Es sind die großen Namen aus der NHL, die die Schlagzeilen bestimmen. Daneben gibt es aber noch eine ganze Reihe weniger bekannter Spieler, die in dieser Saison den Weg in die DEL gefunden haben. Mit zum Teil erstaunlichen Leistungen.
Ehrhoff, Seidenberg, Goc, Briere, Stastny, Wheeler, Hecht und einige mehr - die wohlklingenden Namen aus der NHL bestimmen die Eishockeythemen dieser Tage hierzulande. Dabei gibt es auch in dieser Saison wieder eine ganze Reihe anderer Import-Spieler, die erstmals in der DEL einen Vertrag unterschrieben haben und deren Namen bis dahin oftmals nur Experten bekannt waren.
Während die NHL-Cracks mittlerweile ausnahmslos zu den Aktivposten ihrer Teams zählen, lohnt es sich aber auch bei den Unbekannten durchaus, ein wenig näher hinzuschauen. Wer von ihnen hat die Hoffnungen seines Clubs erfüllt, wer ist bislang hinter den Erwartungen zurück geblieben? sportal.de hat sich unter den Importen der Liga umgeschaut, zieht ein vorläufiges Fazit und hebt einige DEL-Neulinge hervor, deren Leistungen besonders ins Auge gestochen sind.
Die Creme de la DEL Importe
Es gibt sicherlich ein paar Namen, die allen Eishockey-Kennern sofort in den Sinn kommen, wenn sie an die besten Neulinge der Saison denken. So wie der von Straubings Blaine Down. Der 30-Jährige Kanadier wechselte aus Zürich nach Niederbayern und überraschte mit seinen Leistungen trotz guter Referenzen selbst die kühnsten Optimisten. Erst am Mittwoch traf er im bayerischen Derby gegen Ingolstadt gleich viermal. Mit insgesamt 16 Toren und 16 Vorlagen ist er Sechster der Topscorer-Liste und einer der gefährlichsten Torjäger der Liga.
Auch anderenorts glänzen Neulinge und sorgen in der DEL für Aufsehen. Das gilt zum Beispiel für Kölns Defensivmann Andreas Holmqvist. Der 31-jährige Schwede zählt seit Saisonbeginn zu den spektakulärsten Verteidigern und führt die Scorerliste der Abwehrspieler (26 Punkte) zusammen mit NHL-Star Christian Ehrhoff (26) an, noch vor Stanley-Cup-Sieger Dennis Seidenberg (19). Seinem schwedischen Abwehrkollegen Daniel Tjärnqvist, der im Sommer mit der Referenz von fast 400 NHL-Spielen nach Köln wechselte, stahl er damit ein ums andere Mal die Show.
Während man von den beiden Schweden durchaus einiges erwarten durfte, waren die Erwartungen an andere Neuverpflichtungen nicht ganz so hoch. Wie zum Beispiel beim Neuzugang der Berliner Eisbären Matt Foy. Der ehemalige NHL-Profi (58 Spiele für Minnesota) absolvierte zwischen 2008 und 2011 lediglich 11 Profi-Spiele. Zahlreiche Verletzungen hatten den 29-jährigen Angreifer immer wieder außer Gefecht gesetzt.
In der vergangenen Saison versuchte der Kanadier seine Karriere in der drittklassigen ECHL wieder anzuschieben. Nicht ganz ohne Erfolg. Denn zu Beginn dieser Spielzeit winkte immerhin ein Vertrag beim amtierenden Deutschen Meister. Ein Risiko, das sich für beide Seiten ausgezahlt hat. Neun Treffer und acht Assists stehen bislang auf Foys Konto zu Buche.
Die wundersame Geschichte des Ales Kranjc
Geradezu kurios mutet auch die Geschichte von Kölns Ales Kranjc an. Der Verteidiger aus Slowenien, bis dahin eher Mitläufer in den österreichischen und tschechischen Ligen, traf im Sommer einen Nachwuchsprofi der Haie im Fitnessstudio, folgte daraufhin einer Einladung zum Sommertraining des Clubs.
Dort empfahl er sich Trainer Uwe Krupp, bekam tatsächlich einen Vertrag bei den Haien und sorgte von Beginn an mit starken Leistungen in der Defensive für Aufsehen. Wenngleich der Schwung vom Saisonbeginn mittlerweile etwas abgeebbt ist, darf er durchaus weiterhin zu den Tops der Neuverpflichtungen gezählt werden.
Ebenso wie einige andere, die in dieser Saison zum ersten Mal auf DEL-Eis stehen und deren Clubs sich über respektable Leistungen freuen dürfen. An der Spitze Namen wie Derek Whitmore (Augsburg), Calle Ridderwall (DEG), Aaron Brocklehurst (Wolfsburg), Chris Minard (Köln) oder Jason Bacashihua (Straubing).
Das MIttelfeld der DEL Importe
Im Mittelfeld unseren Rankings befinden sich Spieler, die zwar keinen ausgesprochen schwachen Saisonstart hingelegt, aber mit ihren Leistungen auch nicht gerade Begeisterungsstürme entfacht haben. Einer dieser Spieler ist Mannheims Verteidiger Doug Janik. Der Kanadier mit der Erfahrung aus fast 200 NHL-Spielen war von den Verantwortlichen der Kurpfälzer als Nachfolger von Chris Lee verpflichtet worden, der im Vorjahr der offensivstärkste Abwehrspieler der Liga war. Zwar spielt Janik keine unterirdische Saison, doch noch wird er diesen hohen Erwartungen nicht gerecht.
Ähnliches gilt auch für Düsseldorfs Drew Paris. Der 24-Jährige kam zwar nicht mit den besten Referenzen aus Nordamerika, dennoch hätte man dem Kanadier in der jungen DEG-Mannschaft zugetraut, noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Oder J.D. Forrest in Augsburg, der zwar verletzungsbedingt erst zwölf Partien absolvierte, seinen Vorschusslorbeeren aus der Schweiz und Finnland dabei aber nicht gerecht werden konnte. Auch Nürnbergs Brett Festerling fällt in diese Kategorie. Der als Hochkaräter verpflichte Abwehrrecke erledigt seine Defensivaufgaben zwar oft tadellos, doch im Vorwärtsgang bleibt er selbst hinter seinen schlechtesten Jahren in Nordamerika zurück.
Doch natürlich gibt es am unteren Ende unseres Überblicks auch eindeutigere Fälle, wie den des Müncheners Brent Aubin. Der flinke Flügelstürmer gehörte in der Vorsaison zu den 20 erfolgreichsten Angreifern der Österreichischen EBEL. Wenngleich auch von Verletzungen ausgebremst, konnte er dies in seinen 16 Partien auf deutschem Eis noch nicht unter Beweis stellen. Ein einziges Törchen für den EHC - eine dann doch eher mickrige Ausbeute.
Die Phalanx der DEL Enttäuschten
Probleme mit dem Niveau in der DEL scheint auch Berlins James Arniel zu haben. Der Neuzugang, der immerhin schon einmal auf NHL-Eis stand, konnte beim Meister noch nicht überzeugen. Selbiges gilt für seinen ebenfalls 23-Jährigen Kollegen Marc Katic. Vor zwei Jahren absolvierte der junge Verteidiger bereits elf Partien in der NHL, kam in dieser Saison als Ersatz für Powerplay-Quarterback Richie Regehr nach Berlin. Zwar konnte Katic im Gegensatz zu Arniel schon die eine oder andere gute Leistung abrufen, hatte aber auch schon komplett schwarze Tage. Während Vorgänger Regehr in der letzten Hauptrunde elf Treffer erzielte, hat Katic derzeit erst deren drei auf dem Konto.
Auch andere Profis blieben bislang hinter den Erwartungen zurück, wie zum Beispiel Wolfsburg Justin Mercier oder Krefelds Josh Meyers.
Aber noch haben wir gerade einmal die erste Hälfte der Hauptrunde hinter uns. Vielleicht platzt bei dem einen oder anderen doch noch der Knoten. Und für einige der Neulinge kommt die echte Nagelprobe ohnehin erst, wenn draußen der Frühling langsam wieder Einzug hält und in den Hallen das Eis zu kochen beginnt. Nicht umsonst heißt es, dass sich der wahre Charakter eines Spielers erst in den Playoffs offenbart.
