Drei Jahre nach der Beinahe-Pleite und dem sportlichen Absturz sind die Kölner Haie wieder in der DEL-Spitze angekommen. Mit zuletzt drei wichtigen Siegen gegen Top-Teams hat der KEC seine Meisterschaftsambitionen untermauert. sportal.de analysiert den Höhenflug.
Die vergangenen zwei Wochen waren für die Kölner Haie so etwas wie die Wochen der Wahrheit - mit vier Partien gegen hochgehandelte Titel-Aspiranten hatte der KEC die Creme de la Creme der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vor der Brust. Für die Haie der ultimative Test, um den hervorragenden Saisonstart zu bestätigten und die Meisterschafts-Ansprüche zu untermauern.
Diese Reifeprüfung meisterten die Schützlinge von Ex-Nationalcoach Uwe Krupp schließlich mit Bravour. Gegen die Eisbären Berlin (6:5), die Adler Mannheim (3:1) und die Nürnberg Ice Tigers (5:4) ging die Mannschaft als Sieger vom Eis, die Auswärts-Niederlage beim ERC Ingolstadt (3:6) trübte die vielen positiven Eindrücke kaum. Die Haie ziehen nunmehr mit 31 Punkten aus 13 Spielen an der Tabellenspitze fast schon einsam ihre Kreise. Auf die Zweitplatzierten Adler beträgt der Vorsprung sechs Zähler, auf den ersten Preplayoff-Rang mittlerweile gewaltige 14 Punkte.
13 Spiele, elf Siege für Kölner Haie
"Solche Eishockey-Abende machen Spaß", resümierte Verteidiger Moritz Müller im Anschluss an die drei wichtigen Siege. Spaß haben die Haie in dieser Saison ohnehin nach fast jeder Partie in 13 Begegnungen gingen die Kölner elf Mal als Gewinner vom Eis. "Die Stimmung bei uns ist dementsprechend gut", sagt Stürmer Felix Schütz und auch das Selbstvertrauen scheint gestärkt: "Wir sind gut genug um jede Mannschaft zu schlagen", konstatiert Torhüter Youri Ziffzer.
Bei diesem Saisonstart ist es kaum verwunderlich, dass die Haie in vielen Statistiken ganz weit vorne rangieren. Der KEC stellt das erfolgreichste Auswärtsteam, hat die mit sieben Erfolgen bisher längste Siegesserie aufgestellt, ist in Über- sowie Unterzahl (22,45 bzw. 86,36 Prozent Quote) unter den besten Fünf-Teams und nur Berlin (50) hat mehr Tore erzielte als die Haie (48). Kaum Schwachpunkte also und kaum was zu meckern für Trainer Uwe Krupp. "Unsere Abwehr war nicht immer ganz sattelfest", findet der Chef hinter der Haie Bande dennoch Verbesserungspotential, dabei kassierten nur vier Teams weniger Gegentreffer.
Wie die meisten Vertreter seiner Zunft tritt auch Krupp in Tagen des Hochgefühls gerne einmal auf die Euphorie-Bremse. "Auch wir werden einmal unser Tief bekommen", vermutet der ehemalige Nationalspieler und Stanley-Cup-Gewinner. Noch ist davon indes nichts zu spüren. Wie enorm stark der Haie-Start in dieser Saison wirklich ist, zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit. Selbst im Jahr der Vizemeisterschaft 2008 hatte der KEC nach 13 Spielen erst 22 Zähler auf dem Konto. Am Ende sprang dabei der dritte Platz nach der Vorrunde heraus und in den Playoffs war erst im Finale gegen Serienmeister Berlin Schluss.
Finanzieller und sportlicher Absturz
Der anschließende Sommer ging für den KEC als ein Knackpunkt in die Geschichte ein, in dessen Folge es für den Verein rapide bergab ging. Erst drohte dem Traditionsklub die wirtschaftliche Pleite, dann folgte nach einer finanziellen Rettung in letzter Sekunde auch sportlich der Einbruch. Eine Saison nach der Vizemeisterschaft belegten die Haie den vorletzten Platz und verpassten auch im Jahr darauf das Playoff-Viertelfinale.
Ein bitterer Niedergang für einen Klub, der schon lange vor Gründung der DEL zu den Schwergewichten im deutschen Eishockey zählte. Acht Deutsche Meisterschaften (1977, 79, 84, 86-88, 95, 2002) und zu DEL-Zeiten vier weitere Finalteilnahmen und nicht eine einzige verpasste Endrunde sind die stolze Bilanz eines Clubs, der nach der Fertigstellung der riesigen Kölnarena im rechtsrheinischen Deutz auch zu den Zuschauer-Giganten des europäischen Eishockeys zählte.
Die Zuschauerzahlen gingen in den schweren Jahren zwar etwas zurück, aber auch in dieser Zeit zählte der KEC in Europa stets zu den fünf Vereinen mit der größten Anziehungskraft. Jetzt, dank der starken Leistungen der aktuellen Saison, befinden sich die Zahlen wieder in alten Dimensionen. In den sechs Heimspielen strömten im Schnitt über 13.500 Zuschauer in die Kölnarena ein immenser Zuwachs von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorsaison, der die Phase der wirtschaftlichen Erholung weiter vorantreibt.
Der Erfolg der Kölner Haie trägt einen Namen
Verbunden ist der Aufwärtstrend auch mit der Person von Coach Uwe Krupp, der im Sommer 2011 sein Amt als Bundestrainer niedergelegt hatte, um bei seinem Heimatklub, für den er vor seinem Wechsel in die NHL auflief, den Job hinter der Bande zu übernehmen. In seinem ersten Jahr führte der gebürtige Kölner das Team auf Anhieb zurück in die Playoffs, wenngleich dort noch im Viertelfinale gegen den späteren Meister aus Berlin Schluss war.
Das soll sich dieses Jahr ändern. Schon vor der Saison war eine gewisse Euphorie im Umfeld der Haie zu spüren, denn der Klub hat seine finanzielle Talsohle mittlerweile hinter sich gelassen und den Etat im Vorfeld dieser Spielzeit um 600.000 Euro aufgestockt. Der Großteil der neuen Mittel floss direkt in die Verpflichtung hochklassiger Ausländer. So sorgten die Verantwortlichen des KEC für Aufsehen, als sie im Sommer den Wechsel des Schweden-Trios Holmqvist, Tjärnqvist und Falk bekannt gaben. Mit Chris Minard kam zudem einer der besten Torschützen der nordamerikanischen Minor-Leagues (290 Tore in 649 Spielen als Profi) an den Rhein, der zurzeit mit neun Treffern auch die Torjäger-Liste der DEL anführt.
Dazu kann Krupp auf eine deutsche Fraktion um eine Vielzahl aktueller Nationalspieler wie Philipp Gogulla, Felix Schütz oder John Tripp zählen, die schon in der Vorsaison zu den Eckpfeilern des Teams gehörte und nun gemeinsam mit den Neuverpflichtungen ein in allen Mannschaftsteilen hochklassiges und ausgeglichenes Teamgefüge bilden.
Offiziell ist der sechste Platz das Ziel der Haie, spätestens nach dem starken Saisonstart träumen in der Domstadt viele Fans schon von mehr. Und selbst sonst eher besonnene Experten geraten bei den Leistungen des derzeitigen Tabellenersten schon einmal in Schwärmen. Florian Keller, ehemaliger Nationalspieler und nun Fachmann bei ServusTV: "Was die da oben abziehen, ist unglaublich!"
