In der Bundesliga schon weit zurück - aber in der Champions League ist auf einmal Borussia Dortmund Weltklasse, während Bayern in Weißrussland verliert. Doch trotz eines überragenden und hochüberlegen geführten Spiels gelang dem BVB nur ein 1:1 bei Manchester City.
Roberto Mancini veränderte seine Startelf gegenüber dem Auswärtssieg in Fulham am Wochenende nur auf zwei Positionen. Edin Dzeko, der im Craven Cottage eine Minute nach seiner Einwechslung den Siegtreffer erzielt hatte, ersetzte vorne Carlos Tévez, und Samir Nasri kam für Gareth Barry ins Team. Beim BVB rutschte erwartungsgemäß Robert Lewandowski, der gegen Mönchengladbach geschont worden war, wieder in die Aufstellung an Stelle von Julian Schieber. Unerwartet war hingegen die Hereinnahme Sven Benders für Kapitän Sebastian Kehl.
Manchster City war der Favorit gegen den BVB
Immer wieder wurde in fast allen deutschen Medien seit einem Jahr das Mantra der international zu unerfahrenen Dortmunder gesungen, Ähnliches sagte man in England allerdings auch über Manchester City. Schließlich waren beide Clubs in der Vorsaison in der Gruppenphase gescheitert. Der Unterschied allerdings war, dass der BVB in einer eher durchschnittlichen Gruppe vier, City in der schwersten Gruppe zehn Punkte geholt hatte. Nicht nur deshalb ging der Englische Meister vor eigenem Publikum als Favorit ins Spiel.
Aber vielleicht sahen diese Anhänger (und die zahlreichen Dortmunder Fans, die für eine akustische Heimspielkulisse sorgten) das Gegenteil von dem, was man dem BVB in der Vorsaison nachgesagt hatte. Damals in der Bundesliga ein Jahr lang unschlagbar, dafür in der Champions League mit acht Gegentoren in drei Auswärtsspielen, diese Saison sechs Gegentore innerhalb von vier Tagen in Hamburg und Frankfurt, dafür mit einer Weltklasseleistung in Manchester.
BVB mit offensiver Aufstellung
Wer die Dortmunder Aufstellung vor dem Anpfiff studierte, der musste zu dem Schluss kommen, dass Jürgen Klopp entweder schon mit dem Leben abgeschlossen, oder aber einen besonders perfiden Plan hatte. Denn die Aufstellung mit Marco Reus und Mario Götze gemeinsam in der Mannschaft sah auf den ersten Blick etwas zu offensiv für ein Spiel aus, in dem der BVB nicht viele Spielanteile erwarten durfte.
Doch nach ganz kurzer Eingewöhnungsphase bekam Dortmund das hochklassige Spiel immer besser in den Griff. Nicht, dass City keine Chancen kreiert hätte: Roman Weidenfeller parierte exzellent gegen Sergio Agüero, und David Silva schaffte es kurz vor der Pause nicht, ein Anspiel von Samir Nasri im leeren Tor unterzubringen - wobei es auch schwer für den Spanier war, den Ball im Sprung mit dem Fuß mitzunehmen.
Joe Hart war Mann des Spiels
Weidenfeller hatte mehrere gute Aktionen vor der Pause, aber es war sein Gegenüber Joe Hart, der sich in der ersten Hälfte das Prädikat "Mann des Spiels" verdiente. Der englische Nationalkeeper zeigte eine Weltklasseleistung und lenkte einen Götze-Schuss an die Latte, einen weiteren an den Pfosten. Zudem rettete er seinem Team nach einem tollen Konter Ilkay Gündogans, den der selbst mit einem Ballgewinn gegen Yaya Touré eingeleitet hatte, das Unentschieden zur Pause, indem er aus kurzer Distanz Gündogans Abschluss parierte.
Nach der Pause wurde Dortmund noch besser, das Pressing wurde noch früher angesetzt, die Abwehrkette stand höher, und City kam nun kaum noch zu gefährlichen Angriffen. Das Führungstor nach einer Stunde durch Marco Reus kam so nicht überraschend, höchstens dadurch, dass es so spät fiel. Unter Druck spielte der gerade eingewechselte Jack Rodwell einen bösen Fehlpass in den Lauf von Marco Reus, der seinen Antritt mit dem 0:1 krönte.
Schock für BVB durch Handelfmeter
Innerhalb von fünfzehn Minuten nach dem 0:1 hätte Dortmund erhöhen müssen, aber Götze scheiterte einmal mehr an Hart, und Robert Lewandowski vergab frei vor Hart mit einem Außenristschuss, den der Stürmer knapp am Tor vorbeisetzte. Die Führung der Dortmunder war hochverdient, aber sie sollte am Ende nicht zum so wichtigen Sieg reichen. Kurz nachdem Agüero nach einer Flanke von Pablo Zabaleta per Kopf nicht an Weidenfeller vorbeigekommen war, lenkte der eingewechselte Sebastian Kehl den Ball mit dem Hinterkopf zum Argentinier, dessen Hereingabe an der Ecke des Fünfmeterraums traf Subotic am Ellenbogen, und Schiedsrichter Pavel Kralovec zeigte auf den Elfmeterpunkt.
Eine nachvollziehbare, wenn auch harte Entscheidung, und Mario Balotelli, erst zehn Minuten zuvor ins Spiel gekommen, vollstreckte cool in die Ecke, nachdem Weidenfeller vor der Ausführung noch ein Psychospielchen mit Trash Talk gegen den Italiener versuchte.
So endete das Spiel 1:1 - vor dem Anpfiff hätte Dortmund das Unentschieden sicher gerne mitgenommen, aber nach 90 Minuten war es ein sehr glücklicher Punkt für City. Borussia Dortmund muss am Sonntag vor der Länderspielpause noch in Hannover antreten, City schon einen Tag vorher in der Premier League gegen Sunderland.
