Das olympische Fußballturnier findet zwar ohne die deutsche Mannschaft statt, aber immerhin haben zwölf Spieler aus der Bundesliga den Weg nach London gefunden. sportal.de hat sich die Gold-Favoriten und weitere Medaillenkandidaten genauer angeschaut.
Auch wenn sich bei Olympia größtenteils Fußballer der Altersklasse U 23 tummeln, haben vor allem die Kader von Brasilien und Spanien ein beachtliches Niveau. Die Trainer der Auswahlmannschaften durften neben den Jungstars auch drei Ü 23-Spieler nominieren, was vor allem beim Heimteam Großbritannien für Wirbel im Vorfeld sorgte.
Die Gold-Favoriten
Das olympische Fußballturnier beginnt und damit auch die Mission Gold für Brasiliens Seleção. Vom Rekordweltmeister wird in der Heimat nichts anderes erwartet, als der Titel. Das erste Gruppenspiel gegen Ägypten soll der Beginn der Gold-Story werden. Einer Story, bei der man bisher immer nur Zuschauer war. Zuletzt in Peking siegte Erzrivale Argentinien, während es für Brasilien nur zu Bronze reichte. Der dritte Platz aus dem Jahr 1996 als Nigeria triumphierte ist genauso unvergessen, wie die Final-Niederlagen von 1984 und 1988. Nun soll die Lücke im Trophäenschrank endlich geschlossen werden.
Über fehlenden Druck kann sich Trainer Mano Menezes also nicht beschweren. Zwei Jahre nach Beginn seines Engagements und zwei Jahre vor der WM im eigenen Land sind die Olympischen Spiele eine wichtige Bewährungsprobe für den 50-Jährigen. Nach dem Scheitern bei der Copa America im vergangenen Jahr, Brasilien schied im Viertelfinale gegen Paraguay aus, geriet Menezes´ Projekt ein wenig in Schieflage. CBF-Päsident José Maria Marin nahm das Ganze zwar noch mit Humor, äußerte sich aber recht deutlich: "Ich geben keine Garantien, nicht mal meiner Frau, wie könnte ich das dann bei einem Nationaltrainer tun." Witzig wird es für Menezes nach einem vorzeitigen Aus in Lodon nicht werden.
Aber genug der Schwarzmalerei, denn Fakt ist: Brasilien reist mit einem Top-Team nach London und gehört zu den absoluten Favoriten auf Gold. Auch abseits des Star-Hypes um Neymar vom FC Santos bietet der Kader einiges an Qualität. Die Ü23-Spieler Hulk (FC Porto), Marcelo (Real Madrid) und der gerade für 42 Millionen Euro vom AC Milan nach Paris gewechselte Verteidiger Thiago Silva gehören zu den besten Spielern des Turniers.
Aufmerksamkeit erregen momentan aber vor allem die Jungstars der Seleção. Namen wie Oscar (Internacional) oder Lucas (Sao Paulo) dominieren die internationalen Gazetten. Die beiden stehen im Land der Olympischen Spiele hoch im Kurs und weckten Begehrlichkeiten in der Premier League.
Der 20-jährige Oscar ist sich bereits mit Chelsea einig und kann für etwa 30 Millionen Euro direkt in London bleiben. Lucas ist sogar noch ein Jahr jünger und Manchester United angeblich 34 Millionen wert. Auch Neymars Teamkollegen Ganso wird der Sprung in eine europäische Topliga zugetraut. Komplettiert wird der Kader von Legionären wie Alexandre Pato (AC Mailand), Rafael (Manchester United) und Sandro (Tottenham Hotspur).
Angesichts des versammelten Talents in Brasiliens Olympia-Mannschaft ist sogar der sonst so kritische Pelé zuversichtlich: "Brasilien hat alle Voraussetzungen, die Goldmedaille zu holen. Ich glaube, Neymar wird sie uns bringen."
Zuversichtlich ist auch Spanien. La Roja ist wohl die einzige Mannschaft, die Brasilien den Titel streitig machen kann. Der Welt- und Europameister ist zwar ohne die ganz großen Stars der Spitzenclubs FC Barcelona und Real Madrid angereist, hat aber auch so ein ambitioniertes Team zusammengestellt. Die Iberer verfügen über eine enorme Anzahl junger, talentierter Spieler, die nun die Chance bekommen sich aus dem Schatten der übermachtigen Generation um Xavi und Iniesta zu lösen und sich auf der olympischen Bühne zu präsentieren.
Die EM-Champions Jordi Alba (FC Barcelona), Juan Mata (FC Chelsea) und der von Bayern umworbene Javier Martinez (Athletic Bilbao) bilden dabei das Rückgrat des Teams. Borussia Mönchengladbachs Neuzugang Alvaro Dominguez und die Offensivspieler Adrian Lopez und Koke wurden in der vergangenen Saison Europa-League-Sieger mit Atletico Madrid, was ihre Klasse beweist. Torwart David de Gea konnte mit Manchester United in Englands Premier League Vizemeister werden und spielt trotz des Vorrunden-Ausscheidens in der Champions League bei einem absoluten Top-Team Europas. Zusätzlich stehen im Kader hoffnungsvolle Talente wie Iker Muniain (Athletic Bilbao) oder die Barca-Nachwuchsleute Christian Tello und Martin Montoya.
Die Elf von U21-Nationaltrainer Luis Milla könnte durch den zweiten Olympiasieg nach 1992 ein erfolgreiches Jahr zu einem perfekten machen. Nach den EM-Siegen der A-Nationalmannschaft und der U19 würde der Triumph in London erneut die Ausnahmetstellung des spanischen Fußballs beweisen. In der Gruppe trifft Spanien auf Japan, Honduras und Marokko.
Der Kampf um Bronze
Angesichts der starken Brasilianer und Spanier bleibt für die Gastgeber aus Großbritannien im Idealfall wohl nur die kleinste Stufe des Treppchens. Erstmals seit 1960 tritt wieder ein britische Auswahl an, umso größer war das Repertoire an Spielern auf die Trainer Stuart Pierce zurückgreifen konnte. Große Diskussionen gab es im Vorfeld des Turnieres vor allem um die Person David Beckhams.
Coach Pearce hatte auf den Spieler von Los Angeles Galaxy verzichtet und stattdessen Citys Micah Richards und die walisischen Routiniers Ryan Giggs (Manchester United) und Craig Bellamy (FC Liverpool) als Ü23-Spieler nominiert. Das brachte selbst einen Sir auf die Palme. "Ich dachte, Beckham wäre die erste Wahl wegen seines großen Beitrags, Olympia nach London zu holen. Aber irgendein Idiot hat anders entschieden", sagte Paul McCartney im Vorfeld der Spiele. Und einen Beckham hätte das britische Team durchaus gebrauchen können.
Neben den drei Ü23-Akteuren fällt im Aufgebot noch Daniel Sturridge vom FC Chelsea auf. Ansonsten fehlt es dem Team an erfahrenen Spielern geschweige denn Stars. Linksverteidiger Ryan Bertrand, ebenfalls von Chelsea, konnte sich im Champions-Legaue-Finale gegen den FC Bayern auf der ganz großen Bühne präsentieren, ist bei sieben Premier-League-Partien und vier FA-Cup-Einsätzen in der letzten Saison aber weit davon entfernt Stammspieler zu sein.
Ähnliches gilt für Tom Cleverley bei Manchester United und auch für Aaron Ramsey, der dem FC Arsenal in der vergangenen Spielzeit lange verletzt fehlte. Für Großbritannien geht es in der Gruppen gegen Senegal, die Vereinigten Arabischen Emirate und...
...Uruguay, das sich auch Bronze-Chancen ausrechnen kann. Der Olympiasieger von 1924 und 1928, bietet vor allem offensiv mit Luis Suarez vom FC Liverpool und Neapels Edinson Cavani viel internationale Klasse auf. Die Celeste vertraut ansonsten auf viele Spieler aus der heimischen Liga. Ausnahmen sind Talente wie Sebastian Coates (Liverpool), Abel Hernandez (Palermo) und Nicolas Lodeiro (Botafogo), die bereits im Ausland Fuß fassen konnten.
Außenseiterchancen
Im Kampf ums Treppchen kann man der Schweiz selbst mit viel Wohlwollen nur eine Außenseiter-Chance einräumen. Gerade weil die Neu-Bundesligaspieler Granit Xhaka (Borussia Mönchengladbach) und Xherdan Shaqiri (Bayern München) absagten. Mit Francois Affolter (Bremen), Timm Klose (Nürnberg), Ricardo Rodriguez und Diego Benaglio (beide Wolfsburg) stehen aber immer noch vier Bundeligaspieler im Kader der Eidgenossen.
Neben diesem Quartett sollten die Gegner auf Admir Mehmedi (Dynamo Kiew) und Fabian Frei (FC Basel) achten, Ersterer wird den deutschen Fußballfans noch aus dem Freundschaftsspiel der DFB-Elf gegen die Schweizer A-Nationalmanschaft vor der EM bekannt sein, bei dem der 21-Jährige groß aufspielte.
Im Kader von Japan finden sich gleich fünf Bundesligaspieler: Hannovers Neuzugang Hiroki Sakai, Yuki Otsu (Mönchengladbach), Gotoku Sakai (Stuttgart), Takashi Usami (Hoffenheim) und der Neu-Nürnberger Hiroshi Kiyotake streifen sich das Trikot der blauen Samurai über.
Einen Nachweis seiner Qualität in der höchsten deutschen Spielklasse hat bisher aber nur der Stuttgarter Sakai abgeben können. Gegen die Mannschaft von Takashi Sekizuka spricht außerdem der Spielplan: Zu Beginn der Gruppenphase spielt Japan gegen Spanien, bei einem Weiterkommen als Gruppenzweiter wartet im Viertelfinale wohl Brasilien. Dennoch sollte man die Japaner nicht abschreiben.
