzo Gee - die Rookies der Cavs

Zwei Wochen ist der Start zur NBA Saison noch entfernt. Deshalb nutzt der Basket Case die Ruhe vor dem Sturm, um einen Blick auf die Pre-Season zu werfen, die interessantesten Fernsehteams zu küren und einen alten Bekannten zurück in der Liga zu begrüßen.

Zunächst mal wollen wir aber doch einen Blick auf die Pre-Season werfen. Vorbereitungsspiele in Europa oder Fernost - was soll das, fragen sich viele Fans. Denn die Stars spielen meist eh nur wenige Minuten, neue Angriffsschemata der Coaches werden oft nur im Training einstudiert um die Gegner zu Saisonbeginn zu überraschen, und wie aussagekräftig sind Spiele, in denen oft Spieler zum Einsatz kommen, die zu Saisonbeginn schon wieder in der D-League oder gar nach Europa verschwunden sind? So ist es zumindest in den Partien, die in den Staaten ausgetragen werden.

Verletzungsgefahr hoch zwei: Die Pre-Season

Anders sollte es eigentlich bei den Partien sein, die die NBA im Zuge ihrer NBA Europe beziehungsweise ihrer NBA World Kampagnen austragen lässt. Denn damit soll schließlich die Liga in Europa noch interessanter gemacht werden - damit Spiele der Regular Season, wie das am 17. Januar 2013 in London zwischen den Detroit Pistons und den New York Knicks, häufiger in Europa, China oder Mexiko durchgeführt werden können.

Doch ob uninspirierte Auftritte wie die der Celtics in Istanbul oder der Mavericks in Barcelona dabei wirklich helfen? Zumal die Mavericks nach Nowitzkis Verletzung sicher jetzt schon fluchen, ihren Star überhaupt präsentiert haben zu müssen. Natürlich kam dabei alles zusammen: Erstes Nowitzki-Gastspiel in Deutschland, eine gut gefüllte Arena in Berlin, der Druck, die NBA als einziger aktiver Deutscher in der Liga so gut und vor allem so oft wie möglich repräsentieren zu müssen. Doch die Mavericks kann dies Gastspiel im Falle einer nötig gewordenen Knieoperation bei Nowitzki sehr teuer zu stehen kommen.

Und genau aus solchen Gründen schonen die Teams ihre Stars in der Pre-Season lieber. Wer will schon mitansehen, wie ein übermotivierter Ersatzspieler dem eigenen Star den Standfuß wegzieht oder ihm beim Korbleger eine Verletzung zufügt? Oder der gegnerische Center, der in der zweiten Mannschaft ein guter Verteidiger ist, den einen Block fürs Fotoalbum zeigen will, dabei aber dem Star den Finger bricht?

Lakers und Thunder ohne Sieg? Willkommen in der Pre-Season

Und so sehen die Ergebnisse dann auch zumeist aus - wenig aussagekräftig und komplett unberechenbar. Titelfavorit Los Angeles Lakers? Drei Spiele, drei Niederlagen – und im Schnitt 19 Punkte weniger als der Gegner. Titelverteidiger Miami? Drei Spiele, davon zwei deftige Niederlagen gegen die Atlanta Hawks und die Los Angeles Clippers. Oder die Oklahoma City Thunder, Finalteilnehmer des letzten Jahres? Zwei Spiele, zwei glatte Niederlagen.

Ähnlich skurril liest sich die Liste der bisher besten Teams. New Orleans Hornets? Golden State Warriors? Milwaukee Bucks? Sogar die Toronto Raptors haben zwei ihrer drei bisherigen Partien gewonnen - doch auf den zu erwartenden Verlauf der eigentlichen Saison geben diese Ergebnisse nun mal absolut keine Aufschlüsse. Interessant sind diese Spiele - genau wie übrigens die Summer League, bei der Ersatzspieler und Rookies auf sich aufmerksam machen dürfen - allenfalls, um sich neue Gesichter anzuschauen, körperliche Befindlichkeiten der Spieler zu begutachten und sich in allerlei Theorien über die Saison zu verstricken.

Top-Rookie Davis von Bestform weit entfernt

So sah zum Beispiel der Top-Ropokie des Jahres, Anthony Davis von den Hornets, bisher nicht ansatzweise nach dem Spieler aus, den die Hornets vermeintlich gedraftet hatten. Defensiv noch viel zu schüchtern, ist die Wurfauswahl des Centers gelinde gesagt eine Katastrophe. Viele Experten hatten gemunkelt, dass ihn sein Ausflug mit dem Dream Team zu den Olympischen Spielen zu viel Trainingszeit kosten würde - und genau danach sieht es aus. Die Hornets hätten sicher auch lieber gesehen, dass ihr im Vergleich zu anderen Centern doch eher dürrer Star am Muskelaufbau sowie einigen Post-Moves arbeitet. Stattdessen dürfte der Einstieg in die Saison für Davis ein sehr steiniger werden.

Andere Rookies wie zum Beispiel Michael Kidd-Gilchrist von den Charlotte Bobcats, Jonas Valanciunas von den Toronto Raptors (2011 gedraftet, spielte die Saison in Littauen), Bradley Beal (Washington Wizards), Dion Waiters (Cleveland) oder auch Damian Lillard von den Portland Trail Blazers hingegen lassen mit ihren Leistungen vermuten, dass die Klasse von 2012 wirklich eine sehr gute gewesen sein könnte. Und auch bei den Sophomores, den Spielern im zweiten Jahr, scheinen sich einige an das Tempo in der Liga gewöhnt zu haben. So ließ Utah's Enes Kanter vermuten, warum man ihn für einen ganz besonders talentierten Big Man hält, und auch Tristan Thompson von den Cleveland Cavaliers scheint genug Muskelmasse aufgebaut zu haben, um ein legitimer Power Forward in der NBA zu werden.

Fernsehteams - Spaß sicher, Erfolg fraglich?

Apropos Cavaliers. In den zwei Jahren seit dem Abschied von LeBron James gab es außer frühen Draftpicks ja nicht viel zu feiern in einer von Amerikas traditionsreichsten Sportstädten. Die Browns machen sich in der NFL fast schon lächerlich, die Indians waren in der MLB schon Monate vor den Playoffs aus dem Rennen. Doch jetzt ist Besserung in Sicht.

Denn die Cavaliers haben ihre Draft Picks der letzten beiden Jahre gut genutzt, und um Spielmacher Kyrie Irving mit Tristan Thompson, Dion Waiters und Tyler Zeller eine junge, spielstarke Mannschaft zusammengestellt. Ob dies am Ende für die Playoffs reicht, bleibt in der gut besetzten Eastern Conference fraglich, doch vor allem eins dürften die Cavaliers ihren Fans wieder bringen - Spaß! Das Spielsystem ist auf schnelle Abschlüsse aufgebaut, und nachdem Irving im letzten Jahr noch viel allein machen musste, werden die Cavs dies Jahr vor allem unter den Körben schwer auszurechnen sein.

Und auch bei anderen Teams ist das Potenzial für spektakuläre Auftritte hoch. Die Golden State Warriors haben sich vom Versuch, in jedem Spiel 130 zu erzielen, verabschiedet, und mit Andrew Bogut etwas für ihre Defensive getan. Die Denver Nuggets haben – persönliche Probleme eines JaVale McGee mal außen vor gelassen - mit McGee, Marco Galinari, Andre Iguodala, Andre Miller und Ty Lawson eine Starting Five, die nur so vor Spielfreude strotzt. Und auch die Spiele der Washington Wizards könnten, wenn das Team schon nicht erfolgreich ist, dank der Kombination Bradley Beal/John Wall ein Fest für Fans des schönen, schnellen Spiel werden.

Kurzum: Nachdem ich im letzten Jahr viele Nächte vor dem Fernseher verbracht habe, um mir Ricky Rubio wegen Spiele der Minnesota Timberwolves anzuschauen, werde ich meine TV-Zeit in diesem Jahr noch mehr zwischen den Top-Teams und einfach unterhaltsamem Basketball aufteilen müssen. Denn begeisternden Basketball bieten eben nicht nur die Titelfavoriten!

Sheeeeeeed ist zurück!

Weg von jung und agil, hin zu alt und erfahren. Das scheint im Gegensatz zu so vielen anderen Teams das Motto der New York Knicks zu sein. Denn die resistente Rentner-Band der Knicks, die ja bereits den 39-jährigen Jason Kidd, Marcus Camby (38 Jahre) sowie Kurt Thomas (39 Jahre) umfasst, hat ein weiteres Mitglied bekommen. Der frühere All Star und Power Forward des Meisterteams der Detroit Pistons 2004, Rasheed Wallace, hat sich mit 38 Jahren bereit erklärt, für das Minimalgehalt für Veteranen eine Saison bei den Knicks auszuhelfen.

Wallace ist in einem Team, in dem mit J.R. Smith und Amar'e Stoudemire bereits zwei eher extrovertierte Spieler stehen, sicher der ungewöhnlichste und zugleich anstrengendste Charakter. Zum einen ist Wallace der NBA-Spieler mit den meisten technischen Fouls und Spielausschlüssen. Selbst Teamkollegen mussten schon unter Wallace's Wutanfällen leiden, der in seiner Zeit bei den Portland Trail Blazers dank diverser Zusammenstöße mit dem Gesetz dafür sorgte, dass seine Mannschaft nur Jail Blazers, also Gefängnisausbrecher, genannt wurde. Und auch dem kompletten Coaching Staff wurde zu seiner Zeit in Detroit Schläge angedroht, wenn Wallace diverse Verbesserungsvorschläge unnütz erschienen..

Zum anderen ist Wallace, der auf Pressekonferenzen auch schon mal Philosophen zitierte, bevor er zu Schimpftiraden auf die Presse ansetzte, in seiner Hochzeit aber auch ein begnadeter Basketballer gewesen - neben Tim Duncan wohl der beste Power Forward um die Jahrhundertwende. Da gab es Buzzer-Beater von der Mittellinie, jahrelange sensationelle Trefferquoten aus dem Feld oder eben diverse Privatfehden, die die Gegenspieler reihenweise zur Weißglut brachten. Und genau das versprechen sich die Knicks von diesem Transfer - 10-15 Minuten des ''alten'' Wallace, von seinen Fans auch schlicht Sheed genannt.

Was bringen die Glue Guys?

Doch macht so eine Verpflichtung Sinn? Zunächst mal: Ich habe viel Verständnis für die Verpflichtung von sogenannten Glue-Guys, den Klebe-Typen. Diese werden so genannt, weil sie, egal ob alt oder jung, für das Klima im Team wichtig sind. Steve Nash von den Los Angeles Lakers zum Beispiel hat so einen Ruf - und wird beim Vermitteln zwischen Kobe Bryant und Dwight Howard sicher alle Hände voll zu tun haben. Auch Chauncey Billups von den Clippers bekleidet diese Rolle - und tat dies übrigens auch beim Pistons-Team von 2004 - Jared Dudley von den Phoenix Sund ist ein solcher Spieler, und auch Brian Scalabrine (zuletzt Chicago Bulls) erfüllte diese Rolle bei zahlreichen Spitzenteams.

Und jedes Team braucht mindestens einen solchen Spieler, schließlich verbringen die Spieler während der Saison auf Reisen, Flügen und in der Halle mehr Zeit miteinander als mit ihren Familien. Und dass es da gelegentlich mal kracht, ist natürlich nicht auszuschließen. Aber ob ein Rasheed Wallace für diese Aufgabe der richtige ist?

Sagen wir mal so: Sollte es bei den Knicks tatsächlich gut laufen, könnte sich dieser Schachzug sogar auszahlen - sollte Wallace sich tatsächlich mit wenigen Minuten pro Spiel zufrieden geben. Aber sollte es – und das darf man bei den Knicks eigentlich fast als Gegebenheit hinnehmen - während der Saison Unruhe geben, wird Wallace das Feuer eher schüren, als es zu löschen. Denn ob J.R. Smith, Stoudemire, Carmelo Anthony oder Raymond Felton - der Knicks-Kader hat einige Primadonnen im Angebot, deren Teamfähigkeit sich noch herausstellen muss.

Alles in allem ist es aber wie jedes Jahr. Weltweit freuen sich Fans auf den Saisonstart wie auf das Weihnachtsfest, und wie in jedem Sport hat jeder Fan seine eigene Meinung, zu welchen Leistungen das eigene Lieblingsteam oder eben der verhassteste Gegner in der Lage sind. Genaueres werden wir in unserem Basket Case Season Preview beleuchten - bis dahin darf aber natürlich bereits munter diskutiert und gemutmaßt werden!