Ein neuer Superman für Hollywood? Mark Cuban auf Kriegsfuß mit der halben NBA-Welt? Ein kongolesischer Spanier, der im wilden Westen heimisch geworden ist? Tiefenentspannte Thunder? Das alles gibt es nur im sportal.de-Basket Case!
Die Olympischen Spiele sind vorbei, das US-Team hat sich wie selbstverständlich die Goldmedaille gesichert und die Athleten sind im wohlverdienten Urlaub. Aber Pausen gibt es in der NBA natürlich nicht und bevor Anfang Oktober die Preseason der Liga startet, muss einiges aufgearbeitet werden.
Die Free Agents, also die vertragslosen Spieler, hatten ihre großen Wochen bereits vor den Olympischen Spielen. Mittlerweile geht es nur noch um die letzten auf dem Markt verbliebenen Spieler und natürlich die Trades, die Tauschgeschäfte innerhalb der Liga. Der größte davon, ein lang erwarteter Move, erschütterte nicht nur die Liga, sondern vor allem die Fans, die im letzten Jahr noch gespannt den Lockout-Geschichten gefolgt sind.
Howard auf den Spuren von Shaq und Kareem
Aber beginnen wir von vorne. Nach einer über ein Jahr andauernden Saga hat Dwight Howard nun endlich den Club gewechselt und sich - wie schon sein großes Vorbild, Shaquille O'Neal - von Orlando aus in Richtung Los Angeles zu den Lakers aufgemacht. Das Tauschgeschäft, in das am Ende vier Clubs involviert waren, hat bei allen Beteiligten fröhliche Gesichter hinterlassen - außer in Orlando. Bei diesem Ringtausch landete Ex-Lakers Center Andrew Bynum zusammen mit Jason Richardson in Philadelphia bei den 76'ers, Andre Iguodala, Olympia-Teilnehmer mit dem Dream Team, landete in Denver und Orlando darf sich über Mittelklassespieler wie Arron Afflalo, Al Harrington oder Nikola Vucevic freuen.
Vor wenigen Monaten noch hatten die New Jersey/Brooklyn Nets noch ein wesentlich besseres Angebot abgegeben. Mit Brook Lopez und Kris Humphries hätte man zumindest zwei solide Big Men zurück bekommen, und außerdem hätte man den überteuerten Vertrag von Hedu Turkoglu loswerden können, doch man rechnete sich noch Chancen aus, Howard zum Bleiben überreden zu können. Auch wenn dieser bereits klar gesagt hatte, spätestens 2012 gehen zu wollen.
Drei Monate Streik? Ein Neues CBA? Hilft nichts!
Schockierend an diesem Tauschgeschäft ist aber nicht nur die spärliche Ausbeute, die bei den Magic im Netz hängen geblieben ist. Vielmehr beschäftigt es die Liga, dass das Zusammenstellen solcher Über-Teams wie dem der Lakers - Howard spielt nun immerhin mit Steve Nash, Kobe Bryant und Pau Gasol zusammen - eigentlich dank des neuen Tarifvertrags und den damit verbundenen Gehaltsgrenzen unmöglich gemacht werden sollte.
Doch da die Lakers dank ihres milliardenschweren Besitzers Jerry Buss nicht aufs Geld gucken müssen, scheint sie die zusätzliche Belastung für das Überziehen der Gehaltsobergrenze nicht zu stören. Und natürlich nahmen sowohl Philadelphia als auch Denver gerne an dem Trade teil, schließlich dürfen beide Teams nun einen neuen All-Star in ihren Reihen begrüßen. In Orlando hingegen wird so schnell wohl keine Ruhe einkehren. Hunderte wütende Fans drohen bereits damit, ihre Dauerkarten wieder loswerden zu wollen. Schließlich ist jedem klar - mit diesem Team hat man im sonnigen Florida kaum Chancen auf die Playoffteilnahme, geschweige denn auf den Titel.
Und so hat Howard nach Monaten unmöglichsten Benehmens - eine Zeit lang schien es, als würde der Center seine Meinung wechseln wie der Normalbürger seine Unterwäsche - doch das erreicht, was er immer wollte: Er landet in einem Markt, der für einen Spaßvogel wie ihn perfekt ist, darf seinen selbstauferlegten Spitznamen ''Superman'' in Hollywood weiter ausleben, kann Werbemillionen einstreichen und nebenbei mit einem der bestbesetzten Teams der Liga seinen ersten Titel gewinnen - sowie die Geschichte der Lakers-Center-Legenden von Wilt Chamberlain über Kareem-Abdul Jabbar hin zu Shaq weiter schreiben.
Wie gut werden die Lakers?
Schon einmal versuchten die Lakers, eine Art Dream Team zusammen zu stellen. Im Jahr 2004 wurden All-Stars Gary Payton und Karl Malone verpflichtet, doch aufgrund von Verletzungen und angeblichen privaten Problemen konnte das Team nie sein volles Potenzial ausspielen. Und außerdem waren die Stars - Shaq, Malone und Payton - bereits alle ein gutes Stück jenseits der 30. Nun hat man also mit Steve Nash einen zweimaligen MVP, der in der letzten Saison eine starke Leistung ablieferte und die Phoenix Suns beinahe allein in die Playoffs gebracht hätte. Mit Kobe Bryant den wohl ehrgeizigsten Spieler unserer Generation, im letzten Jahr nur knapp von Kevin Durant um den Scorer-Titel gebracht. Pau Gasol, den neben Dirk Nowitzki wohl besten Power Forward der letzten drei Jahre. Und eben Howard, den mit Abstand besten Center der Liga.
Das alles dürfte, wenn man von Verletzungen verschont bleibt, für ein neues Kapitel in den ruhmreichen Annalen der Lakers sorgen. Denn weder Oklahoma City noch Miami können Howard unter dem Korb etwas entgegensetzen. Die Lakers haben also genau die Waffe verpflichtet, die in ihrem Arsenal noch fehlte, um vor allem in der Defensive wieder wie eine Macht auftreten zu können. Die Meisterschaft wird definitiv nur über die alte, neue Supermacht aus Los Angeles führen.
Und natürlich diskutieren viele darüber, wie groß das Upgrade von Bynum zu Howard nun wirklich ist. Wer allerdings gesehen hat, wie Bynum bei seiner Vorstellung in Philadelphia in Lakers-Kleidung aus dem Flieger stieg, der weiß auch, dass die Probleme mit dem jungen Center weit über das Parkett hinaus reichten und den Lakers somit wohl einiges an Sorgen erspart bleibt. Dazu passte auch ein sichtlich gut gelaunter Kobe Bryant, der bei einem Benefizspiel in China nach erzielten 68 Punkten innerhalb einer Halbzeit nur schmunzelnd in die Mikrofone sagte:''Ich freue mich auf die neue Saison.''
Achselzucken in Oklahoma - Ibaka bleibt
Sicher keine guten Nachrichten für den Rest der Western Conference, allen voran dem letztjährigen Zweiten der Liga, die Oklahoma City Thunder. Doch anstatt sich große Sorgen zu machen, quittierte Gener Manager Sam Presti den Wechsel nur mit einem ironischen: ''Ja, so ist unsere Liga nun mal. Aber toll, dass wir so viel Ärger wegen der neuen Gehaltsstrukturen hatten'', bevor er sich selber an die Arbeit machte und den Vertrag des spanischen Silbermedaillengewinners von London, Serge Ibaka, um vier Jahre für 48 Millionen Dollar verlängerte.
Gerade im Zuge das Howard-Trades dürfte ein block- und reboundstarker Spieler wie Ibaka das wichtigste für die Thunder sein, die nun nur noch mit James Harden verlängern müssen, dessen Vertrag nach der nächsten Saison ausläuft. Und Ibaka selbst? Verzichtete für den Vertrag liebend gerne auf das eine oder andere Milliönchen, das ihm von anderen Vereinen in Aussicht gestellt worden war. Schließlich kann er so weiter mit Russell Westbrook und Kevin Durant spielen, dem zur Zeit sicher vielversprechendsten jungen Duo, das die Liga zu bieten hat.
Wird LeBron James noch besser?
Wenig Aufregung herrscht ebenfalls am South Beach von Miami, wo der Titelverteidiger, die Miami Heat, zuhause ist. LeBron James krönte seine unglaubliche Saison - MVP, Finals-MVP, erste Meisterschaft - nun auch noch mit der goldenen Olympia-Medaille. Und Kollege Dwyane Wade, der die olympischen Spiele verletzt absagen musste und sich in heimischen Gefilden auf sein Comeback vorbereitet, gab nur eins zum Besten:''Ihr werdet alle sehen - LeBron wird noch besser werden. Der Druck des Meisterrings ist von ihm abgefallen, jetzt kann er sich nur noch auf sein Spiel konzentrieren - keine Sorge, wir werden noch jahrelang um den Titel mitspielen.''
Angst vor den Lakers, den Thunder oder gar den neuformierten Nets? Fehlanzeige. Doch ein Blick auf die Playoff-Serie des letzten Jahres gegen die Indiana Pacers, die als einziges Team im Osten einen wirklich guten Center aufbieten konnten und den Heat damit reichlich Probleme bereiteten, zeigt: Auch die Heat müssen sich warm anziehen, wenn es im Finale gegen die Lakers gehen sollte. Zumal gerade Dwight Howard mit seinen ehemaligen Nachbarn aus Florida noch die eine oder andere Rechnung offen haben dürfte.
Trubel um die Mavs - sponsored by Cuban
Nicht ganz so fröhlich geht es hingegen bei anderen Teams der Liga zu, nicht zuletzt bei den Dallas Mavericks. Nachdem sich der Staub um Trades und Free Agents gelegt hat und die Mavs sicherlich als einer der ganz großen Verlierer dastehen, wie schon im letzten Basket Case ausgiebigst beschrieben, meldete sich nun Besitzer Mark Cuban lautstark zu Wort.
Zunächst mal wäre man im großen und ganzen ohne die Unterschrift von Deron Williams besser dran. Ach ja? Und Jason Kidd wäre eine große Enttäuschung, einfach so nach New York zu gehen anstatt bei den Mavericks weiter auszuhelfen, deshalb gäbe es für Kidds Trikot keinen Platz in der Ahnengallerie der Mavs. Der Spielmacher der Meistermannschaft? Aber der Reihe nach.
Zunächst mal plant Cuban mit dem in diesem Jahr gesparten Geld im nächsten Jahr eine Einkaufsoffensive. Völlig unter den Tisch fallen ließ der Milliardär dabei aber die Tatsache, dass Dirk Nowitzki nicht jünger und seine Chancen auf einen weiteren Titel damit sicher nicht größer werden. Zumal sich Nowitzki in dieser Saison wohl schon mal mit dem Verpassen der Playoffs anfreunden kann. Und zu Kidd sei bemerkt, dass der mittlerweile 39-jährige geplant hatte, hinter Williams die Rolle der leitenden und aushelfenden Nummer zwei zu spielen - eine Rolle, die er nun in New York ausüben wird.
Etwas erfreuliches gibt es aus Texas aber dennoch zu berichten: Und zwar gratulieren wir Dirk Nowitzki zu seiner Hochzeit! Heimlich, still und leise, wie es sich der deutsche Superstar sicher gewünscht hatte, hat Nowitzki nämlich seine Freundin, die Kunsthändlerin Jessica Olsson, Ende Juli in seinem Haus in Dallas geehelicht. Wir wünschen alles Gute, und möge der Bund fürs Leben tatsächlich ewig halten und Nowitzki noch ein wenig mehr Schwung für die nächste Saison geben.
