Werder Bremen und der VfB Stuttgart haben diese Saison die Sparstrümpfe enger geschnallt, da die Gehälter in den vergangenen Jahren explodiert waren. Jugend forscht heißt es an Weser und Neckar. Welche Erkenntnisse die Hinrunde gebracht hat, zeigt sportal.de.
Die Hinrunde bei Werder Bremen lief gefühlt besser als die vor einem Jahr, doch tatsächlich war Werder vergangene Saison nach der Hinrunde Fünfter mit 29 Punkten, der Absturz erfolgte erst in der Rückrunde, als die Grün-Weißen nur noch 13 Punkte holten und die internationalen Plätze aus den Augen verloren.
Was folgte war der Komplettumbruch, teure ältere Spieler wurden abgegeben, junge, auch nicht ganz billige, geholt. Alles noch unter der Ägide des Duos Thomas Schaaf und Klaus Allofs, das mittlerweile aber auch Geschichte ist, da Allofs dem Lockruf des Geldes aus Wolfsburg nicht widerstehen konnte.
Somit sind beinahe alle alten Zöpfe abgeschnitten außer eben Schaaf, der dafür eine Komplettwandlung durchmachte und so zum Beispiel anstatt sich und sein Team vor den Journalisten im Wintertrainingslager komplett abzuschotten, stattdessen als Reiseführer fungierte und die versammelte Journaille durch das Spielerhotel führte. Es soll in Bremen immer noch Kollegen geben, die sich aufgrund dieser neuen zuvor ungekannten Offenheit ungläubig gegenseitig in die Wange kneifen.
In Bremen wird wieder Wiener Walzer getanzt
Gerne erinnert man sich an der Weser noch an die Zeiten zurück, als Andreas Herzog im Mittelfeld Regie führte und Bremen dabei half, in den 90ern einige Pokale für die Vitrine zu gewinnen. Seitdem kamen und gingen immer wieder Österreicher, ohne dass einer eine ähnliche Duftmarke setzen konnte wie einst "Herzl".
Bis zu dieser Saison. Mit Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic und Marko Arnautovic gehören drei Österreicher zum Stamm der Bremer Mannschaft und vor allem Arnautovic scheint sein großes Talent endlich auf dem Platz zeigen zu können.
Was auch beweist, dass Thomas Schaaf sein Händchen, schwierige Charaktere bei Werder in den Griff zu bekommen, noch nicht ganz verloren hat. Sein nächster Patient wird Eljero Elia sein, der in der Hinrunde noch nicht an die Leistungen anknüpfen konnte, die man von ihm beim Hamburger SV bereits gesehen hatte, aber immerhin wurde er wieder in die niederländische Nationalmannschaft berufen.
Im Fall Arnautovic wird es interessant zu verfolgen sein, wie ihm das große Interesse anderer Clubs bekommt - Wolfsburg, Milan, Fenerbahce, da können einem schon einmal die Euro-Noten den Blick auf die Realität verklären. Die da wäre, dass er in seiner Entwicklung zu einem Klassespieler immer noch am Anfang steht und er derzeit in Bremen am besten aufgehoben sein dürfte.
Werder-Talente wurden verbrannt
Als vergangene Saison klar wurde, dass ein kompletter Umbruch an der Weser stattfinden sollte, setzte man bei Werder auf den eigenen Nachwuchs und opferte diesen beinahe komplett dem Dämon Bundesliga.
Viel zu früh wurden talentierte Spieler wie Florian Hartherz, Tom Trybull und Florian Trinks ins kalte Wasser der Bundesliga geworfen und sind mittlerweile meilenweit von der Stammelf entfernt. Einzige Ausnahme Nicolas "Lücke" Füllkrug, der regelmäßig bei den Profis eingesetzt wurde, von dem sich aber viele einen noch größeren Sprung diese Saison erwartet hatten.
Hoher Bremer Aufwand nur selten belohnt
Oft wurde die junge Werder-Elf in der Hinrunde für ihre starken Auftritt gelobt, doch zu selten sprang dabei Zählbares heraus. Ohne die "schmutzigen" Siege gegen Freiburg, Düsseldorf und Mainz, bei denen Bremen nicht glänzen konnte, aber trotzdem einen Dreier einfuhr, würde es an der Weser düster aussehen.
Es fehlt die Konstanz, trotz der sechsbesten Offensive der Liga überwinterte Werder nur auf dem zwölften Platz, da eben die Defensive wieder einmal nicht immer sattelfest war und die drittmeisten Gegentore der Bundesliga kassierte.
Trotzdem aber ist die Zukunftsaussicht an der Weser rosarot, wenn es gelingt, Konstanz in das Spiel zu bringen, darf man von der jungen Mannschaft noch einiges in der Rückrunde erwarten. Allerdings muss Thomas Schaaf die Abwehrprobleme in den Griff kriegen. Auch war Laufwunder Junuzovic als häufig einziger Sechser natürlich überfordert und konnte nicht alle Lücken schließen. Diese Makel gilt es in der Runde zu beseitigen.
VfB Stuttgart mit ordentlicher Hinrunde
Etwas besser lief es in der Hinrunde für die in dieser Saison tatsächlich sprichwörtlich sparsamen Schwaben vom VfB Stuttgart. Mit abgespecktem Kader gelang dem VfB nach einem katastrophalen Fehlstart in die neue Saison mit fünf Spielen ohne Sieg am Ende noch eine ganz ordentliche Hinrunde an deren Ende mit 25 Punkten der neunte Platz stand.
Und da es mit diesem Team recht gut lief, wurden in der Winterpause mit einigen Leistungsträgern die Verträge verlängert. Aus dem Profikader verlängerten Christian Gentner, Tamas Hajnal, Georg Niedermeier, Gotoku Sakai und Benedikt Röcker ihre Verträge. Hinzu kamen noch die Assistenztrainer Andreas Menger und Dr. Christos Papadopoulos. Einzig Cheftrainer Bruno Labbadia sträubt sich noch, seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag zu setzen.
Labbadia möchte Sicherheit, dass nicht noch weitere Einsparungen vorgenommen werden müssen und der Kader weiter ausgedünnt wird. Die Vertragsverlängerungen im Winter-Trainingslager dürfen somit auch als Signal an den Trainer angesehen werden.
Dem VfB fehlen Torschützen
Sagenhafte 15 der 21 in der Hinrunde erzielten VfB-Tore gingen auf das Konto von Vedad Ibisevic (10 Treffer) und Martin Harnik (5). So ist es kaum verwunderlich, dass in Stuttgart in dieser Transferperiode noch ein weiterer Angreifer verpflichtet werden soll, zumal Cacau mit einem Kreuzband- und Innenbandriss noch lange ausfällt. Und in diesem Fall denkt man in Stuttgart auch nicht an eine kleine Lösung, zu wichtig ist diese Personalie.
So soll Sportdirektor Fredi Bobic am Wochenende in Mexiko gewesen sein, um sich dort Torjäger Duvier Riascos anzuschauen. Der Kolumbianer spielt für Meister Club Tijuana. 2010 wurde er Chinas Fußballer des Jahres, nachdem er für Shanghai Shenhua Liansheng 20 Tore in 28 Spielen erzielt hatte.
Ein weiterer Kandidat ist Ishak Belfodil. Der 20 Jahre alte Franzose mit algerischen Wurzeln ist als Linksaußen und Mittelstürmer einsetzbar. Für den FC Parma hat er in dieser Saison bei 17 Einsätzen in der italienischen Serie A sechs Tore (vier Vorlagen) erzielt.
Sparsamer Kurs wird nicht verlassen
Das laufende Geschäftsjahr wird der VfB mit einem hohen Verlust abschließen, erklärte Aufsichtsratchef Dieter Hundt den Stuttgarter Nachrichten im Dezember. Dabei sprach er von einer Größenordnung von zehn Millionen Euro Verlust. Damit sind in naher Zukunft auch keine großen Sprünge möglich, auch wenn sich die Situation in diesem Jahr wieder entspannen soll. Mittelfristig soll auch wieder die Teilnahme an der Champions League möglich werden.
Ungelegen kommen bei solch einem Vorhaben sicherlich Aktionen wie die des mexikanischen Innenverteidigers Maza, der im Winter den Club verließ, da er in seiner Heimat größere Chancen sah, Spielpraxis zu bekommen und so die mexikanische Nationalmannschaft als Kapitän zur WM 2014 in Brasilien zu führen.
Werder Bremen und der VfB Stuttgart sind zwei Clubs, die mit radikalen Einsparungen, den Kurs auf die Zukunft genommen haben. Mittelfristig werden sich beide mit diesem Konzept wieder im internationalen Geschäft etablieren.
