Miami Heat, Boston Celtics, New York Knicks - die üblichen Verdächtigen sind bekannt. Doch wer wird es in der Eastern Conference noch in die Playoffs schaffen? Den ersten Teil der großen Saison-Vorschau der NBA gibt es hier im sportal.de Basket Case.
Das beste Team in der Regular Season der NBA kam mit den Chicago Bulls im letzten Jahr aus der Eastern Conference. Das schwächste auch - die Charlotte Bobcats. Wer in diesem Jahr am stärksten sein wird und sich die Top-Seeds erspielt? Dazu kommen wir jetzt ohne große Umschweife - den Westen der Liga gibt es dann morgen im zweiten Teil der Vorschau.
Newcomer Brooklyn Nets versus Oldschool Boston Celtics
In den letzten Jahren war das Bild in der Atlantic Division ein sehr übersichtliches. Die Boston Celtics dominierten den Nordosten, dem Rest der Teams blieb nur der Kampf um die Plätze. Doch das könnte sich diese Saison ändern, denn die Division hat sich zu einer der ausgeglichensten in der Liga entwickelt.
Die Brooklyn Nets haben nach ihrem Umzug aus New Jersey aufgerüstet und scheinen gewillt, mit der Guard-Kombination Deron Williams und Joe Johnson den Angriff auf die Spitzenplätze der NBA zu wagen. Mit Mirza Teletovic wurde ein vielversprechender Big Man verpflichtet und mit MarShon Brooks und Josh Childress hat man auf der Bank zumindest offensiv einige Optionen. Einzig die Defensive bereitet Sorgen, denn weder Kris Humphries noch Brook Lopez sind unter dem Korb wirklich gute Verteidiger.
Selbiges galt im letzten Jahr allerdings auch für den großen Nachbarn, die New York Knicks. Dort musste mit Jeremy Lin zwar der Shootingstar der letzten Saison gehen, doch mit Jason Kidd wurde routinierter Ersatz verpflichtet. Doch das Problem der Knicks ist nach wie vor am ehesten die Defensive, da man mit Amare Stoudemire und Carmelo Anthony zwei Superstars unter Vertrag hat, die selten in der Lage sind, vernünftig zu verteidigen. So werden die Fans der Knicks hoffen müssen, dass Tyson Chandler eine ähnlich gute Saison spielen kann wie in den letzten beiden Jahren. Denn selbst wenn ein Playoff-Platz sicher scheint, dürfte der Fokus auch darauf liegen, sich in der Regular Season vor die Nets zu schieben - den neuen Lokalrivalen vorbei ziehen lassen zu müssen, wäre sicher für den gesamten Club äußerst schmerzvoll.
Auch die Philadelphia 76ers haben im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt, als man zunächst die Chicago Bulls aus den Playoffs warf und sich anschließend bis zum entscheidenden Spiel 7 hervorragend gegen die Boston Celtics wehren konnte. Und eigentlich hat man mit der Verpflichtung von Andrew Bynum, der momentan allerdings wie so oft in seiner Karriere verletzt ist, in der Sommerpause vieles richtig gemacht - außer Andre Iguodala abzugeben. Der All-Star und Teilnehmer der Olympischen Spiele war das Herz der Defensive bei den 76ers, und so viel körperliche Präsenz Bynum auch haben mag, so stark wie Iguodala ist er eben nicht. Offensiv hingegen sollte das Paar Bynum/Hawes unter den Körben für viele positive Momente sorgen, wenn sie denn beide fit werden und es auch bleiben - was allerdings auch Pflicht sein dürfte, denn die Guard-Positionen sind sehr dünn besetzt.
Unterschätzen sollte man auch die Toronto Raptors nicht, die nach vielen Jahren im Keller der Liga zumindest in der Pre-Season, in der sie nur ein Spiel verloren, einige sehr vielversprechende Ansätze zeigen konnten. Vor allem Sophomore Jonas Valanciunas sowie Rookie Terrence Ross scheinen sich schnell an die Liga zu gewöhnen, und mit Kyle Lowry hat die Spielmacherposition neues Leben eingeimpft bekommen, nachdem die Leistungen von Jose Calderon in den letzten Jahren deutlich zurück gegangen waren.
Doch der große Favorit sind und bleiben die Boston Celtics. Während in vielen Medien nachdrücklich betont wurde, wie schwer zu verkraften der Abschied von Ray Allen nach Miami wohl sein dürfte, haben die Celtics still und leise ein richtig gutes Team auf die Beine gestellt. Zu den bereits anwesenden All-Stars Rajon Rondo, Kevin Garnett und Paul Pierce gesellen sich mit Jared Sullinger und Fab Melo zwei Big Men für die Forward- und die Center-Position, mit den nach Verletzungen zurück gekehrten Avery Bradley und Jeff Green zwei grundsolide Verteidiger sowie mit Jason Terry ein Allen-Ersatz, der bereits einen Titel gewonnen hat und ligaweit zu den besten Spieler in der Crunchtime gezählt wird. Außerdem schwingt mit Doc Rivers einer der besten Coaches der Liga das Zepter und der weiß eine absolut geschlossenen Einheit hinter sich, die mittlerweile sogar Point Guard Rondo vom Teamgedanken überzeugt zu haben scheint.
Sollte sich bei den Boston Celtics also niemand verletzen, sehe ich sie klar als stärkstes Team der Division. Und Pausen werden sich die Männer in grün auch kaum nehmen, schließlich bedeutet ein Divisionssieg, dass man Meister Miami in den Playoffs so lange wie möglich aus dem Weg gehen kann. Auf Rang zwei sehe ich die Brooklyn Nets, die ihren Fans zum Einstand in der neuen Arena eine Playoffteilnahme schenken werden. Dahinter reihen sich die New York Knicks ein, für die es ebenfalls für eine Playoffteilnahme reichen wird, und Philadelphia wird mit Toronto um den vierten Platz kämpfen - mit dem besseren Ende für die aufstrebenden Raptors, die die Playoffs trotzdem verpassen werden.
Wann kommt Derrick Rose bei den Chicago Bulls wieder?
Das ist die große Frage in der Central Division der NBA. Denn ohne ihren genialen Spielmacher, der wohl noch bis Februar einen Kreuzbandriss auskurieren muss, sind die Chicago Bulls nun mal nicht der uneingeschränkte Favorit, auch wenn die Central Division wohl die schwächste im Osten ist. Die Defensive um Taj Gibson sowie Joakim Noah wird zwar dank Trainer Tom Thibodeau weiterhin eine der besten der Liga sein, doch auch dort tun sich nach den Abgängen von Omer Asik und CJ Watson Lücken auf, und auch die sonst so potente Offensive hat unter den Abgängen der Shooter Kyle Korver und Corey Brewer gelitten.
Doch wer kann daraus Profit schlagen? Am ehesten wohl die Indiana Pacers. Wie auch die 76ers hatten die Pacers in der letzten Saison zu einem tollen Run in den Playoffs angesetzt, der nach zwischenzeitlicher Führung erst nach sechs umkämpften Spielen gegen die Miami Heat endete. Während des Sommers konnten mit Center Roy Hibbert sowie Guard George Hill die wichtigsten Free Agents gehalten werden und mit Gerald Green sowie DJ Augustin zwei offensive Verstärkungen dazu geholt werden. Als eingespielte Mannschaft traten die Pacers letzte Saison auf, und genau so wird es auch in diesem Jahr aussehen. Ob Hill als Point Guard das Spiel gut genug lenken kann, wird sich erst noch zeigen müssen - doch wenn dem so ist, dürften die Pacers ein gewichtiges Wort um den Divisions-Titel mitreden können.
Andere Ansprüche hat man bei den Detroit Pistons. War man nach der Jahrtausendwende noch verwöhnt von einem Team, das um die Meisterschaft mitspielte, wurden die Stars nach und nach abgeschoben, der Neuaufbau des Teams aber in den Sand gesetzt. Aufgrund viel zu hoher Gehaltskosten konnten im Sommer keine großen Sprünge unternommen werden, doch der eine Trade hatte es in sich - so wurde mit Ben Gordon der wohl beste Spieler abgegeben, um Geld zu sparen. Um Greg Monroe, Brandon Knight und Andre Drummond hat man zwar ein junges und talentiertes Gerüst zusammengestellt, aber so lange Oldies wie Tayshaun Prince, Charlie Villanueva und Corey Maggette weiter Plätze im Team belegen und dafür weit über Tarif bezahlt werden, wird eine Playoffteilnahme in Detroit weiter ein Traum bleiben. Doch dessen ist man sich bewusst und gibt Coach Lawrence Frank die Zeit, das Team aufzubauen - und Greg Monroe zum ersten All-Star der Pistons seit Jahre zu formen.
Bei den Milwaukee Bucks sind die Aussichten kaum anders. Mit Andrew Bogut wurde letzte Saison der beste Big Man gegen einen reinen Shooter (Monta Ellis) getauscht und im Sommer wurde stark darauf geachtet, mit den Abschieden von Shaun Livingston, Jon Brockman und Jon Leuer die Gehaltsliste zu entzerren. Geholt wurde mit Samuel Dalembert ein erfahrener Spieler, der jedoch von der Leistungsfähigkeit weit hinter dem verletzungsanfälligen Bogut zurücksteht. Und trotzdem träumt man heimlich von einer Playoff-Teilnahme - wenn das mit den eher egoistischen Ellis und Brandon Jennings besetzte Guard-Duo nicht vergisst, dass man Mitspieler hat, und nicht wie befürchtet pro Person 25 Würfe pro Spiel nimmt. Zu achten sein wird auf Forward Ersan Ilyasova, dem von allen Seiten unheimlich viel Potenzial bescheinigt wird - das er allerdings nun angesichts eines neuen 45-Millionen-Dollar-Vertrages auch zeigen muss.
Der Underdog in dieser Division sind die Cleveland Cavaliers. Lag Clevelands Basketballwelt nach dem Abschied von LeBron James vor zwei Jahren quasi in Trümmern, haben das Front Office und Besitzer Dan Gilbert mit Hilfe guter Trades und vor allem gutem Draft-Scoutings eine interessante, junge Gruppe zusammengestellt. Kyrie Irving, Tristan Thomson und Dion Waiters heißen die Hoffnungsträger, die unterstützt von Anderson Varejao, Alonzo Gee und CJ Miles für einen Aufschwung sorgen sollen. Und den wird es auch geben - aber wohl erst frühestens in der nächsten Saison. In diesem Jahr wird Cleveland zwar unterhaltsamen Basketball geboten bekommen, mit der Vergabe der Playoff-Plätze aber nichts zu tun haben.
Sollte der Heilungsprozess von Derrick Rose wie geplant und ohne Komplikationen verlaufen, sollten die Bulls in der Lage sein, sich im Endspurt der Regular Season den Titel in der Division zu sichern. Gleich dahinter werden die Indiana Pacers den zweiten Rang belegen und ebenfalls souverän in die Playoffs einziehen. Platz drei sollte für die Bucks reserviert sein, die sich damit auch als achtes Team für die Playoffs qualifizieren werden, während für Cleveland und Detroit nur die beiden hinteren Plätze bleiben - allerdings sicher nicht so abgeschlagen wie in der letzten Saison.
Miami Heat und was dann?
In der Southeast Division spielt der wohl größte Favorit in der Eastern Conference, Meister Miami Heat. Hatte man im letzten Jahr noch verzweifelt versucht, eine Übermacht der Mannschaft von Lebron James und Dwyane Wade mit Gerüchten über die Zweifel an James Leader-Fähigkeiten kleinzureden, ist es nach dem ersten gemeinsamen Titel der Mannschaft unmöglich, daran zu zweifeln: Die Heat wird über Jahre hinweg zu den Favoriten gehören und vor allem im Osten nur ganz schwer zu bezwingen sein.
Mit Ray Allen wurde Mike Miller ein weiterer Shooter zur Seite gestellt, mit Rashard Lewis ein Veteran für die Position des Small Forwards verpflichtet. Und nachdem Coach Erik Spoelstra zugegeben hat, im letzten Jahr teilweise falsche Taktiken genutzt zu haben, scheint auch das Loch auf der Position des Point Guards keine Rolle mehr zu spielen - denn im Zweifelsfall spielt diesen Teil nun eben James, der sich mittlerweile auf vier der fünf Positionen wie zuhause fühlt. Einzig mehrere schwere Verletzungen können einen Durchmarsch in der Southeast Division verhindern, so viel besser als alle anderen sind die Heat besetzt.
Und wirklich spannend wird es dahinter auch nicht. Denn Platz zwei sollten sich die Atlanta Hawks trotz des Abschieds von Joe Johnson souverän sichern können. Denn mit Anthony Morrow und Johan Petro sind die neuen Spieler zwar keine überbezahlten Stars, aber dafür mannschaftsdienliche Ergänzungsspieler. Auch Marvin Williams wurde abgegeben um Gehalt zu sparen, doch mit Devin Harris gab es dafür aus Utah immerhin einen talentierten Spieler zurück - der allerdings hinter Jeff Teague nur die zweite Geige spielen wird und aufgrund seiner Launenhaftigkeit als eine Unbekannte eingestuft werden muss. Doch mit Josh Smith und Al Horford stehen zwei Spieler an der Spitze der Mannschaft, denen man durchaus eine Saison auf All-Star-Niveau zutrauen kann - vor allem, da Smith um einen neuen Vertrag spielt.
Bei den Washington Wizards wurden die Off-Season und das Ende der letzten Runde zum großen Frühjahrsputz genutzt. Mit JaVale McGee und Andray Blatche wurden Störenfriede aussortiert, mit den Veteranen Trevor Ariza, Nene und Emeka Okafor ruhige Pole für das ansonsten junge Team eingekauft. Draftpick Bradley Beal hat als Shooting Guard sicher eine tolle Karriere vor sich, und dass John Wall bereits in seiner dritten Saison als einer der besten Spielmacher der Liga gilt, ist unbestritten. Klingt nach Playoffs? Könnte es tatsächlich, doch da sich John Wall zu Beginn des Trainingslagers eine Stressfraktur zuzog und nun mindestens einen Monat fehlen wird, sind die Spitzenplätze der Conference in diesem Jahr wohl doch noch ein Regal zu hoch gegriffen.
Weniger freundlich stellt sich die Lage bei den Orlando Magic dar. Bereits vor dem Trade von Dwight Howard war klar, dass die Magic aus dem Tausch nur als Verlierer hervor gehen konnten, denn den besten Center der Liga kann man nicht gleichwertig ersetzen. Und so stehen die Magic vor einem kompletten Neuanfang - den sie gleich mal mit der Verpflichtung eines Assistenzcoaches für dessen ersten Cheftrainerposten in der NBA einläuteten. Jacque Vaughn hatte vorher bei den San Antonio Spurs die Offensive geleitet und ist als Chefcoach ein Debütant. Und nicht nur das. Auch der Vertrag von Point Guard Jameer Nelson wurde erstaunlicherweise verlängert, mit Ryan Anderson dagegen der zweitbeste Spieler der vergangenen Saison abgegeben um Geld zu sparen. Und mit Glen Davis, Hedo Turkoglu, Al Harrington und Quentin Richardson hat man zwar einige Veteranen im Team - doch die streiten sich um zwei Plätze und werden dadurch sicher nicht zur guten Stimmung in Orlando beitragen.
Bleiben noch die Charlotte Bobcats, das schwächste Team der letzten NBA-Saison. Mit Michael Kidd-Gilchrist hat man im Draft zwar einen sehr guten Griff getan, doch vor allem auf den großen Positionen ist man mit dem spielerisch noch sehr unbedarften Bismack Biyombo,Tyrus Thomas, Brendan Haywood und DeSagana Diop nicht annähernd ausreichend besetzt. Dazu kommen mit Ramon Sessions und Kemba Walker zwei sehr launische Spielmacher sowie mit Mike Dunlap ein Coach, der abgesehen von einer halben Saison am College keine nennenswerte Erfahrung in dem Beruf hat. Das klingt nicht nur nach Desaster, sondern spricht sehr dafür, dass man sich in Charlotte auf eine weitere Saison im Tabellenkeller der Eastern Conference einstellen muss.
Letzten Endes werden die Miami Heat ihre Division leicht und locker gewinnen, während für die Hawks der zweite Platz und eine sichere Playoffteilnahme stehen. Dahinter werden die Washington Wizards ihren dritten Platz als Erfolg feiern können, während sich Orlando und Charlotte um die Rote Laterne balgen werden - und das wohl nicht nur in der Division, sondern ligaweit.
