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Von: Daniel Raecke
Datum: 09. Juli 2012, 07:30 Uhr
Format: Artikel
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Bayern München in der neuen Saison: Sammer, Heynckes und das System

Matthias Sammer, Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß
Matthias Sammer - neu bei den Bayern

Matthias Sammer wird in den Medien als harter Hund gefeiert, vor dem die Spieler Angst haben. Droht diese Fortsetzung des EM-Wahns, zur Sollbruchstelle der Bayern zu werden? Oder steht Sammer nur für gute Jugendarbeit? Und muss man mit den Neuen 4-4-2 spielen?

Der FC Bayern ist seit der ersten Juli-Woche wieder im Training. Wenn wir "der FC Bayern" sagen, dann meinen wir aber nicht Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez. Die haben natürlich noch Urlaub.

Als Lückenfüller des Sommerlochs haben die Verantwortlichen mit untrüglichem Timing Matthias Sammer präsentiert. Der neue Lizenzspielervorstand stellt dann auch eine unserer drei Baustellen dar. Also: Welche Fragen müssen beim FC Bayern in den kommenden Monaten noch beantwortet werden?

1) Matthias Sammer: Waren wirklich die "Alibis" das Problem des FC Bayern?

Wenn es darum geht, maximalen medialen Effekt zu erzielen, dann macht den Bayern keiner was vor. Pünktlich am ersten Tag nach der EM sickerte durch, dass Matthias Sammer vom DFB an die Säbener Straße wechselt, am Dienstag wurde er offiziell vorgestellt. Christian Nerlingers alles in allem glücklose Ära ist damit beendet, aber die neue Nominierung wirft Fragen auf.

Am Sportdirektor lag es ja nicht primär, dass Bayern drei Titelchancen in der vergangenen Saison vergab. Offensichtlich war der Kader im Prinzip gut genug, um um alle Titel mitzuspielen, nicht aber, die entscheidenden Schlüsselspiele zu gewinnen. Jupp Heynckes selbst sagte (vielleicht auch aus verständlicher Loyalität), dass es an Nerlinger am Wenigsten gelegen habe.

Gleichwohl ist die Verpflichtung Sammers das Eingeständnis, dass nicht alles passte am sportlichen Setup des Rekordmeisters. Was aber kann der neue Vorstand kurzfristig und was mittel- bis langfristig bewirken? Nach der guten Bilanz der DFB-Jugendarbeit in den letzten zehn Jahren, die zumindest teilweise Sammer zu verdanken ist, spricht einiges dafür, ihm das perspektivische Management des Clubs anzuvertrauen.

Warum seine Verpflichtung aber den Erfolg der Ligamannschaft beeinflussen sollte, ist uns nicht klar. Anderen Medien auch nicht, deshalb wird wieder voll auf die "Alles Kopfsache"-Schiene gesetzt. "Die Stars wissen nun sofort, dass sie in Sammer einen kompromisslosen Vorgesetzten haben", freute sich Karlheinz Wild im Kicker, und auf bild.de bestanden nur vier Profis den "Sammer-Check", der sich ausschließlich mit der "Einstellung" der Spieler beschäftigte (Gomez: "Keine Gier in den Augen"; Tymoshchuk: "Gilt als Weichling").

Das kann man als mediales Gerede abtun, aber Sammer hat schon als TV-Experte bei Sky nicht gerade einen Bogen um populäre bis populistische Thesen gemacht, und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass er der Versuchung nicht widerstehen könnte, sich auf Kosten der Profis oder des Trainers zu profilieren, wenn die Mannschaft keinen Erfolg hat. Das nicht primär aus eigenem Antrieb, sondern weil die Berichterstattung zumindest bisher nahtlos an die "alles Versager"-Rhetorik gegenüber der deutschen Mannschaft bei der EM anschließt, der zufolge Sammer vermeintlich das Gegengift gegen das "Verlierer-Gen" sei.

Wenn Sammer sich auf seine eigentliche Aufgabe, die von Uli Hoeneß so umrissen wurde, konzentriert, also die Strukturen des Clubs im Jugendbereich professionalisiert und eine damit einhergehende Transferpolitik vertritt, dann kann seine Verpflichtung ein Goldener Griff werden. Die Sollbruchstellen sind aber zu erkennen.

2) Die Spekulationen um das Defensive Mittelfeld

Seit Wochen hört man vom Bemühen des FC Bayern um Javi Martínez von Athletic Bilbao, dessen vertraglich festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro den Münchnern jedoch zu teuer ist. Da sich die Verhandlungen, in die nun wohl auch Sammer involviert sein wird, noch hinziehen, bleibt Raum für Spekulationen.

Die wildeste von diesen fand in der spanischen Sport statt und besagte, dass Sami Khedira nach München wechseln würde, aber nur, wenn Bastian Schweinsteiger im Gegenzug nach Madrid ginge. Daran passt zwar, dass Schweinsteiger seinen Respekt vor José Mourinho schon früher nicht verhehlt hat, und auch der Trainer ein Fan des Spielers ist. Aber dass die Bayern so sehr von der negativen Berichterstattung über Schweinsteiger erfasst sein sollten, dass sie ihr bestes Eigengewächs der letzten 20 Jahre einfach so gehen lassen, das ist dann doch schwer vorstellbar.

Bliebe also Javi Martínez, der als defensiverer Sechser neben Schweinsteiger spielen könnte, aber auch in der Innenverteidigung denkbar wäre, wo er Jerome Boateng ersetzen könnte. Zunächst aber bestreitet der Baske erst einmal das Olympische Fußballturnier in London, und das nach der EM und einer hammerharten Saison mit Athletic - topfit käme er wohl nicht nach München, und Fitness wäre nach den Problemen, die Schweinsteiger zuletzt hatte, nicht das schlechteste Argument für diese Position.

3) Die Systemfrage: Spricht der neue Bayern-Kader für ein 4-4-2?

Seit Louis van Gaal das 4-2-3-1 in München etablierte, haben die Bayern meistens in dieser Formation gespielt, die die starken Flügelspieler vermeintlich ideal zur Geltung bringt. Die Neuzugänge Mario Mandzukic und Claudio Pizarro werfen allerdings die Frage auf, ob ein System mit einer Spitze angesichts dreier hochkarätiger Stürmer noch angestrebt wird - zumal es sich in den Schlüsselspielen der letzten Saison auch nicht unbedingt bewährt hat.

Wenn Gomez im bisherigen System spielte, dann müssten beide offensiven Neuzugänge auf die Bank. Vermutlich würde das dann sogar für alle Neuen gelten, denn weder Xherdan Shaqiri noch Dante dürfen sich eines Stammplatzes sicher sein, geschweige denn Tom Starke, Emre Can oder Mitchell Weiser.

Mit einem 4-4-2 mit hängender Spitze ließen sich Gomez oder Mandzukic gut mit Pizarro kombinieren, der Kroate könnte auch selbst etwas mehr aus der Tiefe kommen. Hält man Franck Ribéry auf links für gesetzt, dann kämen für die rechte Außenbahn mit Arjen Robben, Thomas Müller und Shaqiri gleich drei Spieler in Frage, im zentralen Mittelfeld müssten dann zwei defensiv kompetente Sechser wie Luiz Gustavo, Bastian Schweinsteiger und eventuell Toni Kroos zum Einsatz kommen.

Die Kontrolle über das zentrale Mittelfeld ginge in diesem System möglicherweise etwas verloren - aber die war in der abgelaufenen Saison selten das Problem der Bayern. Dogmatisch kann man solche Systemfragen ohnehin nicht verhandeln. Die Einkaufspolitik der Münchner lässt allerdings eine taktische Umstellung vermuten.