Halbzeit in der DEL - Zeit für ein Zwischenfazit! Die spannendste Frage gilt dabei den Akteuren einer anderen Liga: Welches DEL-Team profitierte bisher am meisten vom Lockout in der NHL? sportal.de gibt die Antwort.
Die Signale aus Nordamerika sind immer wieder gemischt: Mal sieht es nach einer baldigen Beendigung des Lockouts aus, dann wieder scheint eine komplette Absage der gesamten Spielzeit im Bereich des Möglichen. Als "Achterbahnfahrt" bezeichnete NHL-Chef Gary Bettman die Verhandlungen der letzten Woche. Zuletzt lehnte die Spielergewerkschaft NHLPA ein Angebot der Clubeigner ab, seither sind die Fronten wieder verhärtet.
Die Wahrscheinlichkeit für ein Saison-Aus der NHL scheint nach den jüngsten Entwicklungen also abermals gestiegen. Erste Stimmen fordern sogar eine Aufstockung der Ausländer-Lizenzen in der DEL, sollte es in der Tat dazu kommen. "Das würde ich sehr begrüßen", sagte Experte Erich Goldmann am Mikrophon von Servus-TV. Er plädiert für eine zusätzliche NHL-Ausländerlizenz pro Team.
Schon heute ziehen mit Spielern wie zum Beispiel Danny Briere, Jason Pominville oder Blake Wheeler absolute Top-Stars aus der besten Liga der Welt in der DEL ihre Kreise. Welchen Stellenwert die NHL-Profis besitzen können, zeigte das Duo Stastny/Wheeler erst am Sonntag. Beim 5:2-Sieg des EHC München in Mannheim erzielten sie vier von fünf Toren für die Bayern.
Bei fünf der Top-Sechs Teams steht mindestens ein Spieler aus der NHL unter Vertrag. Nachdem die DEL-Hauptrunde ihr Bergfest erreicht hat, ist es Zeit für ein Zwischenfazit im Hinblick auf die NHL-Verpflichtungen. Wie haben die Übersee-Spieler eingeschlagen? Welchen Einfluss haben die nicht immer gerade preiswerten Verpflichtungen auf die Leistung ihres Teams? Sportal.de mit der Rangliste der Profiteure des Lockouts.
Rang 1: EHC Red Bull München - Kongeniales US-Duo
Die Verpflichtung von Blake Wheeler (26), im Vorjahr Top-Scorers der Winnipeg Jets, war eine absolute Sensation. Als dann mit Paul Stastny (26) kurze Zeit später auch noch einer der besten Torjäger der Colorodo Avalanche folgte, war das neue Traumduo im Sturm der Münchener perfekt. "Sie geben uns ein ganz neues Selbstverständnis", sagt Trainer Pat Cortina.
Statt sich mit Düsseldorf und Wolfsburg um die rote Laterne zu streiten, hat der EHC nach den Verstärkungen aus der NHL den Kontakt in Richtung Playoff-Plätzen hergestellt und liegt nun schon auf Rang zehn. Die Zahlen sind beeindruckend: Seitdem die beiden Amerikaner gemeinsam für München auf Torejagd gehen, stieg der Punkteschnitt des Vereins auf 1,9 pro Partie (zuvor 1,1) und liegt damit fast auf dem Niveau von Tabellenführer Köln.
Prognose: Ohne das Duo dürfte es für den EHC schnell wieder abwärts gehen. Sollte der Lockout indes bis zum Saisonende Bestand haben, könnte es im Idealfall sogar für mehr als die Pre-Playoffs reichen.
Rang 2: Krefeld Pinguine - Verteidiger mit Fortune
Mit acht Treffern, fünf davon in Überzahl, ist Christian Ehrhoff (30) der torgefährlichste Verteidiger der Liga und hat wichtigem Anteil am überraschend erfolgreichen Abschneiden des KEV in dieser Saison. Wie groß sein Einfluss exakt ist, lässt sich indes statistisch schwer zeigen, da der Powerplay-Spezialist der Buffalo Sabres schon seit Saisonbeginn für den KEV aufläuft. Doch ein Blick ins Vorjahr deutet auf seinen enormen Stellenwert hin. Mit einem in vielen Positionen gleichen Kader landeten die Pinguine damals auf Rang zwölf. Heute rangieren sie entgegen aller Erwartungen auf dem vierten Platz.
Prognose: Ohne Ehrhoff wäre die Defensive der Pinguine dramatisch geschwächt, da die beiden Altstarts Dusan Milo und Richard Pavlikovsky ihren Zenit mittlerweile überschritten haben. Ein Abgang des Nationalspielers wäre ein herber Verlust auch weil er zur Seele der Pinguine geworden ist.
Rang 3: Eisbären Berlin - Flyers-Traumpaar kaum zu stoppen
Es war der Megadeal der Saison: Mit Daniel Briere (35) und Claude Giroux (24) wechseltne im Oktober zwei absolute Ausnahmekönner von den Philadelphia Flyers zum Deutschen Meister nach Berlin. Entsprechend beeindruckend waren die ersten Auftritte des kanadischen Duos. Schon bei ihrem Debüt gegen Köln waren sie an drei Treffern direkt beteiligt - so ähnlich sollte es weitergehen. Giroux sammelte 19 Scorerpunkte in neun Spielen, Briere 27 Punkte in 17 Partien Quoten, die selbst die von Liga-Topscorer Yanick Lehoux (36 in 28) übertreffen.
Dass die Eisbären nach holprigem Saisonstart endlich mehr Konstanz in ihr Spiel bekamen, verdanken sie auch ihren Neuzugängen aus Übersee. Der Punkteschnitt stieg von knapp 1,5 auf 1,7. Mittlerweile fehlt Giroux mit einer leichten Verletzung indes schon seit einigen Wochen, eine Rückkehr scheint zurzeit fraglich. Kollege Briere punktet dagegen weiterhin fleißig für die Hauptstädter.
Prognose: Wenngleich die Eisbären zunächst sehr von ihren beiden NHL-Profis profitierten, sind sie nach der Rückkehr einiger Rekonvaleszenten (u.a. Vorjahres Top-Scorer Darin Olver) wieder breiter aufgestellt. Den Ausfall Girouxs kompensieren sie gut und auch eine Rückkehr Brieres nach Nordamerika könnte das Team mittlerweile besser verkraften als noch vor einigen Wochen.
Rang 4: Hamburg Freezers - enormer Präsenzgewinn
Der Saisonstart der Freezers war alles andere als überragend. Bevor die Hamburger Jamie Benn (23) aus Dallas verpflichteten, ergatterten die Nordlichter in sieben Spielen gerade einmal neun Punkte. Seither ging es für die Mannschaft ganz weit nach oben, der Punkteschnitt schnellte von 1,3 auf 1,9 in die Höhe die Freezers sind mittlerweile Dritter. Sicherlich lässt sich dieser Umstand nicht nur auf die Verpflichtung Benns zurückführen, die Präsenz des Stürmers ist dennoch beeindruckend und hilft selbst den im Sturm sonst so stark besetzten Hanseaten enorm weiter, gerade direkt im Anschluss an seinen Transfer.
Prognose: Benns Abgang könnten die Freezers in der Breite locker kompensieren. Dennoch hat der wuchtige Angreifer (91 kg) dem Sturm der Kühlschränke einen wichtigen Schub gegeben. Selbst wenn der Kanadier mal nicht punktet, hilft er seinen Kollegen immer weiter - die Freezers müssten einen herben Verlust an Variabilität im Angriff hinnehmen.
Rang 5: Adler Mannheim - Verletzungspech und Startschwierigkeiten
Während sich Marcel Goc (29) von Anfang perfekt in den Angriff der Adler einfügte, hatte sein Kollege Dennis Seidenberg (31) noch mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen. Zwar besserten sich Seidenbergs Leistungen zusehends, dafür fällt Goc mittlerweile schon das zweite Mal verletzungsbedingt aus. Allzu glücklich sind die Adler mit ihren NHL-Neuzugängen daher noch nicht geworden - ihr Anteil am zweiten Platz ist bisher noch vergleichsweise gering.
Prognose: Mit Buffalos Kapitän Jason Pominville (30) konnten die Adler noch einmal nachlegen und haben einen der besten NHL-Scorer verpflichtet. Wenngleich der Amerikaner in seinen ersten beiden Partien noch blass blieb, hat er das Potential auch bei den Adlern den Unterschied auszumachen. Wenn dann auch Goc ins Team zurückkehrt, könnten die Fans in der Kurpfalz doch noch viel Freude mit ihren NHLern bekommen.
Rang 6: ERC Ingolstadt - kleines Licht, große Wirkung
Mit seinen 89 NHL-Spielen ist Alexander Sulzer (28) zwar noch ein kleines Licht in der besten Liga der Welt, in den nordamerikanischen Minor-Leagues sorgte er aber in der Vergangenheit für Aufsehen und auch dem ERC Ingolstadt hat er bereits wichtige Dienste geleistet. In 15 Spielen punktete der Powerplay-Spezialist elf-Mal - ein starker Wert. Zudem stieg der Punkteschnitt des Teams mit dem Nationalspieler von 1,55 auf 1,8 Zähler pro Partie.
Prognose: Der Verteidiger der Buffalo Sabres leistet gute Arbeit in Diensten des ERCs. Dennoch könnte der Verein einen Absprung des gebürtigen Kaufbeurens angesichts der hohen Kader-Tiefe vergleichsweise gut kompensieren.
Rang 7: Hannover Scorpions - Fehlstart für Nationaltorhüter
Erst kürzlich verpflichteten die Hannover Scorpions Schlussmann Thomas Greiss (26) von den San Jose Sharks. Der ehemalige Kölner soll auf der Torhüter-Position für zusätzliche Sicherheit sorgen. In seinen ersten beiden Partien bekam Greiss elf Tore eingeschenkt, musste am Sonntag gegen Hamburg dann sogar als Backup auf die Bank. Ein misslungenes Comeback in der DEL.
Prognose: Greiss, der in der Vorsaison 19 Spiele in der NHL (Fangquote fast 92 Prozent) bestritt, besitzt eine Menge Potential. Schon vor seinem Wechsel nach Nordamerika war er im Dress des KECs einer der sichersten Torhüter der Liga. Nun hoffen die Scorpions, dass er bald seine Form findet.
