2008 schickte Wladimir Klitschko seinen Gegner Tony Thompson in Runde elf ins Reich der Träume, beim Rückkampf ging der US-Amerikaner bereits nach dem sechsten Gongschlag auf die Bretter. Das Wunder von Bern im Stade de Suisse blieb aus.
Wladimir Klitschko hat seinen Schwergewichtstitel erneut verteidigt und Herausforderer Tony Thompson in der sechsten Runde per Knockout besiegt. Der US-Amerikaner hatte lediglich in den ersten beiden Runden angedeutet, eine Art würdiger Herausforderer zu sein. Danach bestimmte Klitschko den Kampf und Thompson gestand gegenüber dem TV Sender RTL ehrlich ein: "Vielleicht bin ich über meinem Zenit".
Zwar konnte Klitschko ob der Rechtsauslage seines Gegners nicht wie gewohnt mit dem Jab arbeiten, blieb aber immer beweglich und machte es Thompson so schwer, eigene Treffer zu setzen. Nach dem ersten Niederschlag in Runde fünf war der Kampf entschieden. Thompson versuchte nur noch über die Runden zu kommen und wurde erneut böse und entscheidend getroffen.
Rückkampf dank Fast Eddie
Durch die Verletzung von Eddie Chambers war Tony Thompson in der IBF-Rangliste auf Position eins gerückt. Dadurch war klar, er würde als Herausforderer von Wladimir Klitschko auserkoren. Die Leere im Schwergewicht ist bekannt und das Management der Klitschkos wurde in der Vergangenheit nicht müde, die jeweiligen Gegner mit Vorschusslorbeeren zu überhäufen.
Nicht so bei Thompson. Hier hieß es lediglich, er kenne den Weltmeister als Sparringspartner. Beim ersten Vergleich beider Boxer im Jahr 2008 dominierte Klitschko nach Belieben, auch wenn Thompson vor seinem Knockout 150 Treffer landete, die allesamt jedoch ohne große Wirkung geblieben waren.
Interessant war, dass Klitschko mit einem Kampfgewicht von etwa 113 Kilogramm in den Ring stieg. Demzufolge ging es weniger um Schnelligkeit und mehr um rohe Gewalt, beziehungsweise Schlagkraft. Taktisch nicht zu unterschätzen war der Fakt, dass Thompson die größere Reichweite vorzuweisen hatte, allerdings auch in der Pflicht stand, den Champion attackieren zu müssen.
Thompson beginnt im Vorwärtsgang
Der in der unabhängigen Weltrangliste ob einer zu langen Pause gestrichene Thompson das gleiche Schicksal teilte auch Klitschkos letzter Gegner Jean Marc Mormeck begann im Stade de Suisse vor den Augen der Punktrichter Alejandro Lopez Cid (Mexiko), Dave Parris (England) und Roberto Ramirez Sr. (Puerto Rico) durchaus munter.
Da beide Boxer in unterschiedlicher Auslage boxten, war die Distanz dementsprechend größer und Treffer schwerer zu setzen. Und während Thompson durchaus als Gewinner der ersten verhaltenden Runde hervorging, erhöhte Klitschko ab Runde zwei das Tempo und kam zu ersten guten Treffern mit der Rechten und einer Kombination.
Der Weltmeister hatte leichte Probleme, den Kampf vollends zu kontrollieren, musste sich mehr auf den linken Haken verlassen und kassierte so auch einige leichte Treffer, resultierend aus Kontern. Allerdings kam Thompson nicht ansatzweise an seine Schlagrate aus dem ersten Vergleich heran - er boxte ökonomischer.
Erster Niederschlag reicht, um den Gegner zu brechen
Klitschko bewegte sich gut, ansonsten klammerte er schnell. In Runde fünf dann aber das erste Ausrufezeichen, als der US-Amerikaner erst einen Jab und dann die Rechte Klitschkos komplett mit dem Gesicht abfing und zu Boden musste - Glück für ihn, dass kurze Zeit später der Gong rettete. Doch der Kampf schien damit gelaufen, die Fassade Thompsons hatte Risse bekommen.
Der zweite Niederschlag folgte und Ringrichter Sam Williams schaute sich den wankenden Thompson zehn Sekunden an und entschied völlig zurecht, dass der 40-Jährige keinerlei Befähigung mehr dazu hatte, einem Schwergewichtsweltmeister gegenüberzutreten. Lediglich in den ersten beiden Runden hatte der Herausforderer seine Gefährlichkeit angedeutet.
So blieb die Überraschung im Stade de Suisse in Bern aus und die Frage nach einem starken Gegner erneut vertagt. Chris Arreola könnte als kommende Gegner fungieren, doch zunächst erklärte der alte und neue Weltmeister, dass es ein durchaus schwerer Kampf war.
