Norbert Meier hatte am Samstag ein Problem. Sein Team lag zur Pause 0:2 zurück, war hoffnungslos unterlegen. Sein zentraler Mittelfeldspieler war untergetaucht, ein anderer stand vor Gelb-Rot. Was tun? Er zog wie drei andere Trainer am achten Spieltag die Notbremse.
Acht Mal tauschten die Trainer der Bundesliga am achten Spieltag ihr Personal zur Pause oder schon vorher aus. Drei dieser Wechsel waren verletzungsbedingt. Fünfmal war die Leistung der Akteure der ausschlaggebende Teil. Ebenso kritisch sah sportal.de die Leistung des Quintetts und verteilte die Höchststrafe gleich doppelt. Doch warum kamen die anderen drei Spieler mit einem Mangelhaft davon?
Ken Ilsö (Fortuna Düsseldorf): 6
Zwei Spieler wechselte Norbert Meier schon zur Pause aus. Einer von ihnen war der völlig untergetauchte Ken Ilsö. Als zentraler Mittelfeldspieler hinter der einzigen Sturmspitze Dani Schahin war er laut offizieller Statistik ganze fünfzehn Mal am Ball und brachte keine einzige Aktion zustande, die auch nur im Ansatz einmal Gefahr hätte heraufbeschwören können. Auch defensiv erfüllte er seine Aufgaben zu keinem Zeitpunkt. Kam Ilsö mal in einen Zweikampf, verlor er diesen in aller Regel.
Das Düsseldorfer System ist bekanntlich sehr defensiv in dieser Saison ausgerichtet. Gegen den Rekordmeister traten aber eklatante Mängel zutage, lagen spielerische Klassen zwischen beiden Mannschaften. Ilsö war ein Teil des deutlich unterlegenen Teils. Dem 25-Jährigen wurde deutlich aufgezeigt, dass ihm die läuferischen, taktischen und spielerischen Mittel an allen Ecken und Enden fehlten, um von den Gegenspielern ernsthaft als störende Komponente empfunden zu werden. So blieb für sportal.de-Fachmann Olaf Edig nur eine Konsequenz: Ungenügend. Was er mit dem treffenden kurzen Fazit in der Einzelkritik untermauerte: Ilsö auf dem Spielberichtsbogen.
Tobias Levels (Fortuna Düsseldorf): 6
Einen rabenschwarzen Nachmittag inklusive einer heftigen Beschimpfung musste auch Tobias Levels über sich ergehen lassen. Während die Fans auf den Rängen bis zum Schlusspfiff eisern an dem Motto festhielten, wir lassen uns unsere Party nicht nehmen, und ihre Lieblinge feierten, war Torhüter Fabian Giefer schon in der 36. Minute sauer auf den Außenverteidiger. Dieser hatte in den Sekunden zuvor seinen Gegenspieler Luiz Gustavo aus den Augen verloren. Das 0:2 war die Folge.
Schon beim ersten Gegentor hatte Levels alt ausgesehen und wie gewohnt nur die Hacken von Franck Ribéry gesehen. Aber nicht nur gegen den Franzosen hatte er Probleme. Als er dann auch noch Gelb nach einem rüden Einsteigen gegen Bastian Schweinsteiger sah, war zu befürchten, dass er so oder so das Spielende nicht auf dem Platz erleben werde. Norbert Meier hatte ein Einsehen und zog die Notbremse.
Petr Jiracek (Hamburger SV): 5
Thorsten Fink reagierte mit einer Auswechlsung auf die schwache Leistung, die sein Mittelfeld anbot. Petr Jiracek musste weichen. Links, rechts, in der Mitte - eigentlich funktionierte das Herzstück der Mannschaft, welches Ende August erst spät mit drei wichtigen Neuzugängen gestärkt wurde, am Sonntagabend an keiner Stelle. Warum traf es dann ausgerechnet den Spieler im linken Mittelfeld, der von allen Hamburgern in der ersten Hälfte am meisten gelaufen war? Viel gelaufen war Jiracek in der Tat, den Ball hatte er allerdings nur sehr selten und wenn er in einen Zweikampf geriet, verabschiedete er sich fast immer als Verlierer.
Eine einzige Aktion ist positiv in Erinnerung geblieben, als er mit einer Flanke Rafael van der Vaart in Szene setzte. Ansonsten lief er dem Leder meist hinterher. Für sportal.de ein klarer Fall einer mangelhaften Leistung - bemüht, aber ohne jede Wirkung. Sein Trainer sollte für ihn schnell eine andere Aufgabe finden, denn der fleißige Arbeiter fühlt sich nach den bisherigen Eindrücken auf der linken Außenbahn alles andere als wohl und ist dort reichlich fehl am Platz.
Lukas Rupp (Borussia Mönchengladbach): 5
Bemüht war ohne Zweifel auch Lukas Rupp. Auch er ackerte viele Meter, gewann im Gegensatz zu Jiracek auch mehr Zweikämpfe, blieb aber alles in allem so wirkungslos wie der Tscheche. Gegen Frankfurt hatte er zuletzt besser ausgesehen, doch auch zu diesem Zeitpunkt hatte er schon darauf hingewiesen, dass er noch einen weiten Weg vor sich habe. Mit dieser Einschätzung lag und liegt er völlig richtig. Sein Passspiel ist noch zu ungenau, weil er noch Mühe mit dem Tempo in der Eliteklasse hat.
So ist er dann vorerst noch kein ernsthafter Konkurrenz für Patrick Herrmann, der es nach ihm nur ein wenig besser machte, aber auch in eine Elf kam, die schon fast aufgegeben hatte. Trainer Lucien Favre wird seinem Schützling nun wohl erst einmal die Gelegenheit zum Durchschnaufen geben und ihm einen Bankplatz zuteilen.
Jan Schlaudraff (Hannover 96): 5
Eine Pause wird Jan Schlaudraff kaum brauchen, aber den Warnschuss vor den Bug, den er nun von Trainer Mirko Slomka verpasst bekam, sollte er dennoch ernst nehmen. In der ersten halben Stunde hatte Hannover klar das Nachsehen. Gegner Eintracht Frankfurt stürmte dank seiner starken Außenverteidiger und lag auch schon mit 2:0 vorne. Die rechte Seite der 96er lahmte. Eingeteilt für diesen Abschnitt war Schlaudraff, der nach Ansicht seines Fußballlehrers seinem Hintermann Steven Cherundolo zu wenig half.
Klar war aber auch, es lag nicht nur an Schlaudraff. Das ganze Team arbeitete bis dahin schlecht gegen den Ball und ließ dem Gegner so Räume, was die Adlerträger denn auch genüsslich ausnutzten. Da Schlaudraff im Gegensatz zu Ilsö nicht komplett abgetaucht war und im Gegensatz zu Levels sich auch keine haarsträubenden Patzer erlaubte, verteilt sportal.de in diesem Fall nicht die ohnehin nur selten vorkommende Höchststrafe, sondern belässt es bei einem Mangelhaft.
Nach der Einwechslung Artur Sobiechs, der seine Sache nicht besser machte als Schlaudraff, wurde Hannover tatsächlich stärker. Die Maßnahme stabilisierte das Team also, da es den Appell des Trainers erkannt hatte. Doch 96 ging wie auch Düsseldorf, Hamburg und Mönchengladbach als Verlierer vom Platz, da das gefallene Kind nicht mehr aus dem Brunnen geholt werden konnte.
